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Nachhaltigkeit

Ganzheitlich und energieeffizient

Graft-Architekten achten auf Energieeffizienz und Wiederverwertbarkeit des Materials.

Ganzheitlich und energieeffizient Ganzheitlich und energieeffizient
graft

Graft ist ein Pool für nachhaltig Neugierige und ökologische Querdenker. Lars Krückeberg ist einer der drei Gründer des Architekturbüros, das sich mit unkonventioneller Gestaltung international einen Namen gemacht hat – unter anderem mit Bauten in Los Angeles im Auftrag des Hollywood-Schauspielers Brad Pitt.

Herr Krückeberg, alle reden von Nachhaltigkeit. Was ist für Sie nachhaltig?

Lars Krückeberg: Es ist ein modernes, neues Wort, was häufig benutzt und daher extrem überstrapaziert wird. Für mich kann es sehr viel bedeuten. Es kommt darauf an, wie man es für sich selbst im jeweiligen Kontext definiert.

Können Sie das genauer erklären?

Krückeberg: Es handelt sich ja um eine komplexe Gemengelage, die so herunter gebrochen werden muss, dass sie verständlich wird. Daher bringt es unserer Meinung nach nichts, ganz allgemein über Grün zu reden. Jedes einzelne Thema muss so vertieft werden, dass es im Sinne von Nachhaltigkeit sinnvoll wird. Leider beschreiben die meisten Worte nur Teilbereiche. Man müsste also stets neue Worte erfinden. Fest steht nur, dass es zuerst immer um die Aufgabe geht und erst danach um das Wie. Deshalb bringt es auch nichts, Materialien zu vergleichen. Man sollte lieber deren Vorteile untersuchen und für den jeweiligen Entwurf prüfen.

Aber was machen wir dann mit den bereits produzierten Dingen?

Krückeberg: Die müssen so produziert werden, dass alles, was sich nicht durchsetzt, wieder in die ökologischen Systeme einfließen kann. Und sie sollten auch nicht zu enorm hohem Energieaufwand führen.

Es geht also um Recycling-Produkte?

Krückeberg: Genau. Es geht darum, mit Materialien zu arbeiten, die nachwachsen – wie zum Beispiel Holz. Es gibt zuzeit eine große Renaissance traditioneller Werkstoffe, die komplett neu und modern interpretiert werden, im neuen Kontext stehen und so auch wieder wettbewerbsfähig werden. Mit Materialien also nicht im Sinne von Downcycling sondern Recycling umgehen, das ist die Herausforderung. Ein Haus etwa muss nach seiner Lebenszeit wieder in seine Bestandteile zerlegt werden können, um diese wieder zu verwenden. Dabei ist egal, ob die Materialien wieder direkt eingesetzt oder umgenutzt werden.

Wie bei Ihrem „Smart Material House“?

Krückeberg: Ein Paradebeispiel. Griffner (der Fertighaushersteller, für den Graft das Haus entwarf – die Red.) ist ja ein PreFab-Hersteller, der aber interessante Wege geht und modular durchaus noch Variationen zulässt. Das war für uns sehr interessant, weil wir nicht an one-size-fits-all glauben. Zusammen ging es uns aber nicht nur einfach um ein Holzhaus, sondern darum, ein intelligentes Haus zu bauen, bei dem ein Schwerpunktthema die Luftqualität ist – also nicht unser täglich Brot, sondern unsere täglich Luft, die wir atmen und die uns entweder gesund erhält und damit glücklich und produktiv oder krank macht. Noch stellt leider niemand die Rechnung auf, was es bedeutet, wenn ein Haus zwar energieeffizient ist, aber durch schlechte Luft krank macht und so das ohnehin explodierende Gesundheitswesen belastet. Es gibt Innenräume die eine achtmal schlechtere Luftqualität aufweisen als draußen. Dieses Thema muss dringend offener diskutiert werden.

Können Sie uns Beschaffenheit und Funktion des Hauses näher erläutern?

Krückeberg: Bei dem Haus vereinen sich viele Themen. Ein Thema ist die Verdichtung in der Vorstadt, also das klassische Thema, das Menschen immer bewegen wird: ein Haus im Grünen. Was ja auch ideal ist. Stadt und Grün ist ein großes Zukunftsthema, mit dem wir und Griffner uns viel beschäftigen. Denn eins steht fest, es wird immer diesen Traum und damit Vorstädte geben. Die Frage ist also, wie kann man auf kleiner Fläche so verdichten, dass die Lebensqualität erhalten bleibt. Unser Entwurf zeigt eine Lösung, bei der zwei Häuser auf einem Grundstück stehen und dennoch eigene Gärten haben.

Wie geht das?

Krückeberg: Die Häuser liegen übereinander. So hat der eine den tatsächlichen Garten und der andere einen riesigen Terrassengarten im ersten Obergeschoss. Eine Verdichtung auf einer Parzelle ohne extreme Einbußen an Grün! Die Luftqualität außen ist also optimiert.

Wie sieht es innen aus?

Krückeberg: Das Holzhaus hat viele Lehmbestandteile. Es gibt einen Lehmkern, in dem die nassen Bereiche wie Küche und Bad platziert sind, weil Lehm die Eigenschaft einer thermischen Masse hat, also Wärme und Kälte speichert und sogar Feuchtigkeit an den Raum abgibt. Ein Luftbefeuchter ohne Strom. Und durch zusätzliche Kapillare erreichen wir sogar eine Bauteilaktivierung. Das heißt, in der Nacht wird die gespeicherte Wärme ohne Strom abgestrahlt.

Das klingt nach einer interessanten Materialkombination, die wir anscheinend über Jahrhunderte nur vergessen haben.

Krückeberg: Richtig. Das tolle an dem Material ist, dass es uns vertraut und überall vor Ort ist. Man baut im Grunde mit der Erde, auf der die Füße stehen. Und das Ganze funktioniert ohne hohen Energieaufwand und aufwändiger Transportkosten. Außerdem nutzt das Gebäude olfaktorische Qualitäten: Jeder kennt den vertrauten Geruch von Holz.

Also Materialien, die Projekte zulassen, bei denen man ganzheitlich denkt?

Krückeberg: Deswegen sind sie für uns als Planer so reizvoll. Denn ganzheitlich denken kann man sonst nur in der Produktion. Und Architekten produzieren ja nichts. Sie sind Dienstleister. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch nachhaltige Häuser für den kleinen Geldbeutel konzipieren. Natürlich haben wir das Griffnerhaus mit vielen Nachhaltigkeitswerkzeugen ausgestattet. Diese Produkte sind aber wie eine Palette, von der man das kauft, was man wirklich braucht und bezahlen kann. Es funktioniert wie ein intelligentes Gerüst, das man nach eigenen Wünschen mit weiteren nachhaltigen Werten bestückt.

Zum Beispiel?

Krückeberg: Nehmen wir die Außenfassade. Die haben wir komplett als Photovoltaik-Anlage konzipiert, da es mittlerweile Paneele gibt, die sogar das Streulicht von Norden einfangen und Energie produzieren. Das kann man auch weglassen. Aber selbst wenn man viele dieser technologisch neuen energieeffizienten Komponenten weglässt, ist es noch ein ökologisches Haus.

Gibt es weitere Hersteller auf Ihrer Wunschliste für gemeinsame Projekte?

Krückeberg: Ja, etwa den Möbelhersteller Team 7. Es war nur eine Frage der Zeit, dass wir uns kennenlernten. Und daher ist es auch nur eine Frage der Zeit, dass wir etwas zusammen machen. Denn unsere Ansätze sind identisch, obwohl das Team um Herrn Emprechtinger Dinge herstellt und wir Dinge nur planen. Aber als Planer nutzen wir Produkte und brauchen prinzipienaffine Partner. Da sie also die gleiche Vorstellung haben, wie Zukunft gestaltet werden muss, wie wir trotzdem etwas anderes dazu sagen, kann das sehr befruchten. Es wird ein Zusammenschluss, bei dem beide voneinander lernen können.

Was beschäftigt Sie derzeit?

Krückeberg: Uns interessiert, wie wir zukünftig in der Stadt leben. Das nachhaltige, intelligente Haus und systemische Ansätze, die ganz klein sind, aber in der Masse Unglaubliches bewegen.

Weitere Informationen:

Graft Architekturpool: www.graftlab.org

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(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

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Henry Kissinger,„World Order”, August 2014