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Solar-Architektur

Mehr Licht

Das LichtAktiv Haus von Velux ist ein Vorzeigemodell für energieautarkes Wohnen.

Mehr Licht Mehr Licht
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Das LichtAktiv Haus gehört zu insgesamt sechs sogenannten Model Homes, die der Fensterhersteller Velux in Deutschland, Österreich, Dänemark, Großbritannien und Frankreich baut. Wie der Name vermuten lässt, geht es bei dem Projekt in Hamburg, das Ende 2010 fertiggestellt wurde, darum zu zeigen, wie die perfekte Ausnutzung der Sonne eine angenehme Wohnatmosphäre schafft und fast den gesamten Energiebedarf deckt.

San. DHH, 170 qm Wfl., 1.100 qm Grund in HH-Wilhelmsburg – so ähnlich hieße das Haus im Katenweg im knappen Immobilienanzeigen-Deutsch. Dabei ist es so viel mehr.

Das LichtAktiv Haus, wie die Doppelhaushälfte aus dem Baujahr 1954 heute heißt, zeigt, was man mit Licht und Luft aus einem alten Siedlerhäuschen machen kann. Aus den vielen kleinen Flächen und Stauräumen im „Siedlerstil“ wurde ein lichtdurchflutetes Haus für das 21. Jahrhundert. Die Wohnfläche vergrößerte sich von 95,8 auf insgesamt 170 Quadratmeter.

Im Mittelpunkt: Energieautarkie – und ein Garten

Für diese Idee stand das ursprüngliche Konzept der Siedlerhäuser Pate: In der Nachkriegszeit errichtet, boten sie auf kleinem Raum Platz für eine Familie, die sich mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten selbst versorgte. Durch diese Tradition ließ sich auch das Velux-Team inspirieren.

Unter Beratung von Manfred Hegger, Professor für Entwerfen und Energieeffizientes Bauen an der TU Darmstadt und Präsident der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) rückte man die Idee der Energie-Autarkie in den Mittelpunkt des Entwurfs. Dieser ging aus einem Studentenwettbewerb hervor, den Katharina Fey gewann. „ ... aus eigenem Anbau“ lautet der Titel ihres Konzepts. „Das große Grundstück und der alte Baumbestand waren ... ausschlaggebende Punkte für die erste intuitive Entwurfsidee“, so die Architektin in ihrer Rede zur Eröffnung des LichtAktiv Hauses. Sie habe sich gefragt, was die große Besonderheit und Qualität des Ortes sei – der Garten, lautete die Antwort. „Und was fehlt dem Garten: ein Gewächshaus!“

Ernten im Garten und auf dem Dach

Das ragt nun neben dem Altbau in den Garten hinein und bietet nicht nur Platz für Wohn- und Essraum sowie die Küche. Mit diesem Bau fährt das Haus auch seine „Ernte“ ein: Strom, der aus Photovoltaikmodulen, die das gesamte Dach des Anbaus bedecken, gewonnen wird. Ergänzt wird die Anlage durch Solarthermie mit einer Luft-/Wasser-Wärmepumpe, die sowohl die Sonne als auch die Außenluft zur Wärmegewinnung nutzt. So stammt die Energie für das LichtAktiv Haus zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen.

Der Neubauriegel dient nicht nur der Energieversorgung, er kompensiert auch die Einschränkungen des Bestandes: Kleine, gedrungene Räume und eine Fensterfläche von 18 Quadratmetern sorgten für eine geringe Tageslichtausbeute und ein bedrückendes Wohngefühl.

Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Die Fensterfläche wurde auf 60 Quadratmeter erhöht und der Grundriss komplett erneuert. Der frühere Treppenbereich ist heute eine lichtdurchflutete Bibliothek, in der Fassaden- und Dachfenster die Funktion einer sogenannten Tageslichtlampe übernehmen und sich die Verbindung zwischen drinnen und draußen aufzulösen scheint. Unter dem alten Spitzboden befindet sich eine helle Galerie, Elternschlafzimmer. Ankleide und Bad sind ins Obergeschoss verlegt, das Erdgeschoss verfügt über zwei Kinderzimmer und ein Bad.

Tageslicht erhöht den Wohnkomfort und spart Energie

Die zahlreichen Fenster in Wand und Dach sorgen nicht nur für eine optimale Tageslichtausbeute – die den Wohnkomfort erhöht und sowohl Energie für Heizung als auch Beleuchtung einspart – sondern dienen auch der kontrollierten Be- und Entlüftung des Hauses, das weder über eine Klimaanlage noch über entsprechende Luftschächte verfügt.

Das Öffnen und Schließen der Fenster wird dabei nicht durch ein Gerät, sondern durch die Natur selbst gesteuert: Die Technik reagiert auf Winddruck und auf die Temperaturunterschiede zwischen innen und außen.

Zur Generalüberholung des Siedlerhauses gehörte auch die Dämmung. Das LichtAktiv Haus erfüllt nicht nur die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV), sondern auch die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Das Dach wurde komplett ausgetauscht, der Sparrenzwischenraum mit Zelluloseflocken gefüllt und außen mit 35 Millimeter starken Holzfaserdämmplatten verkleidet.

Die 24 Zentimeter starken Kalksandstein-Außenwände wurden zusätzlich mit einer 20 Zentimeter starken mineralischen Dämmschicht versehen. Außerdem wurden moderne Holz-Alu-Fenster mit Wärmeschutzverglasung eingesetzt. So ergibt sich ein Primärenergieverbrauch von 42,28 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr für das LichtAktiv Haus – dieser Wert unterschreitet den laut EnEV zulässigen Wert um ein Viertel.

Ein Königsweg zum Haus der Zukunft

Die große Herausforderung bei der Planung des LichtAktiv Hauses habe darin bestanden, „mit energieeffizienten und nachhaltigen Gebäuden eine dauerhaft hohe Lebens- und Wohnqualität zu schaffen“, so beschreibt Katharina Fey die Aufgabe, vor der sie und das Velux-Team standen.

Ganz nebenbei hat das LichtAktiv Haus auch noch die Diskussion um den Königsweg zum Haus der Zukunft belebt – passiv oder aktiv? Bewusst hat man darauf gesetzt, das Haus nicht nach außen hin abzuschotten, die natürliche Belüftung und die großen Fenster sollen Tages- und Jahreszeiten erlebbar machen. Der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, Markus Schreiber, brachte es zur Eröffnung des Hauses so auf den Punkt: „Ein Passivhaus zu bauen – so langweilig kann doch keiner sein.“

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014