Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Gebäudesanierung

Mieterhöhung für das Klima

Die Regierung will die jährliche Sanierungsrate verdoppeln, Branchenexperten schätzen dies als wenig realistisch ein.

Mieterhöhung für das Klima Mieterhöhung für das Klima
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Bundesregierung will die jährliche Sanierungsrate von Gebäuden verdoppeln. Dies soll unter anderem dadurch gelingen, dass Vermieter einen noch größeren Teil der Kosten auf ihre Mieter umlegen können. Doch Branchenkenner glauben, dass dies kein ausreichender Anreiz ist, da sich die Umlage auf vielen Wohnungsmärkten nicht durchsetzen lässt.

Im Entwurf des Energiekonzeptes war noch von Sanierungszwang die Rede, doch dieser Passus wurde gestrichen. Auch die Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Kfw Bank fallen kommendes Jahr geringer aus und so stellt sich die Frage, wie die Bundesregierung ihre jüngst formulierten Ziele erreichen will. So soll sich die energetische Sanierungsrate von derzeit jährlich ein Prozent verdoppeln, um bis 2020 eine Reduzierung des Wärmebedarfs von 20 Prozent zu erreichen und bis 2050 eine Minderung des Primärenergiebedarfs von 80 Prozent.

Bundeskanzlerin Merkel kündigte an, dass dies unter anderem dadurch gelingen soll, dass Hauseigentümer die Kosten für eine energetische Sanierung stärker auf die Mieter umlegen dürfen. Konkrete Vorgaben gibt es noch nicht, diese sollen in der Mietrechtsnovelle, für die das Bundesjustizministerium federführend ist, eingearbeitet werden. Auch die derzeitige Regelung zu Mietminderungen, die Mietern gestattet bei einer Sanierung für die Zeit der Beeinträchtigung die Miete massiv zu mindern, soll überarbeitet werden.

Elf Prozent der Sanierungskosten umlegbar

Schon heute dürfen Vermieter elf Prozent der Sanierungskosten auf die Jahresmiete umlegen. Bei Kosten von 10.000 Euro kann die Mieterhöhung also 1.100 Euro im Jahr und somit monatlich rund 92 Euro betragen. Nach Berechnungen des Deutschen Mieterbundes (dmb) stehen dem bei einer 70 Quadratmeter großen Wohnung im Schnitt jedoch nur Heizkostenersparnisse von 80 Euro im Monat gegenüber. Der Mieterbund fordert daher, Mieterhöhungen künftig durch mögliche Heizkostenersparnisse zu begrenzen.

Die energetische Sanierung sei Gemeinschaftsaufgabe von Eigentümern, Mietern und Staat. Die Modernisierung steigere den Wert einer Immobilie und helfe dabei, Energie zu sparen, so der dmb. Sie diene aber auch dem Klimaschutz, von dem alle profitierten. Deshalb müsse die öffentliche Förderung, zum Beispiel das CO2-Gebäudesanierungsprogramm, drastisch erhöht werden. 2009 standen in diesem Programm noch rund zwei Milliarden Euro zu Verfügung, 2010 sind es 1,35 Milliarden Euro. Für 2011 plant die Bundesregierung Fördermittel von 950 Millionen Euro.

Deutlich höhere Förderung nötig

Auch Energieberater Peter Mellwig ist überzeugt, dass abgesehen vom Sanierungszwang staatliche Förderung das effizienteste Mittel ist, um Hauseigentümer zu Klimaschutz-Modernisierungen zu bewegen. „Es ist ganz einfach: Gibt es einen Zuschuss, machen die Leute mit und bei mir klingeln die Telefone, ansonsten nicht,“ so der Diplom-Ingenieur, der seit 2003 im Raum Berlin-Brandenburg Immobilienbesitzer berät. Damit die von der Bundesregierung anvisierten Ziele erreicht würden, bedürfe es jedoch einer deutlich höheren Förderung von rund fünf Milliarden Euro jährlich, schätzt Mellwig. Die Umlage weiterer Kosten sei dagegen kein ausreichender Sanierungsanreiz. „In vielen Regionen bekommen Eigentümer schon elf Prozent kaum durch“, sagt er.

Diese Einschätzung teilt der Eigentümerverband Haus & Grund. Lediglich in einigen Metropolregionen sei die Nachfrage nach Mietraum so groß, dass sich die Sanierungskosten noch stärker umlegen ließen als bisher, sagt Generalsekretär Andreas Stücke. Der Verband begrüße, dass die Bundesregierung von einer Sanierungspflicht für Hauseigner Abstand genommen habe. Zudem sei es „selbstverständlich, dass Mieter von energetischen Sanierungen profitieren und deshalb auch an den Kosten zu beteiligen sind“. In welchem Maß dies allerdings möglich sei, entscheide am Ende der Wohnungsmarkt. Die Zielvorgaben der Bundesregierung berücksichtigten die Marktsituation jedoch nicht. „Es wird Zeit, dass wir über realistische Modernisierungsziele diskutieren,“ sagt Stücke und fügt hinzu: „Eine Verdopplung der Sanierungsrate wird nicht zustande kommen.“

Weitere Informationen:

Das Kapitel „Energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen“ auf den Seiten 22-23 des Energiekonzeptes der Bundesregierung.

Das Interview mit Bundeskanzlerin Merkel in der Süddeutschen Zeitung vom 29. September 2010.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014