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Öko-Bauboom

Mit Soja, Schrott und Asche

Das Wired-LivingHome steht für eine neue grüne Revolution im amerikanischen Hausbau – mit viel technischem Schnick-Schnack.

Mit Soja, Schrott und Asche Mit Soja, Schrott und Asche
Uptown Verlag, Maud Radtke

Lange Zeit galt alles, was irgendwie mit Ökologie zu tun hatte, als schwer verdaulich wie ein trockenes Müsli. Die Zutatenliste hört sich auch noch immer so an. Doch mittlerweile laufen in vielen Branchen die Geschäfte mit Öko-Produkten nicht nur äußerst gut, sondern auf Hochtouren. In den USA ist es die Immobilienbranche, die seit einiger Zeit von einer neuen grünen Welle erfasst wird. Steve Glenn gehört mit seiner Firma LivingHome zu den Pionieren des Öko-Baubooms in den USA. Der kalifornische Unternehmer baut alles andere als konventionelle Häuser. Seine LivingHomes sind exklusive Architekten-Häuser, komplett ausgerüstet mit neuester Technologie.

Kooperation als Glücksfall

Im vergangenen Jahr konnten Interessenten in Brentwood bei Los Angeles ein erstes Musterhaus der LivingHome Serie von Steve Glenn besichtigen. Zur Vermarktung des Hauses ging LivingHome eine Kooperation mit der Zeitschrift Wired ein. Wired war lange Zeit das Zentralorgan elitärer Technikfreaks in Kalifornien und genoss einen Kultstatus. Steve Glenn sieht die Kooperation mit Wired als einen besonderen Glücksfall an: „Wir sind stolz darauf, mit Wired zusammen zu arbeiten. Denn das Thema ist die Zukunft. Und die Zukunft im Hausbau ist grün.“

Wired-LivingHome als Blick in die Zukunft

Das klare Wired-LivingHome-Projekt ver­eint in sich drei Zukunftsvisionen: Nachhaltigkeit, Hightech und Design. Gerade die Verbindung dieser drei Aspekte macht den besonderen Charakter des Wired-LivingHome aus. Die Ökobewegung in ihren Anfängen trat strikt technologiefeindlich auf. Ebenso kümmerten sich die Alt-Ökos wenig um Eleganz und Design. Zuallererst wollte man seine Naturverbundenheit zum Ausdruck bringen. Deshalb trug man gerne Selbstgestricktes aus Naturwolle und lebte auf dem Bauerhof.

Energieeffizienz im ganzen Haus

Die meisten Bauernhöfe werden bei der Ökobilanz des Wired-LivingHome nicht mithalten können. Denn die Energie­effizienz des Hauses ist um 36 Prozent höher als die eines vergleichbaren Gebäudes. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaik-Anlage Energie. Und 75 Prozent der im Haus verwendeten Materialien kommen aus dem Recyc­ling. Das Holz stammt aus alten Militärbaracken, die Außenfassade ist aus Stahl vom Autoschrottplatz sowie einem Beton-Asche-Gemisch. Das Dämmmaterial wurde aus Sojabohnen gemacht, und die Arbeitsplatte in der Küche ist hart wie Stein und sieht auch so aus. Doch es handelt sich dabei um die Neuigkeiten von gestern, denn sie besteht aus alten, wiederverwerteten Tageszeitungen.

Ganzheitlich nachhaltig

Die Technik im Wired-LivingHome ist Teil eines alle Bereiche umfassenden Nachhaltigkeitskonzepts. Ein Monitoringsystem mit Display in der Küche gibt genaue Auskunft über den Verbrauch und die Gewinnung von Energie und Wasser. Das Bewässerungssystem für den Garten ist per Internet ständig über die Wetterlage informiert und reagiert entsprechend. Wenn der Wetterdienst Regen meldet, schaltet sich das System automatisch ab.

Auch Entertainment kommt nicht zu kurz

Die Haus-Technik im Wired-Livinghome dient aber nicht nur der Steuerung und Überwachung. Hollywood liegt in direkter Nachbarschaft. Da darf das Thema Entertainment nicht fehlen. Vom eigenen Media-Room aus können die Bewohner das gesamte Haus mit Musik oder Filmen bespielen. Außerdem können sie die Temperatur und das Licht steuern, ebenso eigene Sounds für Telefon und Türklingel kreieren. Im Schlafzimmer simuliert das vom Bett aus steuerbare Soundsystem zum Einschlafen je nach individuellem Geschmack Wind, Meeresrauschen oder Regen.

Moderne Fertighäuser

Ray Kappe ist der Architekt des Wired-LivingHome. Kappe ist ein typischer Vertreter des kalifornischen Modernismus. Seine Häuser sind vergleichbar mit den Bauten von Richard Neutra oder John Lautner. Die kalifornischen Architekten verwenden in ihren Bauten viel Glas und gestalten offene Grundrisse. So bestehen bis zu 70 Prozent der Außenwände des Wired-LivingHome aus Glas. Alle Räume des zweigeschossigen Gebäudes bieten viel Licht und schöne Aussichten auf die umgebende Stadt- und Naturlandschaft.

Das Wired-LivingHome ist ein Fertighaus. Vor Ort braucht die Baumannschaft nur acht Stunden für den Aufbau der in einer Fabrik vorgefertigten Bauteile. Steve Glenn fühlt sich durch das Baukastenprinzip an die Legosteine aus seiner Kindheit erinnert und glaubt: „Wir können so besser, schneller und billiger bauen. Einfach effizienter.“

Die Inneneinrichtung des Wired-­LivingHome orientiert sich an der amerikanischen Wohnkultur Mitte des vergangenen Jahrhunderts. So steht im Wohnzimmer der obligatorische Lounge Chair von Charles Eames. Beim Essen sitzen die Bewohner an einem Hans-Wegner-Tisch. Das Design der Möbel und Innenräume huldigt dem klassisch-modernen Stil. Die zeitlosen Entwürfe von Eames oder Wegner sind im Gegensatz zu manch einer kurzlebigen Mode ebenso ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Komplettpaket übers Netz

Das Wired-LivingHome zeigt sehr deutlich einige der wichtigsten Tendenzen im gegenwärtigen Hausbau auf. Ökologisches Bauen koppelt sich mit elegantem Design. Digitale Steuerungs- und Kommunikationstechniken nehmen eine zentrale Rolle ein. Das Wired-LivingHome liefert viel Anschauungsmaterial wie Häuser heute vermarktet werden. Auf der Internetseite der Zeitschrift Wired kann man Produkte aus dem Wired-LivingHome kaufen. Der Käufer erhält ein zugeschnittenes Komplettpaket. Und als Sahnehäubchen bekommt er noch eine politisch korrekte Gesinnung oben drauf.

Das Anwesen auf dem 1.200 Quadratmeter großen Grundstück in den Crestwood Hills kostet stolze vier Millionen Dollar. Damit befindet man sich selbst in Los Angeles im Luxussegment. Das zeigt aber auch, wie sich die Ökobewegung verändert hat. Sie ist längst nicht mehr Teil einer alternativen Hippiekultur, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen. Öko-Produkte sind heute Status-Symbole. Wer es sich leisten kann, kauft Bio oder wohnt im High-Tech Ökopalast.

Das Wired­LivingHome mag zwar ein teurer Luxusbau sein, doch es zeigt, welch vielfältige Möglichkeiten im ökologischen Bauen stecken. Deshalb glaubt Steve Glenn, dass am Ende alle von dem Projekt profitieren: „In einigen Jahren wird es grünes Bauen nicht mehr geben. Dann wird dies einfach die Art und Weise sein wie wir Häuser bauen.“

Weitere Informationen:

www.livinghomeforsale.com

www.wired.com/promo/wiredlivinghome

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014