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Baustoffe

Ökologische Badewannen

Immer mehr Hersteller setzen bei der Ökobilanz ihrer Produkte auf Transparenz.

Ökologische Badewannen Ökologische Badewannen
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

In der Baubranche ist das Thema Nachhaltigkeit längst angekommen. Deshalb setzen immer mehr Hersteller auf grüne Bauprodukte – und lassen deren Umweltverträglichkeit durch international anerkannte Umwelt-Produktdeklarationen bestätigen.

In den Produktionshallen der Firma Kaldewei wird ordentlich eingeheizt. Täglich verlassen mehrere Tausend Bade- und Duschwannen aus Stahl-Emaille die Werkshallen des Ahlener Unternehmens. Für die Herstellung der hochwertigen Sanitäreinrichtungen braucht es viel Energie: Der Stahl wird mit bis zu 1.200 Tonnen Druck tiefgezogen und die aufgetragene Emaille bei Temperaturen bis zu 850 Grad eingebrannt.

Gerade weil das westfälische Unternehmen seine Produkte unter einem hohen Energieverbrauch herstellt und versucht, dabei nachhaltig zu wirtschaften, beschloss die Geschäftsleitung, Energieaufwand und Produktionstechniken transparent zu machen. Und sich so auch einem Vergleich zur Konkurrenz zu stellen. „Wir haben ein vernünftiges Produkt, konnten uns aber gegen Anbieter, die weniger nachhaltige Herstellungstechniken einsetzen, nicht genügend abgrenzen“, beschreibt Volker Gerhard, Abteilungsleiter für Werkstoffe und Verfahren, die Motivation von Kaldewei.

Von der Wiege bis zum Werkstor“

Da passte die EPD – zu englisch Enviromental Product Declaration – gut ins Konzept. Die so genannten Umwelt-Produktdeklarationen werden vom Institut für Bauen und Umwelt (IBU) vergeben, einer Initiative von Bauprodukteherstellern. „Die Auszeichnung beinhaltet eine unabhängige Überprüfung und zeigt die ökologische Qualität eines Produktes“, erläutert Hans Peters, Geschäftsführer des IBU das Konzept.

Untersucht werden dabei unter anderem Größen wie Energie- und Ressourceneinsatz, und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung von Gewässern, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt.

Mithilfe von externen Dienstleistern werden Informationen über die gesamten Umweltauswirkungen bei der Produktherstellung gesammelt und analysiert – und dies „von der Wiege bis zum Werktor“. Neben den Werten für den eigentlichen Herstellungsprozess werden auch die Emissionen der Zulieferer berücksichtigt. „Sogar das Butterbrotpapier unserer Mitarbeiter, das in den Abfallkörben landet, wurde mit eingerechnet“, erinnert sich Gerhard, der den gesamten Zertifizierungsprozess im Unternehmen begleitet hat.

Grüner als die Konkurrenz“

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Obwohl der Badewannenhersteller einen großen Bedarf an Erdgas für die Befeuerung seiner Emaillieröfen benötigt, schnitt er besser ab, als Hersteller von Acrylwannen, die einen weniger energieintensiven Produktionsprozess aufweisen. „Bei diesen Unternehmen entstehen die Emissionen vor allem durch die hohe Anzahl an chemischen Syntheseschritten bei der Herstellung der Acrylplatten, die als Ausgangsmaterial für die Wannenherstellung benötigt werden“, erläutert Gerhard. Dies sorge letztlich für eine deutliche Verschlechterung der Ökobilanz von Acrylwannen. Bei Kaldewei werde zwar viel Energie benötigt, doch fielen die Umweltauswirkungen aufgrund einer kleinen Anzahl von Produktionsschritten und der speziellen Rohstoffauswahl viel günstiger aus. „Unterm Strich schneiden unsere Wannen doppelt so gut ab, wie die der Acrylwannenhersteller“, bilanziert Gerhard.

Dies liege unter anderem auch an den Rohstoffen: Die Bade- und Duschwannen werden zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. „Wichtig für die Ökobilanz ist beispielsweise auch, aus welchen Regionen die Rohstoffe bezogen werden und wo sie verarbeitet werden“, weiß Gerhard. Darüber hinaus habe auch die lange Lebensdauer der Wannen mit einer Garantie von 30 Jahren einen positiven Effekt. Zudem sind die Produkte vollständig recycelbar, ohne dass eine stoffliche Trennung von Stahl und Emaille erforderlich wird und damit auch kein zusätzlicher Energieeinsatz bei der Endverwertung. „Sie werden am Ende ihres Produktlebenszykluses als Rohstoffe direkt wieder zur Stahlherstellung verwandt“, erklärt Gerhard.

Auch bei der Verpackung, die zu 99 Prozent wiederverwertbar ist, schnitt das Ahlener Unternehmen vorbildlich ab.

Immer mehr Unternehmen lassen sie zertifizieren

Dass ein solches Zertifizierungsverfahren die Energieeffizienz von Unternehmen ankurbelt und durch eine unabhängige Prüfung der Herstellungsverfahren Vertrauen bei Architekten wie Endverbrauchern geschaffen wird, zeigt die steigende Nachfrage nach Umwelt-Produktdeklarationen. „Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie sich mit einer offenen Kundenpolitik besser auf dem Markt positionieren können“, bestätigt Anna Braune, Teamleiterin Nachhaltiges Bauen und DGNB-Auditorin beim Nachhaltigkeitsberatungsunternehmen PE International in Stuttgart. Der Dienstleister hat bereits über 140 Umweltproduktdeklaration für unterschiedliche Firmen erstellt, auch für Kaldewei.

Ein großer Vorteil ist auch, dass die EPD's gemäß IBU mit ihrer international gültigen ISO-Norm bereits in Softwarelösungen implementiert werden können. So entstehen am Computer zum Beispiel schon ganze Gebäude, die mit den deklarierten Baustoffen geplant werden“, so Braune.

Wir sind keine Umweltfreaks“

Auch bei Kaldewei spürt man die Vorteile der Zertifizierung, weil die Anforderungen an ökologisch wertvolle Baustoffe auf dem Markt stark gestiegen seien. Noch ist kein anderer Badewannenhersteller diesen Weg gegangen. Viele Unternehmen würden bei dieser genauen Analyse ohnehin nicht gut abschneiden.

Kaldewei-Experte Gerhard bedauert dies. Denn würden alle Hersteller ihre Ökobilanzen offenlegen, könnte der Verbraucher wirklich vergleichen und sich auch unter Berücksichtigung von Umweltaspekten für ein Produkt entscheiden. Langlebige und qualitativ hochwertige Produkte bekämen in Zeiten des Klimawandels und steigender Energiepreise einen hohen Stellenwert. Wer grün ist, habe auch bessere Chancen auf den internationalen Märkten – besonders in der Baubranche, so Gerhard. „Aber Umweltfreaks sind wir deswegen noch lange nicht.“

Weitere Informationen:

Informationen über die EPD-Zertifizierung hat das Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU e.V.) www.bau-umwelt.de

Die Produktdeklaration von Kaldewei: www.kaldewei.com

Der Energiedienstleister PE International unterstützt Unternehmen beim Analyseverfahren zur Erlangung einer Umwelt-Produktdeklaration: www.pe-international.com