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Feuergefahr

Photovoltaik und Brandschutz

Solaranlagen machen das Löschen eines Hausbrandes schwieriger.

Photovoltaik und Brandschutz Photovoltaik und Brandschutz
energlobe.de, Denny Rosenthal

Seit im Februar im Landkreis Leer ein Wohnhaus mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach in Anwesenheit der Feuerwehr „kontrolliert“ niederbrannte, schwelt die Diskussion um den Brandschutz bei Solaranlagen.

„Der Fall hatte weniger mit der Photovoltaikanlage zu tun als mit der Einsatzlage an sich“, sagt Carsten Pix, Referent beim Deutschen Feuerwehrverband. Die Medien stürzen sich auf das Thema. „Feuerwehr lässt Häuser mit Solardach abbrennen“, titelte beispielsweise Welt Online am 6. August. „Wir können nicht gewährleisten, dass wir ein Gebäude in jedem Fall retten werden. Dennoch ist klar, dass die Feuerwehr aufgrund einer Photovoltaikanlage nicht untätig bleibt“, erklärt Pix.

In der Regel wird bei einem Feuer auch der Energieversorger alarmiert, der das Gebäude stromfrei schaltet. „Wenn Sie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben, funktioniert die Stromfreischaltung nur teilweise, weil man den Strom nicht direkt abschalten kann“, sagt Pix.

Höheres Risiko durch elektrischen Schlag 

Deswegen besteht neben abstürzenden Teilen und der Entwicklung toxischer Gase bei einem Brand im Zusammenhang mit Solaranlagen vor allem die Gefahr eines elektrischen Schlags. „Es handelt sich um Wechselstromsysteme ab 50 Volt beziehungsweise Gleichstromsysteme ab 120 Volt. Außerdem können Lichtbogen entstehen, die dazu führen, dass andere Bauteile Feuer fangen . Die Feuerwehr kann zwar bestimmte Abstände einhalten, aber eine Gefährdung ist nicht auszuschließen“, erläutert sagt Andreas Kattge, Branddirektor bei der Berufsfeuerwehr Hamburg.

Versuche, die Anlagen beispielsweise mit einer schwarzen Folie oder mit Schaum abzudecken, um die Lichtzufuhr und damit die Stromproduktion zu unterbrechen, seien bisher nicht überzeugend verlaufen. „Ideal wäre eine Abschaltmöglichkeit am Gebäude, auf die die Feuerwehr zugreifen könnte“ sagt Kattge.

Hilfreich wäre das Abschalten der Module vor Ort

„Die Abschaltung der Module wäre der Königsweg, ist aber technisch aufwändig“, sagt Heribert Schmidt, Ingenieur im Bereich Systemtechnik beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). So bleibt der Solargenerator unter Strom. Den Einsatzkräften hilft es aber schon, wenn die Leitungen, die durchs Haus führen, abgeschaltet werden können. Dies gewährleisten sogenannte Feuerwehrschalter, die inzwischen von verschiedenen Firmen angeboten werden. „ „Der Aufwand dafür ist akzeptabel“, so Schmidt. Darüber hinaus könne man die Leitungen in einem Schutzrohr verlegen.

„Wenn die Anlage nach dem Stand der Technik und den einschlägigen Vorschriften gebaut wird, dann ist sie sicher“, sagt Schmidt. Aber oft würden die Bauvorschriften nicht beachtet. „Weil die Photovoltaik sehr stark boomt, ist mit schwarzen Schafen zu rechnen, die nicht nach den geltenden Vorschriften arbeiten“, führt er aus.

Novelle des RAL Gütesiegels

Das RAL Gütesiegel gewährleistet die Einhaltung der technischen Standards. Eine Novelle der Richtlinien soll in Kürze verabschiedet werden. „Es geht darum, technische Lösungsmöglichkeiten anzubieten, die das Risiko minimieren“, sagt Jan Kai Dobelmann, Geschäftsführender Vorstand der RAL Gütegemeinschaft. Dazu gehören zum Beispiel Brandgassen zwischen den Photovoltaik-Modulen und ordentliche Kabelpläne für die Feuerwehr. „Das Problem sind nicht die Modul- und Wechselrichterhersteller, sondern es ist der ganze komplexe Prozess der Planung“, betont er. „Wenn die ausführenden Firmen das Regelwerk der RAL zur Vertragsgrundlage macht, dann hat der Kunde einen juristischen Anspruch auf seine Einhaltung.“

An der Novellierung der Richtlinien ist auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) beteiligt, der mit dem RAL Gütesiegel Standards am Markt etablieren will. In Zukunft soll die Installation der Anlagen protokolliert und anschließend abgenommen werden. „Das ist letzten Endes ein Beleg für den Betreiber, dass hier alles richtig gemacht wurde“, sagt GdV-Pressesprecher Christian Lübke. Auswirkungen auf die Prämie der Versicherer hätten die Vorrichtungen aber nicht. „Dafür tritt das Problem nicht häufig genug auf“, sagt er.

„Das A und O ist, dass die Feuerwehr Kenntnis davon bekommt, wo überhaupt Photovoltaik-Anlagen errichtet werden“, sagt Brandschutzexperte Kattge. Denn oftmals wisse die Feuerwehr gar nicht, was auf sie zukommt, wenn sie alarmiert wird.

Weitere Informationen:

Ein Weg, die sachkundige Ausführung einer Solaranlage sicher zu stellen, bietet der Photovoltaik-Anlagenpass des BSW-Solar. Mit ihm dokumentiert der Handwerksbetrieb seine fachmännische Arbeit. Entsprechende Betriebe sind auf www.pvap.de registriert.

Informationen rund um die Technik und Förderung von Solaranlagen finden sich auf www.solartechnikberater.de.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014