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Solar-Haus

Sonnenseite des Wohnens

Über die Hälfte seines Energiebedarfs deckt das Solarhaus 50+ auf regenerativem Weg.

Sonnenseite des Wohnens Sonnenseite des Wohnens
Sonnenhaus-Institut e.V.

Die absolute Mehrheit – oder 50+ –, das sind Ergebnisse, von denen Volksparteien heute nur noch träumen können. Beim solaren Bauen ist es möglich: Hinter dem Namen Solarhaus 50+ versammeln sich Gebäude, die zu mehr als 50 Prozent ganzjährig mit Solarwärme versorgt werden. Die Architektur unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Gebäuden. Die konsequente Südausrichtung des Hauses und ein relativ steiler Anstellwinkel der Kollektoren sorgen für eine optimale Sonnenernte. Herzstück des Solarhauses 50+ ist ein großer Speicher, der über mehrere Stockwerke reicht.

Solare Vollversorgung

Um Synergien zu nutzen, verbindet das steile Dach aktive mit passiven solaren Gewinnen. Der Wasserspeicher sorgt dafür, dass die Wärmeversorgung auch im Winter funktioniert. So wird eine offene und freie Form- und Raumgestaltung möglich, die mit integriertem Ofen und Speicher Technik und Architektur zu einer ästhetischen Einheit formt.

Etliche Bauherren haben ihren Traum vom Solarhaus schon verwirklicht und gemeinsam mit innovativen Solar-Architekten neue Wege zur solaren Vollversorgung beschritten. „Ein Haus auf dem Stand der Technik, möglichst schnell zu realisieren sowie eine umweltschonende Bauweise und Ausstattung“, war die Vorstellung der Familie Lorenz aus Kumhausen bei Landshut bei der Planung ihres Einfamilienhauses. Entstanden ist ein Solarhaus in Holzständerbauweise, das zu 100 Prozent mit Sonne und Holz beheizt wird und durch seine ungewöhnliche Optik auffällt.

Im Solarhaus Lorenz sind alle Energien im Fluss. Die komplette Südseite des Daches ist mit 68 Quadratmetern Kollektorfläche bedeckt, das bis zur Erde fortlaufende Glasdach im Mittelbereich bildet eine zusätzliche Wärmepufferzone im Winter, im Sommer wird der gesamte Glasanteil komplett mit einer Außenjalousie verschattet.

Haus, Dach und Garten als Einheit

Die Dachfläche aus dunkelblauen Flachkollektoren ergibt eine homogene und elegante Optik. Das komplett verglaste Wintergartendach entwickelt dabei eine ganz eigene Dynamik, die Dach, Haus und Garten zu einer Einheit verbindet und dabei interessante Durchblicke schafft. Der Wintergarten erweitert den Wohnraum ins Grüne und schafft gleichzeitig geschützte Terrassen- und Gartenbereiche. Die Räume sind offen gestaltet, verbinden innen und außen, oben und unten – mit einer großzügigen Galerie im Obergeschoss, die den Blick bis unter das Powerdach und in den Garten freigibt. Durch den Wintergarten, der vom Essplatz aus den Blick nach außen, aufgrund der Spiegelscheiben aber keinen Blick nach innen gewährt, wird die Sonne passiv genutzt.

Alles auf Sonne eingestellt

Die Form des Hauses ist nicht zufällig gewählt – der Sonneneinfallwinkel ist optimal genutzt. Dabei kommt das Gebäude ohne viel Technik aus. 68 Quadratmeter Sonnenkollektoren auf dem 45 Grad steilen Dach sorgen für solare Wärme für Heizung und Brauchwasser, die in einem elf Kubikmeter fassenden Wassertank gespeichert wird. Auf diese Weise können auch sonnenarme Tage überbrückt werden. Der 6,2 Meter hohe zylinderförmige Speicher reicht vom Keller bis in das erste Obergeschoss und dient in dem hellen Luftraum zwischen Küche und Wohnzimmer auch als gestalterisches Element. Das Treppenhaus wurde um den Speicher herum gebaut und läuft spiralförmig nach oben.

Heizen mit der Sonne und Holz

Das Haus wird zu 77 Prozent solar beheizt, für den Restbedarf sorgt ein handgemauerter Kachelofen. Der Clou daran: Der Ofen wärmt auch dann, wenn kein Stückholz in ihm brennt. Ebenso wie in allen anderen Wänden des Hauses verbirgt sich auch in seiner Ummantelung eine Wandflächenheizung, die die Solarwärme im Haus verteilt sowie ein Stückholzkessel, der die Nachheizung in längeren sonnenarmen Perioden sicherstellt. Bei einem geschätzten Brennstoffbedarf von eineinhalb Raummetern Holz im Jahr hat er seine Bewährungsprobe bereits bestanden.

Auf 170 Quadratmetern herrscht eine helle, offene Atmosphäre und im Sommer wie im Winter ein sonniges Klima – bei einem geschätzten Heizwärmebedarf von unter neun Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Voraussetzung für das Funktionieren des Heizsystems aus Sonne und Holz ist eine gute Wärmedämmung.

Speichertechnik als A und O

Aber reicht die Sonne auch, wenn der Himmel trüb ist? Es funktioniert, wie zahlreiche gebaute Objekte beweisen. Europas erstes 100-Prozent-Mehrfamilien-Solarhaus mit einer Gesamtwohnfläche von rund 900 Quadratmetern wurde bereits 2007 fertig gestellt. Initiator war der Schweizer Solar-Pionier Josef Jenni aus Oberburg-Burgdorf im Kanton Bern. 276 Quadratmeter Sonnenkollektoren auf dem Süddach sammeln die Sonnenwärme. Der Speicher fasst 205.000 Liter und steht zentral im Haus. Mit 17 Metern Höhe reicht er – bei einem Durchmesser von vier Metern – vom Keller bis unter das Dach. Die Bewohner heizen hier kostenlos.

Peter Rubeck, Geschäftsführer des Straubinger Sonnenhaus-Instituts erwartet zudem neue Entwicklungen in der Speichertechnik, die die Verbreitung der Häuser weiter beschleunigen wird: „Die heutigen großen Wassertanks könnten künftig durch Latentwärmespeicher ersetzt werden, die bei gleichem Wärmeinhalt deutlich weniger Platz benötigen.“ Und der Preis? „Für den Neubau eines Solarhauses mit 130 Quadratmetern Wohnfläche und guter Dämmung, also mindestens Standard ,Effizienzhaus 55’ laut Förderbezeichnung der KfW Bankengruppe, ist mit Mehrkosten zwischen 9.000 und 12.000 Euro zu rechnen, inklusive staatlicher Förderung. Dafür deckt die Sonne zwei Drittel des Bedarfs an Warmwasser und Heizung. Bei einer angenommenen Energiepreissteigerung von jährlich  5 Prozent amortisiert sich die Investition binnen zehn bis zwölf Jahren“, sagt Rubeck.

Laut Gerhard Stryi-Hipp, Leiter Energiepolitik und Leiter der Gruppe Thermische Kollektoren und Anwendungen am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), könnte bis zum Jahr 2050 der gesamte Energiebedarf in Europa mit einem Mix aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Das Solarhaus 50+ soll sich dabei in den nächsten Jahren zum allgemeinen Baustandard etablieren. Der Entwicklungsschritt zum rein solar beheizten Haus ist getan.

Weitere Informationen:

www.sonnenhaus-institut.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014