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Smart Grid

Stark wie 73 Offshore-Windparks

In einem intelligenten Stromnetz könnten Wärmepumpen regenerativen Strom zwischenspeichern.

Stark wie 73 Offshore-Windparks Stark wie 73 Offshore-Windparks
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Wärmepumpen könnten in intelligenten Stromnetzen, den Smart Grids, eine wichtige Rolle übernehmen und überschüssigen Wind- und Sonnenstrom speichern. Deswegen ist die Herstellerbranche trotz rückläufiger Absatzzahlen optimistisch und hofft auf einen Boom für die Heizgeräte.

Vielerorts haftet der Wärmepumpe noch das Image eines Stromfressers an. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) in Berlin startete deshalb bereits im vergangenen Jahr eine Imagekampagne. Die Botschaft: Wärmepumpen schützen das Klima, weil sie mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. In einem intelligenten Stromnetz, dem Smart Grid, können sie sogar überschüssigen, erneuerbaren Strom zwischenspeichern. Die Heizgeräte sollen also immer dann Pausen einlegen, wenn das Stromangebot gering ist und wieder anspringen, wenn es ein Überangebot an erneuerbarem Strom gibt. Durch einen steigenden Stromanteil aus regenerativen Energiequellen verbessere sich auch die Ökobilanz der Wärmepumpen, stellt Paul Waning, Vorstandsvorsitzender des BWP, in Aussicht.

Mehr Transparenz beim tatsächlichen Verbrauch

Der Diskussionen über die Effizienz von Wärmepumpen versucht die Branche mit mehr Transparenz zu begegnen. Der Haus- und Heiztechnik-Hersteller Stiebel Eltron hat deshalb eine Partnerschaft mit dem Stromanbieter Yello initiiert. Das Unternehmen aus Wolfenbüttel testet in einem Pilotprojekt Steuerungseinheiten für Wärmepumpen, die in Kombination mit einem intelligenten Stromzähler über den tatsächlichen Verbrauch der Geräte informieren. Bis zu zehn Prozent der Heiz- und Warmwasserkosten soll der Verbraucher damit einsparen können. Erste Ergebnisse wollen die Unternehmen zur ISH im März, der Weltleitmesse für effiziente Heiz- und Klimatechnik in Frankfurt, präsentieren.

Wärmepumpen als Speicher im Smart Grid?

Wenn Wärmepumpen ein Bestandteil des intelligenten Stromnetzes und damit steuerbar werden, könnten sie durchaus ein Kopplungsglied zwischen Stromnetz und Wärmeanwendungen werden – zu dieser Einschätzung kommt auch Hans-Martin Henning, Direktor der Abteilung Thermale Systeme und Gebäude am Fraunhofer-Institut für Solare Systeme ISE. Denn Wärme könne, so der Wissenschaftler aus Freiburg, mit einem vergleichsweise überschaubaren Aufwand gespeichert werden: „Zumindest im Zeitmaßstab einiger Stunden vom Tag in die Nacht, oder mit etwas mehr Aufwand auch über einige Tage – beispielsweise an Wochenenden.“
Dazu müssten die Wärmepumpen an die schwankenden Lasten angepasst werden: Scheint die Sonne oder weht der Wind, könnten die Geräte vorzeitig eingeschaltet werden, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht laufen müssten. Wie kompatibel die Geräte für das Ein- und Abschalten sind und wie dieses Lastenmanagement optimal gesteuert werden kann, wird kontrovers diskutiert. Laut BWP können Wärmpumpen dreimal täglich und bis zu zwei Stunden problemlos ein- und ausgeschaltet werden. Bereits installierte Geräte könnten ohne großen Aufwand „steuerungstechnisch ertüchtigt werden“, so Waning.

Speichervolumen von 73 Alpha Ventus-Windparks

Die Prognosen des BWP für die Zukunft der Wärmepumpe sind ambitioniert: Der Verband geht davon aus, dass 1,2 Millionen Wärmepumpen bis 2020 im Einsatz sein werden. Derzeit sind in Deutschland 350.000 Geräte in Betrieb und bieten eine Anschlussleistung von rund 1.400 Megawatt. Werden die ehrgeizigen Absatzziele erreicht, könnte sich die Speicherkapazität auf 4.400 Megawatt erhöhen: „Das entspricht der Leistung von 73 Offshore-Windparks wie Alpha Ventus mit je 60 Megawatt“, rechnet Waning vor. Die einzelnen Wärmepumpen könnten über ein virtuelles Kraftwerk gesteuert werden und wie Elektroautos als Zwischenspeicher fungieren. Werden die Wärmepumpenanlagen im Hinblick auf ihre Speicherfunktion weiter optimiert, seien auch deutlich längere Schaltzeiten möglich, prognostiziert Waning.

Wissenschaftler Henning vom Fraunhofer-Institut warnt jedoch vor zu viel Euphorie: „Wärmepumpen stellen keine Lösung für saisonale Ungleichzeitigkeiten von Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien und Verbrauch dar.“

Weitere Informationen:

Das Positionspapier des Bundesverbandes Wärmepumpe in Kooperation mit weiteren Partnern wie dem Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) sowie der Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA) unter: www.waermepumpe.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014