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Heiztechnik

Warten auf den nächsten Hype

Die Wärmepumpe gilt als Hoffnungsträger unter den nachhaltigen Heiztechniken. Doch die Nachfrage nimmt ab.

Warten auf den nächsten Hype Warten auf den nächsten Hype
ENERGLOBE.DE/ Denny Rosenthal

Dank üppiger Subventionen erlebte die Wärmepumpe 2008 einen regelrechten Boom. Die Stop-and-Go-Politik der Bundesregierung beim Marktanreizprogramm für Ökoheizungen sowie die Konjunkturflaute dämpften die Nachfrage in den Folgejahren merklich. Beim Einbau der sensiblen Technik gab es auch immer wieder Probleme: Denn nur wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, glänzen Wärmepumpen mit hohen Wirkungsgraden.

Heizen und Kühlen mit Erneuerbaren Energiequellen – angesichts steigender Energiepreise und den immer strengeren Klimaschutzauflagen eine Muss im Gebäudebereich. Denn die Bundesregierung will, dass die Erneuerbaren den Hauptanteil an der Energieversorgung übernehmen.

Immer wenn die Öl- und Gaspreise stiegen, erlebte die Wärmepumpe einen regelrechten Nachfrageboom – wie in den 70er Jahren oder Anfang der 90er. 2008 war das bisher letzte große Erfolgsjahr für die Heiztechnik: Rund 62.500 Geräte wurden damals in Deutschland verkauft. 2010 waren es nur noch 51.000 Geräte – sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Vor dem Boom ist nach dem Boom

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) in Berlin zieht trotz rückläufiger Absatzzahlen eine positive Bilanz. Neben der anhaltend schlechten Wirtschaftslage und den niedrigen Öl- und Gaspreisen, habe die Stop-and-Go-Politik beim Marktanreizprogramm den Markt nachhaltig verunsichert, konstatiert BWP-Chef Karl-Heinz Stawiarski.

Derzeit kommt die Wärmepumpen-Technik meist in Neubauten zum Einsatz, vorrangig in Ein- und Zweifamilienhäusern. „In Deutschland ist jedes zehnte neu installierte Heizgerät eine Wärmepumpe“, rechnet Michael Birke vor, Sprecher des Herstellers für Heiz- und Haustechnik Stiebel Eltron. Doch auch Großwärmepumpen würden zunehmend in Altenheimen, Mehrfamilienhäusern oder Industriebauten installiert: „Anlagen mit Heizleistungen von 500 Kilowatt sind längst keine Seltenheit mehr.“

So funktioniert eine Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe funktioniert wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. In einem Kühlschrank arbeiten Kondensator, Verdampfer und Kompressor, um die Wärme aus dem Inneren nach außen zu bringen. Eine Wärmepumpe nutzt hingegen die Wärme von außen für die Erwärmung im Inneren. Dafür wird die Wärme auf einem niedrigen Temperaturniveau aus beispielsweise dem Erdreich, dem Grundwasser, der Außen- oder Abluft aufgenommen. Die Wärmepumpe hebt diese Temperatur dann auf das eingestellte Niveau der Hausheizung an. Die dafür notwendige Antriebsenergie ist Strom.

Je wärmer die aus der Umwelt entnommene Energie, desto weniger Strom wird für den Temperaturhub benötigt. Deshalb werden in Deutschland am häufigsten Erdwärmepumpen eingesetzt, bei denen Erdkollektoren oder Sonden im Erdreich verlegt sind. „Klar im Vorteil sind hier die Grundwasserwärmepumpen, da sie auch im Winter mit rund zehn Grad arbeiten sowie moderne Niedertemperatur-Heizungen mit einer Vorlauf-Temperatur von 30 bis 35 Grad“, erläutert Stumpf. Dank ihrer Funktionsweise kann die Wärmepumpe, je nach Bedarf und Klimazone, zum Kühlen und Heizen eingesetzt werden. 

Trotz komplexer Technik, die Effizienz erkennen

Wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet, erkennt man an zwei Kenngrößen: der Arbeitszahl und der Leistungskennzahl.

Die Leistungskennzahl stellt das Verhältnis von momentan nutzbarer thermischer Leistung zur aufgewendeten elektrischen Leistung dar. Ein Beispiel: Beträgt die Leistungskennzahl 4 – wie in vielen Förderprogrammen vorgeschrieben – muss eine Wärmepumpe viermal so viel Wärmeenergie liefern, wie man elektrisch für den Vorgang aufwenden muss. Diese Rechengröße ist vergleichbar mit dem vom Hersteller angegebenen, durchschnittlichen Benzinverbrauch eines Autos.

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) hingegen ist die Maßzahl für die energetische Umsetzung oder abgegebene Wärme innerhalb eines Jahres. Übertragen auf die Analogie mit dem Auto, entspräche dies dem tatsächlichen Benzinverbrauch pro gefahrenem Kilometer.

Hohe Wirkungsgrade – wenn alle Voraussetzungen stimmen

Die Verkaufsargumente der Wärmepumpen-Hersteller klingen trotz der Komplexität der Anlagen vielversprechend einfach: Mit einem Einsatz von 25 Prozent Strom und 75 Prozent kostenloser Umweltenergie, sollen Wärmepumpen 100 Prozent Heizwärme produzieren können.

Doch die Heizsysteme liefern ihre optimalen Wirkungsgrade nur, wenn alle Rahmenbedingungen erfüllt sind. „Und von denen gibt es viele“, weiß Peter Kafke, Energietechnischer Referent beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Natürlich sei eine korrekte Planung und Ausführung immer wichtig.

„Die Effizienz hängt neben der Einhaltung von Planungsdaten in der Umsetzung auch maßgeblich von der Wärmequelle selbst, dem Verteilsystem oder den gewünschten Warmwasser-Temperaturen ab“, so Kafke gegenüber ENERGLOBE.DE.

Da die Heizgeräte immer dann am effizientesten wirtschaften, wenn die Wärmequelle eine hohe Temperatur aufweist und die Temperatur des Heizsystems weniger als 55 Grad beträgt, „arbeiten Wärmepumpen nur in gut gedämmten Häusern gut“, ergänzt Kafke. Neben Planungsfehlern bereite auch eine schlechte Umsetzung durch Handwerker Probleme: „Anders als bei konventionellen Heizungen sind Wärmepumpen wenig robust gegenüber Installationsfehlern.“ Das werde von etlichen Handwerkern unterschätzt. Seiner Ansicht nach seien gute Produkte auf dem Markt und viele Verbesserungen im installierten Gesamtsystem mithilfe eines Energieberaters zu erzielen.

Aussichten für den Wärmepumpenmarkt

Noch immer gehört der Gebäudebestand zu den größten Energiefressern Deutschlands. Fast drei Viertel aller rund 17 Millionen Heizungen sind zwischen zehn und 24 Jahre alt. Ungefähr 18 Prozent sind sogar älter als 24 Jahre. Viele Studien belegen, dass die meisten Hausbesitzer aber erst dann sanieren, wenn die alte Heizanlage defekt ist. Deshalb bestehe auch eine gewisse Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen, stellt Birke fest.

Für die Zukunft rechnet die Branche trotz ungewisser Förderaussichten mit steigenden Absatzzahlen. Bis 2020 sollen rund 1,2 Millionen Wärmepumpen verkauft werden. Auf der Fachmesse ISH im März will der Verband mit einer großangelegten Kampagne kräftig die Werbetrommel rühren. Besonders deshalb, weil die Geräte in einem intelligenten Stromnetz, den Smart Grids, als Speicher für die fluktuierende Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien fungieren könnten.

Aber auch die anhaltend steigenden Heizkosten sowie ein hoher Ölpreis, könnten Anreize liefern für Sanierungsmaßnahmen im Heizungskeller, so Birke: „Dies könnte das Bewusstsein der Verbraucher hin zu Erneuerbaren Energien – insbesondere zur Wärmepumpe – wieder schärfen“.

Auch Verbraucherschützer Kafke beobachtet den Rückgang der einst enormen Nachfrage und hofft, dass dies genau dort passiert, wo die Voraussetzungen für die Anlagen ungünstig sind.: „Es wäre schade, wenn die Einsparpotenziale wirklich guter Wärmepumpen verschenkt würden.“

Weitere Informationen:

Der Bundesverband Wärmepumpe e.V. informiert auf seinen Webseiten über die Marktlage und gibt hilfreiche Tipps: www.waermepumpe.de

Europäischer Verband Wärmepumpe: www.ehpa.org

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat eine Checkliste zu Wärmepumpen mit hilfreichen Tipps für Hausbesitzer ins Netz gestellt. www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014