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Modernisierung

Wege aus dem Sanierungsstau

Die Immobilien- und Baubranche wird nicht müde, auf die Notwendigkeit von energetischen Sanierungen hinzuweisen.

Wege aus dem Sanierungsstau Wege aus dem Sanierungsstau
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

In diesem Frühjahr sind gleich mehrere Studien erschienen, die auf die Notwendigkeit von energetischen Sanierungen aufmerksam machen wollen. Der Verband der Chemischen Industrie etwa hat ein Sofortprogramm für mehr Energieeffizienz in Gebäuden vorgelegt. Die großen Immobilien- und Bauverbände hingegen plädieren in ihrer Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ für eine Förderung des Ersatzneubaus und prüfen, wann eine Sanierung wirklich rentabel ist.

Von einer „exzellenten Option“ hatte Bundesbauminister Peter Ramsauer im Oktober 2010 noch gesprochen, als er steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Sanierer in Aussicht stellte. Zusammen mit den Fördergeldern könnten Mehreinnahmen für den Staat geschaffen und Arbeitsplätze gesichert werden. Ein halbes Jahr später ist der Bundesbauminister mit seinen Plänen noch keinen Schritt weiter.

Dabei hat sich Deutschland hohe Ziele beim Klimaschutz und in der Energieeffizienz gesteckt. Der Gebäudesektor verbraucht 40 Prozent der Primärenergie – ein schlafender Riese, den es zu wecken gilt. Doch der Riese schlummert noch, weil sich die Bundesregierung nicht auf eine kontinuierliche Förderpolitik und ausreichend Fördermittel einlässt.

Fördertöpfe schrumpfen stetig

So schrumpften in den vergangenen zwei Jahren die Fördertöpfe für beispielsweise Dämmmaßnahmen oder den Austausch alter Heizanlagen kontinuierlich. Während 2009 noch 2,2 Milliarden zur Verfügung standen, reduzierte sich das Budget in 2010 auf 1,35 Millionen Euro. Zudem peilt die Bundesregierung eine Verdopplung der Sanierungsrate von einem auf zwei Prozent an – ohne eine langfristige Anhebung der Fördermittel ein kaum lösbares Unterfangen.

Verbände der Immobilien- und Wohnungswirtschaft sowie die deutsche Energieagentur (dena) fordern deshalb langfristig gesicherte Förderbudgets in einer Höhe von jährlich mindestens fünf Milliarden Euro. Und sie werden nicht müde, für die Vorteile von energetischen Sanierungen für Wirtschaft, Klima und Verbraucher zu werben.

Absenkung der Mehrwertsteuer bei Handwerksleistungen

Nach dem Baugewerbe und der Wohnungswirtschaft meldet sich nun auch der Verband Chemische Industrie (VCI) mit einer kürzlich veröffentlichten Studie zu Wort. Die von dem Beratungsunternehmen Ecofys durchgeführte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Politik mit einem Sofortprogramm 18 Millionen Tonnen an Treibhausgasen einsparen und Deutschland seine für das Jahr 2020 gesteckten Effizienzziele durchaus erreichen könnte.

Im Mittelpunkt der Studie stehen drei Energieeffizienz-Maßnahmen. Kernstück ist die Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent, um die Ausgaben bei den Handwerksleistungen abzufedern. Dies könne ökonomische Anreize setzen, „um geringfügige Sanierungen in umfassende Sanierungen umzuwandeln und sie so über die Schwelle zur Anwendung der EnEV (Energieeinsparverordnung) zu heben“, heißt es in der Ecofys-Studie. Im Vergleich zu steuerlichen Abschreibungen werde eine größere Breitenwirkung erzielt, da die verminderte Mehrwertsteuer unabhängig vom Einkommen des Gebäudeeigentümers wirke.

„Die Maßnahmen würden sich teilweise selbst finanzieren“, erklärt VCI-Präsident Klaus Engel. So könnten etwa die Mindereinnahmen bei der Mehrwertsteuer durch mehr Beschäftigung und Produktnachfrage ausgeglichen werden. Grundsätzlich seien jedoch beide Maßnahmen sinnvoll.

Gesicherte Fördergelder und Contracting

Ohne stetige und ausreichende Fördermittel, lassen sich jedoch keine großen Fortschritte erreichen. Die Studienautoren plädieren dafür – so wie auch Umweltverbände und die Immobilien und Wohnungswirtschaft – dass die Fördergelder unabhängig von Haushaltsplanungen in einem Fond für Gebäudeeffizienz angelegt werden. „Wer bis zum Jahr 2020 den Wärmebedarf um 20 Prozent reduzieren, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen und deshalb die Sanierungsquote für Wohnimmobilien verdoppeln will, muss auch erklären, wer das bezahlen soll“, fordert Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes.

Ein weiterer Stützpfeiler des Sofortprogramms ist die Förderung von Dienstleistungen beim Energiesparcontracting: Hausbesitzer sollen Anreize erhalten, ihre Energieversorgung sowie Effizienzmaßnahmen an Dritte weiterzugeben. Darüber hinaus empfehlen die Studienautoren Änderungen beim Mietrecht, damit eine Erhebung von Warmmieten möglich werde.

Ökologische Mietspiegel und Effizienzkriterien beim Architektenhonorar

Zu den drei Hauptmaßnahmen hat Ecofys vier flankierende Lösungswege untersucht: Die Einführung eines ökologischen Mietspiegels, der die wärmetechnische Beschaffenheit einer Mietwohnung und die damit verbundenen realen Mietkosten inklusive Energiekosten transparenter macht. Ausserdem schlägt die Studie vor, Effizienzkriterien in die Honorarkriterien von Architekten und Ingenieuren aufzunehmen. So könnte die Transparenz für Bauherren gesteigert und ökonomische Anreize für ungenutzte Effizienzpotentiale aus eigenem Antrieb erschlossen werden, heisst in der Studie. Ein weiterer Vorschlag der Erhebung: die Schaffung eines Energiekatasters und die Gründung von Energieeffizienzzentren, damit Sanierer alle Informationen aus einer Hand bekommen.

Komplettabriss oder Sanierung?

Die bundesweite Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen kommt zu dem Schluss, dass mehr als jedes zehnte Wohnhaus in Deutschland gar nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren sei. Ein Komplettabriss und Neubau sei bei diesen älteren Häusern oft sinnvoller. „Wer abreißt und neu baut, hat die Chance, eine verbesserte Wärmedämmung und Schallschutz sowie eine ideale Raumaufteilung zu bekommen“, sagt Hans Georg Leuck, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau.

Die Untersuchung des Gebäudesektors auf den Energiebedarf und alters- sowie familiengerechtes Wohnen, entstand im Auftrag der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ – einem Bündnis von Verbänden aus der Bau- und Immobilienbranche sowie der IG BAU und dem Deutschen Mieterbund. Dabei wurde der Gebäudebestand von über 36 Millionen Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie in kleineren Mehrfamilienhäusern analysiert. Ein weiteres Ergebnis des Gebäude-Checks: Jede sechste Wohnung, die bis Ende der 70er-Jahre gebaut wurde, ist bereits weitgehend energetisch saniert.

Bestandsersatz in KfW-Förderprogramme aufnehmen

Natürlich müsse der Bestandsbau saniert werden; ebenso wichtig sei aber auch der Wohnungsneubau, so Leuck, besonders der Bestandsersatz. „Die KfW-Förderprogramme dürfen nicht nur auf das energetische oder altersgerechte Sanieren ausgerichtet sein“, kritisiert er.

Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, bestätigt die Forderung seines Branchenkollegen. Auch er spricht sich dafür aus, den Bestandsersatz staatlich zu fördern und begründet dies mit den Kosten. Denn die Sanierung eines Mietshauses aus den 50er-Jahren liege – je nach Aufwand – zwischen 990 und 1.475 Euro pro Quadratmeter. Für den Abriss und den anschließenden Neubau müsse man dagegen lediglich mit Kosten von 1.000 bis 1.465 Euro je Quadratmeter Wohnfläche rechnen. „Unter diesen Vorzeichen macht das Sanieren wenig Sinn“, so Loewenstein.

Weitere Informationen:

Die Studie „Innovative Politikmaßnahmen für mehr Energieeffizienz. Vorschlag für Politikmaßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor in Deutschland bis 2020“ von Ecofys zum Download unter: www.ecofys.com

Ein Kurz- und Langfassung der Studie „Wohnungsbau in Deutschland 2011 – Modernisierung oder Bestandsersatz“ unter: www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de

Studie über die „Umweltwirkungen von Heizsystemen in Deutschland“ von Ecofys im Auftrags des Bundesumweltamtes unter: www.umweltdaten.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014