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CO<sub>2</sub>-Konsum

Auf großem Fuß

Beim Essen lassen sich Treibhausgase vermeiden. Dieser Klimaschutz schmeckt nicht jedem.

Auf großem Fuß Auf großem Fuß
energlobe.de, Denny Rosenthal

Ob bei der morgendlichen Dusche, beim Autofahren oder surfen im Internet – jeden Tag emittiert der Mensch mehr oder weniger Treibhausgase. Und die summieren sich: Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes stößt jeder Bundesbürger durchschnittlich elf Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Jahr aus – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von rund 3,8 Tonnen pro Kopf.

Dabei ist genug Einsparpotential vorhanden: Laut einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey kann Deutschland mit seinen heute verfügbaren Technologien in den kommenden zehn Jahren noch etwa ein Viertel seiner CO2-Emissionen einsparen: insgesamt rund 200 Millionen Tonnen.

Was ist der CO2-Fußabdruck?

Es ist nicht ganz leicht, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen und umweltbewussten Konsum zu praktizieren. Der sogenannte CO2-Fußabdruck beschreibt die Treibhausgasemission eines Produktes, eines Landes, einer Person oder eines Unternehmens. In Großbritannien hat man bereits eine Kennzeichnung bei Produkten eingeführt, das Carbon-Trust-Label.

In Deutschland arbeitet das „Product-Carbon-Footprint“-Pilotprojekt seit zwei Jahren zusammen mit Unternehmen und Experten des Öko-Instituts sowie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung an der CO2-Kennzeichnung für Produkte. „Wenn sich die Art und Weise wie wir leben und konsumieren in einer persönliche Klimabilanz veranschaulichen lässt, sind mehr Menschen bereit, sich klimafreundlich zu verhalten“, erläutert Gerd Billen, der den Bundesverband der Verbraucherzentralen leitet.

Ein CO2-Rechner, zum Beispiel auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes oder der Europäischen Union zu finden, stellt die persönliche Klimabilanz in einem größeren Kontext leicht verständlich dar. Er übersetzt den Lebensstil in Emissionen, indem er fünf Bereiche des täglichen Lebens erfasst: von der Wohnsituation mit Heizbedarf und Stromverbrauch, der Nutzung von Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zu Konsum- und Ernährungsgewohnheiten. Der CO2-Rechner berücksichtigt auch die Klimagase eines importierten Produkts, allerdings nicht die Emissionen, die bei der Herstellung von Exportgütern entstehen.

Die persönliche Klimabilanz

Es gibt viele Möglichkeiten die persönliche Klimabilanz zu verbessern. Ein Autofahrer, der jährlich 15.000 Kilometer mit seinem Pkw zurücklegt und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, spart schon 1,6 Tonnen CO2. Fernreisen sind ebenfalls echte Klimakiller. Ein Flug nach Thailand schlägt mit über fünf Tonnen Kohlendoxid zu Buche, das entspricht bereits der Hälfte des gesamten durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausstoßes in Deutschland. Singles strapazieren den Pro-Kopf-Bedarf beim Heizen deutlich mehr als Familien oder Wohngemeinschaften.

Auch die individuellen Ernährungsgewohnheiten haben einen großen Einfluss. Ein Fünftel der Emissionen in Deutschland wird durch Lebensmittel verursacht. Die Landwirtschaft trägt wesentlich dazu bei: bei der Verbrennung von Treibstoffen für landwirtschaftliche Fahrzeuge, bei der Herstellung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, beim Anbau und Transport von Futtermitteln oder bei Verdauungsprozessen der Tiere.

Besonders Wiederkäuer wie Rinder und Schafe stoßen große Mengen Methan und Lachgas aus. Diese Gase wirken sich weitaus negativer auf den Treibhauseffekt aus als Kohlendioxid. Sie haben jedoch eine geringere Verweildauer und bleiben nicht so lange in der Atmosphäre wie Kohlendioxid. Damit die Klimawirkung dieser Gase miteinander verglichen werden kann, werden sie in CO2-Äquivalente umgerechnet. Allein durch die Landwirtschaft gelangen jährlich 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre. „Das ist fast so viel wie durch den Straßenverkehr freigesetzt wird“, konstatiert Thomas Korbun, Geschäftsführer am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin.

Ernährungswende fürs Klima

Viele Klimaexperten fordern gar eine Ernährungswende zum Wohle des Klimas. Ein prominentes Beispiel ist Lord Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Berater der britischen Regierung. 2006 sorgte er mit seinem Report über die Kosten des Klimawandels für Furore und plädiert seitdem für fleischlose Ernährung. Auch die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner ist überzeugt, dass ein reduzierter Fleischkonsum dem Klima hilft.

Das schmeckt nicht jedem, liegt aber auf der Hand. Denn im Vergleich zu Fleischessern spart ein Vegetarier jährlich 1,3 Tonnen CO2. Um ein Kilo Rindfleisch herzustellen wird 43 Mal mehr Treibhausgas freigesetzt als bei der Produktion von Gemüse. Bei Milchprodukten fällt die Bilanz ebenfalls schlecht aus. Je höher der Fettgehalt im Käse oder in Sahne ist, desto mehr Milch wird benötigt.

Im Vergleich zu Kartoffeln schneidet Käse somit 50 Mal schlechter ab. Auch regionale Produkte sind nicht immer die umweltfreundlichste Wahl. Werden sie außerhalb der Saison in Treibhäusern mit einem hohen Energieverbrauch gezüchtet, schaden sie der Umwelt mehr, als wenn sie als Frischware aus Spanien eingeführt werden. Nützlich ist die Umstellung auf Bio-Lebensmittel. Die ökologische Landwirtschaft verursacht nämlich 50 bis 75 Prozent weniger Treibhausgase als der konventionelle Anbau.

Weitere Informationen:

CO2-Rechner des Umweltbundesamtes: www.uba.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014