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Mobilität

Gas im Tank

Die Erdgasauto-Lobby macht mobil: Der Deutschen liebstes Kind könnte bald mehr Gas im Tank haben.

Gas im Tank Gas im Tank
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Steigende Benzinpreise und Steuerbelastungen: Immer mehr Autofahrer wollen umsteigen und alternative Antriebe nutzen, die beim Spritsparen helfen und die Umwelt schonen. Die Erdgasauto-Lobby wittert nach jahrelangem Schattendasein die Gunst der Stunde und macht gegen schwache CO2-Standards mobil. Unterstützung findet sie bei Deutschlands Autopapst Ferdinand Dudenhöffer.

Beim Bezahlen an der Tankstelle ist der Frust oft schon programmiert: Hohe Kraftstoffpreise – die gern zum Ferienbeginn sprunghaft ansteigen – machen vielen das Autofahren madig. Sicher, die Fahrzeuge werden effizienter und grüne Technologien oder nachhaltige Innovationen sind Reaktionen auf eine zunehmend klimabewusste Nachfrage der Verbraucher. Doch: Wie umweltfreundlich ist die gegenwärtige Mobilität eigentlich? Und könnte sie noch etwas grüner und günstiger sein?

Das Auto der Zukunft hat eine Batterie und einen Stecker

In den Bemühungen der Politik und Industrie rund um eine nachhaltige Mobilität werden dem Elektroauto die größten Chancen eingeräumt. Als Bestandteil eines intelligenten Stromnetzes, dem Smart Grid, sollen sie zukünftig die fluktuierenden Strommengen aus Wind und Sonne für ihren eigenen Antrieb nutzen und zwischenspeichern, bis sie von der Industrie oder Verbrauchern benötigt werden. Bis zum Jahr 2020, so der ehrgeizige Plan der Bundesregierung, sollen eine Million emissionsfreie Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Obwohl die Technologie noch nicht ausgereift ist, gehen viele Hersteller mit ihren Stromern bereits in die Serienproduktion. Für den Massenmarkt sind sie jedoch noch viel zu teuer.

Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Autos für eine saubere Mobilität

Ähnlich sieht es beim Wasserstoffauto aus. Auch hier ist das Ziel, Lastspitzen der Erneuerbaren mithilfe von Wasserstoff zu speichern, um damit Autos anzutreiben und Strom zu erzeugen. Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb werden in der Mobilität der Zukunft ebenfalls eine Rolle spielen. Aktuelle Studien prognostizieren, dass sich die Kosten für die grünen Technologien angleichen werden. Bis 2020 werden Kostensenkungen von 90 Prozent für Brennstoffzellensysteme und 80 Prozent für Batteriesysteme erwartet; der Wasserstoffpreis soll bis 2025 um 70 Prozent sinken.

Erst wenn die innovativen Autos mit Strom aus 100 Prozent regenerativen Energiequellen aufgeladen werden, steuern sie auch etwas zum Klimaschutz bei und reduzieren den Ausstoß von Kohlendioxid. Und erst wenn sie zu bezahlbaren Preisen auf den Märkten verfügbar sind, können sie den Verkehr auf breiter Ebene sauberer und günstiger machen. Bis es soweit ist, wird der klassische Verbrennungsmotor die Mobilität noch lange bestimmen. Auch hier gilt es, die Emissionen zurückzufahren.

Emissionen senken mit Eco-Innovations?

„Bei den deutschen Automarken sank der CO2-Ausstoß seit Ende der 90er-Jahre trotz steigenden Verkehrsaufkommens von durchschnittlich 175 Gramm pro Kilometer auf knapp 150“, sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Bis 2012 soll dieser Wert im Flottendurchschnitt – so die Vorgabe der EU – auf 130 Gramm reduziert werden. Für den Fall, dass der Wagen über ein Solar-Glasdach, energieeffiziente LED-Leuchten oder eine Abwärmenutzung für beispielsweise die Innenraumheizung verfügt, beträgt der Durchschnittswert 120 Gramm CO2 pro Kilometer. Diese Maßnahmen, auch Eco-Innovations genannt, sollen den Autokonzernen die Möglichkeit einräumen, ihre Grenzwerte für den Kohlendioxid-Ausstoß kontinuierlich zu senken.

Das Paradoxe: Mittlerweile gibt es zahlreiche Modelle deutscher Autohersteller, welche die EU-Vorgaben bereits erfüllen: Die meisten werden mit Erdgas angetrieben. Auch die Zahl der Umrüstungen für einen Betrieb mit flüssigem Autogas nimmt zu. Von einer „stillen Revolution“ auf dem Automarkt ist die Rede.

Bald eine 1,5 Millionen Autogasfahrer“

Rund 440.000 Autofahrer haben sich hierzulande bereits für das schadstoffarme Autogas als Kraftstoff entschieden. Laut Angaben des Deutschen Verbandes Flüssiggas (DVFG) emittieren Fahrzeuge im Autogasbetrieb gegenüber Benzinfahrzeugen zwischen 9 und 18 Prozent weniger CO2. Und es ist weit günstiger: Ein Liter Autogas kostet 60 Cent. Je nach Fahrweise und Fahrzeugtyp lassen sich mit einer Tankfüllung 400 bis 600 Kilometer zurücklegen.

„Bis 2015 werden rund 1,5 Millionen Autogas-Autos in Deutschland unterwegs sein“, prognostiziert der Geschäftsführer des Flüssiggasverbandes Robert Schneiderbanger. Obwohl wirtschaftlich und umweltfreundlicher als ein Verbrennungsmotor, kann Autogas (Liquefied Petroleum Gas, kurz LPG) als Kuppelprodukt vom Öl keine zukunftsweisende Lösung sein, eher eine Brückenlösung hin zu einer klimafreundlichen und bezahlbaren Mobilität.

Erdgasautos gewinnen an Fahrt

Erdgasautos bieten ebenfalls schon heute eine kostengünstigere Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Es ist zwar günstiger als Autogas, doch die Umrüstung ist etwas teurer, weshalb viele Gasversorger den Neukauf eines Erdgas-Serienfahrzeuges empfehlen und in Form von Barzahlungen, Tauschprogrammen oder Tankgutscheinen fördern.

Dass die Förderung von Erdgasautos im Energiekonzept der Bundesregierung Erwähnung fand, scheint der Erdgasautolobby neuen Auftrieb zu geben. Sie hat ihre Chance erkannt und sich einen prominenten Mitstreiter ins Boot geholt: Deutschlands bekanntesten Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer. Der Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen macht die zu geringen Klimaauflagen durch der Politik für das Schattendasein des alternativen Kraftstoffs verantwortlich. „Das CO2-Ziel für 2012, wonach Neuwagen nicht mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer verbrauchen dürfen, hätte bereits im laufenden Jahr erreicht werden können“, erklärt der Autopapst im ENERGLOBE.DE-Interview. Es sei schlichtweg paradox, dass bestehende Technologien nicht entsprechend gefördert würden.

25 Prozent weniger Kohlendioxid als Benzin“

Dabei verursacht Erdgas bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid als Benzin“, erklärt Sandra Kaul Sprecherin der Branchen-Initiative erdgas mobil. „Mit Bio-Erdgas verringert sich der CO2-Ausstoß sogar um 80 Prozent, Feinstaub- und Stickstoffemissionen entstehen bei der Verbrennung von Erdgas und Bio-Erdgas fast gar nicht“, fügt sie als überzeugte Fahrerin eines erdgasbetriebenen Passat Eco Fuel hinzu. Mit einem vollen Erdgastank fährt sie bis zu 500 Kilometer. Laut der aktuellen CAR-Studie könnte der gesamte CO2-Ausstoß aller in Deutschland verkauften Neuwagen um bis zu neun Prozent reduziert werden, wenn der Anteil der Erdgas-Autos an den Neuzulassungen bei nur acht Prozent liegen würde. Tatsächlich sind die Zulassungszahlen bei Erdgasautos eher mager: in 2010 waren es gerade einmal 90.000 von insgesamt 42 Millionen zugelassenen Autos in Deutschland. Auch die Anzahl von derzeit 900 Tankstellen könnte dann weiter ausgebaut werden.

 Weitere Informationen:

Publikationen und Presseartikel zur Forschungsarbeit von Ferdinand Dudenhöffer auf der Seite des CAR: www.uni-due.de.

Die Studie der Deutschen Energieagentur dena zum zum Download aufder Website www.erdgas-mobil.de.

Buchtipp: Alternative Kraftstoffe von Sven Geitmann, H2ydrogeit Verlag, 2010, ISBN 978-3-937863-15-3, www.hydrogeit-verlag.de.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014