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Anbieterwechsel

Boom für Ökostrom

Nach dem Reaktorunglück in Fukushima verzeichnen Ökostromanbieter einen deutlichen Kundenzuwachs.

Boom für Ökostrom Boom für Ökostrom
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Immer mehr Menschen wollen, dass aus ihren Steckdosen Ökostrom fließt. Die Anbieter des grünen Stroms verzeichnen seit dem dramatischen Reaktorunglück im japanischen Fukushima einen enormen Zuwachs. Die Kundenabschlüsse stiegen teilweise auf das Zehnfache. Kampagnen im Internet wie „Atomausstieg selber machen“ unterstützen Verbraucher mit Tipps zum Stromanbieterwechsel und Energiesparen.

Im Kundencenter des Hamburger Stromversorgers Lichtblick stehen die Telefone nicht mehr still. „Seit uns die ersten Bilder der schrecklichen Katastrophe in Japan erreicht haben, geht das so“, erzählt Pressesprecher Ralph Kampwirth. „Wir verzeichnen täglich bis zu 12.000 Zugriffe auf unsere Homepage und schließen bis zu 800 Neukundenverträge am Tag ab.“ Die Ereignisse in Japan seien ganz klar der Grund für die gestiegene Wechselbereitschaft der Verbraucher. Viele hätten das Gefühl, selbst etwas für den Atomausstieg tun zu müssen, fasst der Lichtblick-Sprecher die Kundenresonanz der letzten Tage zusammen. Das Unternehmen versorgt 512.000 Kunden mit Strom.

„Stromwechsler-Parties und Empfehlungen“

Ähnliches erlebt auch die Zentrale von Greenpeace Energy, deren Online-Vertragsabschlüsse sich nach eigenen Angaben innerhalb einer Woche verachtfacht haben. „Das ist der größte Zuwachs seit unserer Unternehmensgründung im Jahr 1999“, bekräftigt Pressesprecher Martin Schaefer. Zahlreiche Kunden äußerten in den Hotlines des Unternehmens auch, dass sie Stromwechsel-Parties organisieren und Freunden einen Anbieterwechsel vorschlagen.

Den deutlichen Zuwachs bestätigen auch die zwei weiteren Ökostromanbieter in Deutschland: die Elektrizitätswerke Schönau und Naturstrom. Das verwundert auch deshalb nicht, weil Ökostrom nicht teurer ist als konventioneller Strom: „Teilweise ist er sogar billiger als der des lokalen Grundversorgers“, sagt Lichtblick-Sprecher Kampwirth.

Kunden wollen es genau wissen“

Was die vier Anbieter eint, ist das große Interesse ihrer Kunden an grünen Stromprodukten. „Viele wurden durch die Katastrophe in Japan aufgerüttelt und wollen jetzt genau wissen, woher unser Strom kommt“, bestätigt Sebastian Sladek, Chef der Elektrizitätswerke Schönau, die Mitte der 90er Jahre aus der Bürgerinitiative „Eltern für eine atomfreie Zukunft“ entstanden sind. Mittlerweile zählen die Schönauer Stromrebellen, die auch das örtliche Stromnetz von einem Atomkraftwerksbetreiber erworben haben, 105.000 Kunden. „Wir haben viermal mehr Vertragsabschlüsse als sonst“, erzählt Sladek. „Wir hoffen, die Gründe für einen Atomausstieg bleiben noch lange in den Köpfen der Menschen.“

Etwas für den Ausbau der Erneuerbaren Energien tun“

„Viele wollen auch etwas für den Ausbau der Erneuerbaren Energien tun“, ergänzt Tim Loppe, Pressesprecher bei Naturstrom. Zur Unternehmensstrategie des Düsseldorfer Stromanbieters gehört, 1,25 Cent pro verkaufter Kilowattstunde in den Bau neuer Erzeugungsanlagen zu investieren. Seit Mitte des Monats zählt das Unternehmen 122.000 Kunden und kommt auf 1.200 neue Vertragsabschlüsse am Tag: „Das ist zehn Mal mehr als sonst“, rechnet Loppe vor. Auch wenn die Nachfrage weiter steige, könne genug grüner Strom geliefert werden. Derzeit haben die Erneuerbaren Energien einen Anteil von 17 Prozent am Energiemix.

Auch bei Greenpeace Energy steht der Ausbau der Erneuerbaren an erster Stelle. Das Unternehmen forciert diesen auf zwei Wegen: zum einen baut das Tochterunternehmen Planet Energy Kraftwerkskapazitäten im Bereich Photovoltaik und Windenergie. „Bislang haben wir schon 50 Megawatt installierter Leistung zugebaut“, bilanziert Unternehmenssprecher Schaefer. „Außerdem bekommt jeder Kunde nach fünf Jahren seinen Strom aus einem Kraftwerk, dass nicht älter als fünf Jahre ist“, erklärt Schaefer. Damit wolle man einen Anreiz für den Neubau von sauberen Kraftwerken schaffen.

Das Hamburger Unternehmen Lichtblick beschreitet einen ganz anderen Weg. Neben der Förderung umweltfreundlicher Kraftwerke treibt das Unternehmen das Projekt Zuhause-Kraftwerk voran. Die Minikraftwerke mit einem VW-Motor erzeugen auf der Basis von Gas Strom und Wärme gleichzeitig und können zu einem virtuellen Großkraftwerk zusammengeschlossen werden.

Wo Ökostrom draufsteht, ist nicht immer Ökostrom drin

Schon vor dem aktuellen Hype haben Stromanbieter versucht sich einen Grünanstrich zu geben. „Nur wer sich genau informiert, kann die echten Ökostromanbieter von den falschen unterscheiden“, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Bislang erfüllen nur die vier erwähnten Anbieter die Anforderung, ihren Strom auch tatsächlich aus regenerativer Erzeugung zu gewinnen und für neue Kapazitäten zu sorgen. Viele vermeintlich grüne Anbieter, die beispielsweise auf den Verbraucherseiten verivox.de oder check24.de gelistet sind, berücksichtigen diese Vorgabe hinsichtlich der Erzeugung nicht.

Mogelpackungen beim Ökostrom kommen durch den RECS-Zertifikatehandel zustande. Die Abkürzung steht für „Renewable Energy Certificate System“ und funktioniert so: Betreiber von Ökostromkraftwerken erhalten für jede erzeugte Kilowattstunde ein RECS-Zertifikat. Dieses kann auf dem europäischen Markt gehandelt werden, unabhängig von dem tatsächlich, also physikalisch, erzeugten Strom. So kann beispielsweise ein Stromanbieter aus Deutschland die grünen Zertifikate eines Wasserkraftwerksbetreibers aus Norwegen kaufen und damit einen Ökostromtarif anbieten, ohne tatsächlich Ökostrom ins Netz zu speisen. Im schlechtesten Fall könnte dies sogar Atomstrom sein.

Die Label „Power OK“ und Grüner Strom helfen im Tarifdschungel

Bei der Wahl des richtigen Ökostromanbieters können das „Power OK“- oder das „Grüner-Strom“-Label helfen. Sie werden von den Naturschutz- und Verbraucherverbänden vergeben. Stromprodukte, die das Siegel erhalten haben, investieren in den Neubau umweltschonender Kraftwerke. Darüber hinaus gibt es auch TÜV-Zertifikate, mit denen sich Stromanbieter die Unabhängigkeit von der Atom- und Kohleindustrie bescheinigen lassen können. Eine Marktübersicht gibt auch das Freiburger Öko-Institut.

Weitere Informationen:

Informationen zum ok-Power-Siegel von der Verbraucherzentrale Bayern: www.verbraucherzentrale-bayern.de

Die Ökostrom-Empfehlungen des Freiburger Öko-Instituts: www.ecotopten.de

Die Website von „Atomausstieg selber machen“ - einem Bündnis von Umweltverbänden, Verbraucherschutz-Organisationen und Anti-Atom-Initiativen: www.atomausstieg-selber-machen.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014