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Smart Meter

Schrittweise smart

Tarife für intelligente Stromzähler werden ab 2011 Pflicht. Noch zögern viele Versorger mit Angeboten.

Schrittweise smart Schrittweise smart

Seit diesem Jahr ist der Einbau intelligenter Zähler in Neubauten und bei Sanierungen Pflicht. Zum Ende des Jahres tritt eine weitere gesetzliche Vorgabe in Kraft. Spätestens dann müssen Energieversorger (EVU) Haushalten, die mit Smart Metern ausgestattet sind, last- oder zeitvariable Tarife anbieten. Eine Kurzstudie kommt nun zu dem Schluss, dass die meisten Versorger noch keine Smart-Meter-Produkte anbieten.

Sie sind die Hoffnungsträger in einem zukunftsfähigen Stromnetz: Smart Meter. Die intelligenten Zähler werden bereits in zahlreichen Pilotprojekten eingesetzt und erprobt. Sie sollen helfen, die schwankende Energieproduktion aus Wind und Sonne optimal zu nutzen und steuerbar zu machen – ohne maßgeschneiderte Tarife sind sie jedoch sinnlos.

Nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sind die Energieversorger verpflichtet, spätestens bis zum 30.12.2010 „im Rahmen ihrer technischen Machbarkeit und wirtschaftlichen Zumutbarkeit“ Tarife anzubieten, die einen Anreiz zur Energieeinsparung oder Lastverlagerung geben. Doch die Angebote sind rar gesät.

Schlaue Zähler ohne schlaue Tarife?

Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie der Get AG aus Leipzig. Der Informationsdienstleister hat Smart-Meter-Tarifangebote von Energieversorgern untersucht, die bis Anfang Oktober vorlagen. So hatten von rund 1.000 Stromlieferanten in Deutschland lediglich 17 Grundversorger ein auf Smart Meter zugeschnittenes Angebot verbindlich in ihrem Portfolio; mittlerweile liegen dem Unternehmen rund 40 veröffentlichte Preisblätter vor. Unter die Lupe genommen wurden nicht nur die Tarife, sondern auch Einrichtungsgebühren sowie Boni oder Rabatte bei Vorauszahlungen.

„Ein Großteil der Angebote besteht aus einem Nacht- und Tagstromtarif“, resümiert Matthias Maltzahn, Unternehmenssprecher und Co-Autor der Studie. Man kann also wie bereits vor Jahren Strom sparen, wenn die Waschmaschine nach 22 Uhr eingeschaltet wird. Doch das allein macht die Energieversorgung noch nicht intelligent. Saubere Wäsche soll es künftig auch dann geben, wenn ein Überangebot an Energie aus Erneuerbaren Energiequellen vorliegt. Wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, sollen intelligente Haushaltsgeräte über Steuereinheiten eingeschaltet werden und den dann vorhandenen Strom nutzen.

Dies fordert auch der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth im Interview mit ENERGLOBE.DE. Der Einbau von digitalen Verbrauchszählern sei nur sinnvoll in Kombination mit attraktiven Stromspartarifen und Haushaltsgeräten, die sich automatisch anschalten, wenn Strom günstig ist. „Ich brauche alle drei Elemente, mit einem allein bin ich verloren“, so Kurth. Die Harmonisierung der Lasten sei eine wichtige Voraussetzung für eine zukunftsfähige Energieversorgung, könne jedoch erst mit einem erneuerten Netz realisiert werden.

Kein einziger lastvariabler Tarif“

Anspruchsvollere Tarifmodelle werden sich wohl nur im Einklang mit der technischen Weiterentwicklung etablieren und nachhaltig durchsetzen. „Bisher konnten wir bei keinem Anbieter einen lastvariablen Tarif finden“, konstatiert Maltzahn. „Ich gehe davon aus, dass die Energieversorger bei der Einführung von Smart-Meter-Produkten schrittweise vorgehen werden“, kommentiert er die Entwicklung. Viele Versorger hielten ausgeklügelte Preismodelle zurück, auch weil zahlreiche Pilotprojekte mit Smart Metern noch nicht abgeschlossen seien, so Maltzahn.

Rahmenbedingungen fehlen“

Das größte Hindernis sind aber immer noch die fehlenden Rahmenbedingungen für die Zähler. „Es liegen immer noch keine verbindlichen Anforderungen für die Zählertechnik vor“ moniert Carsten Wagner, Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Dies führe dazu, dass sich die Versorger nicht langfristig auf einen Gerätetyp einlassen könnten.

So scheint es nicht verwunderlich, dass die Versorger mit einfachen Tarifmodellen nur ihre gesetzliche Pflicht erfüllen. „Die Zurückhaltung bei der Ausgestaltung neuer Tarifoptionen ist nicht dem Unwillen der Versorger geschuldet“, gibt Wagner zu Bedenken.

Es sei ebenso wichtig, das lokale Stromnetz für eine intelligente Versorgung zu befähigen, meint Wagner. Denn: „Je mehr Zeitzonen angeboten werden, desto verflochtener muss auch das Verteilnetz sein.“ Erst dann würden neue Tarifmodelle erforderlich. „Die Bundesregierung geht hier den zweiten Schritt vor dem ersten“, kritisiert der VKU-Sprecher und fügt hinzu, dass die Bundesregierung den Ausbau der lokalen Versorgungsnetze in ihrem Energiekonzept nicht mit einer Zeile erwähnt habe. Dabei erfordere der Ausbau Investitionen in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro. „Im zweiten Schritt müssen die Netze dann für eine bidirektionale Kommunikation ertüchtigt werden“, erklärt Wagner.

Novellierung des EnWG könnte Klarheit schaffen

Klare Investitionssignale wird der Markt voraussichtlich mit der Novellierung des EnWG im ersten Halbjahr 2011 erhalten. „Das Energiekonzept stellt auch die Novelle der Messzugangsverordnung in Aussicht, wann dies geschehen wird, ist aber noch nicht bekannt“, sagt Wagner. Bis die cleveren Zähler flächendeckend eingeführt würden und mit ihnen smarte Netze und Endgeräte auf dem Markt seien, könne es ohnehin noch Jahre dauern, prognostiziert Wagner.

Sicher ist, dass die Politik die nächsten Schritte unternehmen muss. Und dass die Schrittfolge auf dem Weg zu einem Smart Grid darüber entscheiden wird, wie erfolgreich seine Implementierung wird.

Aus Verbrauchersicht ist es vielleicht ohnehin zu früh, auf Smart-Meter-Tarife zu setzen, solange essentielle Bausteine des cleveren Stromnetzes fehlen. Laut Holger Krawinkel, dem Energieexperten des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, bringen die Tarife den Verbrauchern derzeit kaum Vorteile: „Der Großteil der Bevölkerung weiß ja noch nicht einmal, was sich hinter dem Begriff Smart Meter verbirgt.“

Weitere Informationen:

Die Kurzstudie zu Smart-Meter-Angeboten zum Download auf der Website der Get AG: www.get-ag.com.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014