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Finanzen

Steuerrabatte für Sanierer

Hausbesitzer sollen bei energetischen Sanierungen von steuerlichen Abschreibungen profitieren.

Steuerrabatte für Sanierer Steuerrabatte für Sanierer
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die Bundesregierung kündigte in dieser Woche die Einführung steuerlicher Vorteile für Sanierer an. Welche Vergünstigungen Hausbesitzern derzeit beim Fiskus tatsächlich nützen, erklärt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg.

Was Bundesbauminister Peter Ramsauer im Herbst 2010 ankündigte, könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel nun wahrmachen: Steuerliche Abschreibungen sollen sanierungswilligen Hausbesitzern die Investitionsentscheidung erleichtern. Sie könnten ein wichtiger Anreiz werden, denn bisher fallen Steuervorteile bei energetischen Sanierungsmaßnahmen eher mager aus. Die Fördertöpfe für Gebäudesanierungsprogramme werden voraussichtlich auch nicht sehr üppig befüllt. Zwei Milliarden Euro hat die Bundeskanzlerin in Aussicht gestellt. Die führenden Verbände der Immobilien- und Wohnungswirtschaft halten jedoch knapp fünf Milliarden Euro für erforderlich. Die energetische Modernisierung des Gebäudebestandes – diesen Rückschluss erlauben zumindest die bisher vorliegenden Zahlen – muss zu einem Großteil von den Hausbesitzern selbst finanziert werden.

Instandhaltungs- oder Herstellungsaufwand – wohin gehört die energetische Sanierung?

Steuerliche Anreize bei energiesparenden Baumaßnahmen für Vermieter gibt es schon heute. Eine Instandhaltung umfasst Maßnahmen am Haus wie den Austausch oder die Erneuerung bestehender Gebäudeteile: Beispielsweise den Einbau einer neuen Heizanlage, der Ersatz alter Doppelfenster durch neue Verbundfenster, die Dämmung der Gebäudehülle oder Kellerdecke. Als Herstellung gelten Maßnahmen bei der energetischen Sanierung wie etwa eine solarthermische Anlage.

Der Instandhaltungsaufwand ist dabei steuerlich besser gestellt, als Neuinvestitionen bei energetischen Sanierungen, erklärt Wolfgang Wawro, Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. „Denn diese Investitionen können sofort, also noch im Jahr der Kostenentstehung, voll abgesetzt werden.“ Im günstigsten Fall zahlen Sanierungswillige in dem betreffenden Jahr keine Steuern, so der Steuerexperte. „Neben dem Sofortabzug gibt es alternativ eine gleichmässige Verteilung auf zwei, drei oder fünf Jahre“, so Wawro. Gerade wenn bei solchen Maßnahmen höhere Aufwendungen entstünden, könne der Vermieter über die Aufwandsverteilung entscheiden. Hierfür gilt Paragraf 82 b der Einkommensteuerdurchführungsverordnung, kurz EStDV. An die Wahl des Verteilungszeitraums sei man dann jedoch gebunden, eine nachträgliche Änderung ist dann nicht mehr möglich.

Förderung bestimmter Anlagen und Einrichtungen

Laut Paragraf 82 a EStDV sind erhöhte Absetzungen für bestimmte energetische Sanierungsvorhaben möglich, egal ob Herstellung oder Instandhaltung. Dazu gehören der Anschluss an eine Fernwärmeversorgung, wenn diese überwiegend aus Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung, zur Müllverbrennung oder zur Abwärmeverwertung gespeist wird.

Ferner der Einbau von Wärmepumpenanlagen, Solaranlagen und Anlagen zur Wärmerückgewinnung. Auch die Errichtung von Windkraftanlagen zur Energieerzeugung für ein Gebäude und die Anlagen zur Gasgewinnung aus pflanzlichen oder tierischen Abfallstoffen zur Beheizung oder Warmwasserbereitung gehören dazu.

Schließlich fallen unter diese Vorschrift auch der Einbau einer Warmwasseranlage zur Versorgung von mehr als einer Zapfstelle und einer zentralen Heizungsanlage oder bei einer zentralen Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlage der Einbau eines Heizkessels, eines Brenners, einer zentralen Steuerungseinrichtung, einer Wärmeabgabeeinrichtung und eine Änderung der Abgasanlage bei Gebäuden, wenn mit der Maßnahme nicht vor Ablauf von zehn Jahren seit der Gebäudefertigstellung begonnen worden ist.

Mehr Vorteile für Vermieter als für Eigennutzer

Ein Hausbesitzer, der in seinem Haus auch wohnt, genießt diese Vorteile vor dem Finanzamt nicht. „Dabei bräuchten Eigennutzer die gleichen Steuervorteile wie Vermieter“, argumentiert Wawro. Schließlich könne ein Vermieter bereits jetzt elf Prozent seiner Sanierungskosten auf den Mieter umlegen. Ein Eigennutzer hätte eine deutlich höhere Belastung zu stemmen: „Diese Eigenheimbesitzer haben meist ohnehin kein lastenfreies Haus und oft noch einen Kredit abzustottern“, so Wawro. Eine energetische Sanierung wäre nur mit einer staatlichen Förderung und steuerlichen Abschreibungen attraktiv. Mit einem normalen Haushaltseinkommen allein, ließe sich eine umfangreiche Sanierung meist nicht finanzieren.

Dieser Effekt wird etwa beim Thema Heizanlagen deutlich: Fast drei Viertel aller rund 17 Millionen Heizungen in Deutschland sind zwischen zehn und 24 Jahre alt. Ungefähr 18 Prozent sind sogar älter als 24 Jahre. Solange die alte Heizanlage noch funktioniert – dies bestätigte auch eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW aus dem Jahr 2010 – wollen die meisten Hausbesitzer nicht in eine neue, wenn auch effizientere Heizung investieren. „Eigennutzer sind nach derzeitigem Recht fast völlig auf sich allein gestellt“, so Wawro.

Kosten für Handwerkerleistungen können abgesetzt werden

Einen steuerlichen Vorteil, wenn auch einen kleinen, gibt es für Eigennutzer schon heute. So kann ein Eigenheimbesitzer die Lohnkosten für Handwerker von der Steuer absetzen. Das gilt also auch, wenn diese die Gebäudehülle dämmen oder isolierende Fenster einbauen. Auch die An- und Abfahrt der Handwerker zählt dazu. „Bis zu 6.000 Euro können so pro Jahr abgesetzt werden – ohne Einschränkungen durch den eigenen Steuersatz“, rechnet Wawro vor. So kann jeder 20 Prozent dieser Lohnkosten bei der Einkommensteuer anrechnen lassen. Doch damit lässt sich nur ein Teil der Ausgaben abwälzen, denn die Materialkosten müsste der Sanierer ohne Steuerrabatte aufbringen. „Diese machen bei Energiesparmaßnahmen aber meist den Großteil der Rechnung aus“, sagt Wawro. Dieser Steuervergünstigung sei daher nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Sonderfall Altbauwohnung im Sanierungsgebiet oder unter Denkmalschutz

Beachtliche Steuervorteile bringt die Sanierung von Altbauwohnungen. Ob es sich auch um ein Gebäude bzw. eine Eigentumswohnung im Sanierungsgebiet oder einem städtebaulichen Entwicklungsgebiet handelt, muss ein Experte klären. Eine Anerkennung als Baudenkmal vergibt das Denkmalamt. Vermieter können dann mittels einer erhöhten Absetzung den bewilligten Sanierungsanteil über zwölf Jahre abschreiben (§§ 7h, 7i EStG).

Einem Eigennutzer räumt die Denkmalschutz-AfA diese Möglichkeit für zehn Jahre ein. Der größte Vorteil ist: Die Sanierung einer eigengenutzten Denkmal-Immobilie kann binnen zehn Jahren zu 90 Prozent steuerlich geltend gemacht werden.

Psychologischer Effekt von steuerlichen Abschreibungen“

Soll unter Hausbesitzern das Sanierungsfieber ausbrechen, wäre ein neuer Regelkatalog sinnvoll, der energetische Einsparmaßnahmen klar definiert, schlägt Steuerexperte Wawro vor. Darin könnten eindeutige Grundlagen festgelegt werden, die Planungs- und Investitionssicherheit geben. Ein ähnliches Gesetz habe es vor Jahren schon gegeben, erinnert er sich. So war einst mit dem Paragraf 82 a der EStDV – in alter Fassung – festgeschrieben, dass bei einer Heizungserneuerung die Steuerbelastung über zehn Jahre gleichmäßig abgeschrieben werden konnte, auch für Eigennutzer. „Doch das wurde abgeschafft, obwohl oder vielleicht auch gerade, weil die Menschen dies viel genutzt haben.“

Entschied sich damals ein Hausbesitzer zum Beispiel für den Kauf einer neuen Heizanlage im Wert von 30.000 Euro, kamen pro Jahr 3.000 Euro Sonderabschreibung zusammen. Bei einer 33-prozentigen Steuerbelastung gab es damals rund 1.000 Euro vom Fiskus zurück. „Das ist eine spürbare Erleichterung, von der wieder alle Sanierungswilligen profitieren könnten“, sagt der Fachmann und erinnert an den großen psychologischen Effekt von Steuerrabatten. Laut Wawro könnte dieser sogar einen größeren Effekt bewirken, als staatliche Finanzierungförderungen: „Die Deutschen fanden es schon immer toll, Steuern zu sparen.“

Weitere Informationen:

Die Website des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg: www.steuerberaterverband-berlin-brandenburg.de

Die Gesetzestext zum Paragraf 7, 7h, 7i EStG zu Paragraf 10f und Paragraf 82a, 82b EStDV.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014