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Billigstrom

Stromdiscounter ohne Zukunft

Eine Studie von A.T. Kearney ergibt, dass Billigstromanbieter nicht profitabel wirtschaften können.

Stromdiscounter ohne Zukunft Stromdiscounter ohne Zukunft
energlobe.de, Denny Rosenthal

Seit 2006 sind sechs von insgesamt 40 Millionen Haushaltskunden in Deutschland von ihrem etablierten Versorger auf einen neuen Stromlieferanten umgestiegen. Der Markt ist stark umkämpft. Besonders Billigstrom-Firmen wie Teldafax, Flexstrom und Stromio machen den herkömmlichen Stromanbietern mit einer aggressiven Preispolitik Konkurrenz. Nachhaltig sind die Geschäftsmodelle der Stromdiscounter laut einer aktuellen Studie von A.T. Kearney nicht.

Der Wechsel des Stromanbieters – ob in Single- oder Familienhaushalten – kann die Energiekosten merklich senken. Bis zum Jahr 2015 kann sich die Zahl der Wechsler laut einer internen Studie der Beratungsfirma A.T. Kearney über den deutschen Strommarkt auf zwölf Millionen verdoppeln. Im Kampf um neue Kunden ist neben ideologischen Faktoren – etwa beim Wechsel zu einem Ökostromanbieter – ein niedriger Strompreis der entscheidende Faktor.

Singlehaushalte mit einem Jahresverbrauch von etwa 1.500 Kilowattstunden können bei den Stromdiscountern bis zu 200 Euro sparen; Familien mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden bis zu 490 Euro. Doch die aggressive Preispolitik hat auch Nachteile: So verlangen die Billigstromanbieter oft eine Vorauskasse für den kompletten Jahresbedarf, oft wird auch eine einmalige Kaution fällig und es gibt nur kurze oder gar keine Preisgarantien.

Angebotene Tarife langfristig kaum profitabel“

In den Rankings der Strompreis-Vergleichsportale wie verivox.de oder toptarif.de schneiden solche Anbieter trotzdem gut ab, da sie sich ihre Spitzenpositionen lediglich über den niedrigen Preis sichern. Von den Preisvorteilen angelockt, wechseln viele Stromkunden zu Anbietern aus dem Billigstrom-Segment. Kriterien wie Kundenservice oder eine nachhaltige Preispolitik werden in den Toplisten der Internetportale nicht erfasst.

Mit ihren derzeitigen Geschäftsmodellen können die Billigstrom-Anbieter auf lange Sicht nicht profitabel bleiben“, sagt Hanjo Arms, Partner im Beratungsbereich Energiewirtschaft bei A.T. Kearney und Autor der Studie. Dies gelte auch, wenn Vorteile aus der Tarifgestaltung – wie Zinseffekte durch hohe Vorauszahlungen – mit berücksichtigt würden. „Angesichts der Strompreise und der üblichen Steuern, Abgaben und Netznutzungsentgelte zeigen sich meist negative Vertriebsmargen pro Kunde und Jahr“, erläutert der Energieexperte. Ihr Margenproblem wollten viele Billigstromanbieter mit Vorkasse und Kautionen überdecken, so Arms. Das funktioniere aber nur, solange die Unternehmen wachsen.

Verluste von mehreren Millionen Euro jährlich

Die Studie kommt weiterhin zu dem Ergebnis, dass Anbieter aus dem Billigstrom-Segment ihr starkes Wachstum nicht auf Dauer fortsetzen könnten. Das Troisdorfer Unternehmen Teldafax etwa hat seit seiner Gründung im Jahr 2006 rund 700.000 Kunden gewonnen. Bereits bei 100.000 Abnehmern fielen laut Stromstudie jedoch Verluste von mehreren Millionen Euro jährlich für die Unternehmen an. Die Kosten für Marketing, Vertrieb und Abwicklung oder Kundenbetreuung seien dabei nicht berücksichtigt.

Hinzu komme, dass nach den ersten Preissteigerungen für die Billigstromkunden diese häufig wieder zu einem anderen Anbieter wechseln wollten, so Arms. „Die Wechselraten liegen teilweise bei mehr als 20 Prozent pro Jahr.“ Dies führe nicht nur zu hohen Abwicklungskosten, sondern auch zu einem erheblichen Akquiseaufwand, um die verlorenen Kunden zu „ersetzen“, erklärt der A.T. Kearney-Berater.

Marktbereinigung bei Stromanbietern

Es ist davon auszugehen, dass sich der Markt deutlich bereinigen wird – so das Resümee der Studie. „Für den Haushaltskunden bedeutet dies, dass sich der Strompreis zukünftig wieder stärker an der Entwicklung von fundamentalen Faktoren orientiert wie der Entwicklung der Großhandelsmarktpreise, der Netznutzungsentgelte und der Höhe der Steuern sowie der EEG-Umlage und weniger von spezifischen Wachstumsstrategien einzelner Anbietergruppen abhängen wird“, so Arms. Wichtig sei, dass kein Endkunde Angst haben muss, ohne Strom dazustehen: Denn die Versorgungssicherheit ist stets durch den örtlichen Grundversorger geregelt.

Weitere Informationen:

Die aktualisierte Studie „Unabhängige Wettbewerber auf dem Strommarkt. Wie Öko- und Billigstrom den Markt verändern“ können Sie auf der Website des Unternehmens herunterladen: www.atkearney.de.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014