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Bauboom

Bauarbeiter gesucht

In den kommenden zwanzig Jahren muss in Chinas Städten Lebensraum für rund 350 Millionen Menschen geschaffen werden.

Bauarbeiter gesucht Bauarbeiter gesucht
© Horst Kiechle

Chinas Stadtplaner stehen vor Herkulesaufgaben: Im Jahr 2030 dürften im Reich der Mitte zehn Megastädte entstanden sein – wie etwa Shanghai mit dann nahezu 20 Millionen Einwohnern.

Hinzu kommen nach Expertenprognosen rund 200 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Wie müssen Städte und Gebäude entworfen und gebaut werden, ohne die Umwelt und das Klima zu belasten?

Antworten darauf bietet die Expo in Shanghai, die noch bis 31. Oktober läuft, unter dem Leitthema „Better city, better life“. Damit formuliert die Weltausstellung eine der größten Aufgaben dieser Zeit: das Leben in einem Urban Millennium, einem Jahrtausend der Städte, nachhaltig und lebenswert zu gestalten.

Eine historische Urbanisierung

Bereits heute ist China weltgrößter CO2-Emittent. Längst steht das umweltfreundliche und energieeffiziente Bauen ganz oben auf der Agenda der chinesischen Zentralregierung; denn der Bauboom hält seit Jahren unvermindert an.

Der Chefplaner der Expo und Architekturprofessor Wu Zhiqiang geht davon aus, dass sich in den kommenden 30 Jahren die Stadtbevölkerung noch einmal verdoppeln wird: „Wir stehen bei der Urbanisierung immer noch am Anfang und brauchen daher Konzepte für Infrastrukturen in den neuen Städten.“

Wu, der an der Tongji-Universität die Fakultät für Städteplanung leitet, hat bereits 2002 das Eco-City-Modellprojekt ins Leben gerufen. In dem Städteprojekt werden Infrastrukturmodelle für einzelne Distrikte und Städte entwickelt, die leicht übertragbar sind.

Diese Modellstädte sollen Energie, Wirtschaftlichkeit und Lebensraum bieten und gleichzeitig weniger Emissionen produzieren. „Die Bedürfnisse sind schon allein wegen der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in unserem riesigen Land verschieden“, erklärt der Stadtplaner, der für das Projekt mit Siemens kooperiert.

Deutsches Know-how sehr gefragt

Deutsches Know-how ist gefragt. So kooperieren die deutsche Energieagentur Dena und das Bundesbauministerium mit dem chinesischen Zentrum für Energieeffizienz in Gebäuden sowie dem chinesischen Bauministerium.

Gemeinsam werden Lösungen für Energieeffizienz bei Neubauten sowie für die Sanierung des Bestandsbaus entwickelt. „In China entsteht innerhalb von 18 Monaten so viel neue Wohnfläche wie in Deutschland insgesamt vorhanden ist“, weiß Dena-Projektleiterin Nicole Pillen: „Das Einsparpotenzial ist deshalb sehr hoch.“

Die Zahlen wirken im europäischen Vergleich astronomisch: Fast zwei Milliarden Quadratmeter Gebäudefläche werden in China jährlich errichtet. 80 Prozent der Gebäude haben dabei einen hohen Energieverbrauch. Auch im Bestandsbau mit einer beachtlichen Fläche von 40 Milliarden Quadratmetern benötigen über 95 Prozent der Häuser zu viel Energie.

Rund ein Drittel des Gesamtverbrauchs fließt aktuell in den Gebäudebereich – für Heizung und Kühlung, Warmwasser und Kochen oder etwa den Betrieb von Haushaltsgeräten. „Wenn moderne Energieeffizienzstandards eingehalten werden, hat das eine große Bedeutung für China, die internationalen Energiemärkte und den Klimaschutz“, sagt Pillen.

"Qualität planen und bauen"

Dass Handlungsbedarf besteht, hat die chinesische Regierung erkannt: In den vergangenen zwei Jahren hat sie im Bausektor zahlreiche Bestimmungen und Verordnungen eingeführt.

Neue Technologien und Materialien, politische Instrumente und Modellprojekte, Informationskampagnen und Bildungsmaßnahmen sollen helfen, Energieeinsparungen von bis zu 65 Prozent zu erzielen.

Die Entwicklung ist zwar gut angelaufen, es besteht aber noch viel Handlungsbedarf. So entsprach der Standard bei Effizienzvorschriften für Gebäude bis vor kurzem noch der deutschen Wärmeschutz-Verordnung von 1978, berichtet Energieexpertin Pillen.

Um Energieverluste zu reduzieren, müsse laut der Gebäudeexpertin vor allem die Gebäudehülle besser abgedichtet sein: die Außenwände, das Dach sowie Keller und Fenster. „Da die Komfortwünsche europäisches Niveau erreichen, ergeben sich in den unterschiedlichen Klimazonen Chinas auch verschiedene energetische Anforderungen an den Gebäuden.“

Ein lukrativer Absatzmarkt

Auch gute Planungstechnik allein reiche nicht aus. „Qualität muss gebaut und nicht nur geplant werden“, so Pillen. Leider seien aber die Qualitätsansprüche in der Umsetzung nicht so hoch wie etwa in Deutschland. „Und es fehlt an qualifiziertem Baufachkräften“, so Pillen. „Wir arbeiten deshalb an fundierten Qualifizierungsprogrammen.“

Ein weiterer Hemmschuh sei, dass deutsche Planer in China nicht bauen, sondern nur planen: „Den Rest übernimmt ein chinesisches Büro“, erläutert Pillen.

Problematisch sei hierbei, dass die deutschen Entwürfe nach sogenannten Musterbüchern umgesetzt würden: Das bedeutet Bauen nach Bedienungsanleitungen. „Es gibt einfach noch kein tiefes Verständnis für energieeffizientes Bauen“, so Pillen. „Das braucht Zeit.“

Doch China ist auch jetzt schon ein lukrativer Absatzmarkt für deutsche Bau- und Anlagenlieferanten. Laut Econet China, einer Einrichtung der deutschen Wirtschaft, würden allein die Regierungspläne für die Sanierung von 25 Prozent des Gebäudebestandes bis zum Jahr 2015 genügen, um ein Marktpotenzial von etwa 240 Milliarden Euro zu generieren.

 

Weitere Informationen:

Zielgruppenanalyse "Energieeffizienz im Gebäudebereich in China" des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft Shanghai (2007)

 

 

 

 

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014