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Serie: Expo 2010

Chillen auf dem Pflanzenteppich

Obstgärten auf Dächern sowie die gezielte Begrünung in Innenstädten steigern die Lebensqualität erheblich.

Chillen auf dem Pflanzenteppich Chillen auf dem Pflanzenteppich
energlobe.de, Maud Radtke

Grünflächen in Großstädten können einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie haben dämmende und klimatisierende Eigenschaften, die einer Überhitzung der Städte vorbeugen können. Auf der Expo in Shanghai präsentieren viele Länder dazu ihre Ideen: einfach, aber effektiv.

Außerirdisch, verspielt und irgendwie erhaben. Bei der Betrachtung des Pavillons aus Großbritannien auf der Expo, überschlagen sich die Eindrücke. Manche sehen in dem Bau eine riesige Pusteblume, andere einen Igel oder auch eine haarige Wolke. Sicher ist, der wie eine Skulptur wirkende Pavillon zählt zu den spektakulärsten Bauten auf der Weltausstellung in Shanghai.

Das liegt daran, dass sich der Auftritt Großbritanniens gänzlich von dem anderer Länder unterscheidet. Es wurde kein Bauwerk mit Ausstellungsflächen und Exponaten konstruiert; kein Gebäude, welches passend zum Thema der Schau „Better City – Better Life“ nachhaltige Bauprinzipien demonstriert. Der Entwurf des Designers Thomas Heatherwick ist vielmehr der bauliche Ausdruck einer Botschaft. Aus dem kastenförmigen Bau ragen 60.000 Acrylstäbe, in deren Spitzen Samen aus der ganzen Welt eingefasst sind.

„Seed Cathedral“ taufte Heatherwick sein Werk. Die „Kathedrale der Samen“ soll die Bedeutung von Pflanzen für die Entwicklung der Menschen veranschaulichen und das Millenium Seed Bank Project bekannter machen – eine Initiative zur Erhaltung der Artenvielfalt. Sie steht auch für den Appell, den Artenreichtum der Pflanzenwelt zu erhalten und mehr Grün in die Stadtzentren zurückzubringen. Die riesige Pusteblume ist ein Geschenk der Inselbewohner an China: Mit dem umliegenden Gelände erweckt der Bau den Eindruck, als sei er gerade aus einem überdimensionalen Geschenkpapier gewickelt worden.

Das Grün soll zurück in die Städte

Auch in anderen Länderpavillons rücken grüne Lebensräume für die Stadt in den Fokus: Die Schweiz transportiert ihre Expo-Besucher mit einem Sessellift auf eine Blumenwiese auf dem Pavillondach. Auf der Kuppel des indischen Pavillons, der größten Bambuskonstruktion der Welt, wachsen Pflanzen in Plastikbeuteln, die nicht mit Erde sondern einer Nährstofflösung aufgezogen werden. Und im Treppenhaus des Shanghai Case Pavillons wachsen Pflanzen, die in vertikal angeordneten Kübeln an den Wänden befestigt sind.

Erst im Mai, zu Beginn der Weltausstellung, fand die World Green Roof Conference statt. Sie versammelte Experten aus aller Welt, die die Potenziale von begrünten Flächen innerhalb dicht besiedelter Stadträume diskutierten. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass mit einer Begrünung gleichzeitig zusätzliche Flächen für den Anbau von Lebensmitteln geschaffen werden. In einer nachhaltig konzipierten Stadt erscheint es sinnvoll, Obst und Gemüse nicht aus weit entfernten Anbaugebieten oder gar aus dem Ausland zu importieren.

Obst und Gemüse vom Dach

Da ergibt es mehr Sinn, die Tomaten fürs Käsebrot von den Stauden auf dem Dach oder den vertikal angelegten Pflanzenkübeln zu ernten. Gesünder und frischer wären so gezogene Lebensmittel allemal. Diese Idee ist längst keine Zukunftsmusik, sie wird bereits von Hotels umgesetzt, könnte aber auch für Schulen und Fabrikgebäude positive Effekte bergen. Das Fairmount Waterfront Hotel in Vancouver etwa züchtet auf seinem Dach Kräuter, Blumen und Gemüse. Und spart so jährlich etwa 30.000 US-Dollar.

Doch der Trend setzt sich langsam durch: In Tokio etwa ist das Anlegen eines Dachgartens seit diesem Jahr für Neubauten sogar Pflicht. Die Grünflächen sollen die Stadt im Sommer abkühlen und dem sogenannten Hitzeinseleffekt vorbeugen. Hinter dem tropischen Namen steht der Zusammenhang zwischen dichter Bebauung und den klimatischen Auswirkungen: Im Sommer kann es in Städten aufgrund des höheren Anteils versiegelter Bodenflächen bis zu 10 Grad wärmer sein als im Umland.

Begrünte Dächer sind Klimaanlagen und Luftreiniger

Bepflanzte Dächer haben hier den positiven Effekt, dass sie Regenwasser aufnehmen, das durch langsames Verdunsten für eine natürliche Kühlung der Umgebung sorgt. Die kanadische Wissenschaftlerin Karen Liu vom Institute for Research in Construction in Ottawa fand in Feldversuchen heraus, dass ein zehn Zentimeter hoher Rasen auf dem Dach den Bedarf an Kühlmaßnahmen in den Sommermonaten im Vergleich zu konventionellen Dächern um 25 Prozent reduziert.

Die Pflanzen binden darüber hinaus Staub und Schadstoffe sowie Kohlendioxid aus der Luft. Bis zu 200 Gramm der schädlichen Partikel kann ein grünes Dach pro Quadratmeter und Jahr absorbieren. Die Erd- und Pflanzenschichten an Wänden und Dächern haben auch dämmende Eigenschaften, die – je nach Gebäude und Klimazone – sogar zu niedrigeren Preisen als mit konventionellen Dämmstoffen verbaut werden können.

Damit leisten Pflanzenteppiche in Ballungszentren einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Sie senken mit ihren klimatisierenden und dämmenden Eigenschaften den Energieverbrauch – das reduziert den CO2-Ausstoß. Für die Großstädter dieser Welt kann das Pflanzen von Salat und Äpfeln in luftiger Höhe mehr als nur ein schickes Hobby sein: Es könnte ihnen Erholung bieten und soziale Kontakte mit der Nachbarschaft fördern.

100 grüne Fußballfelder in Düsseldorf

In Deutschland haben Kleingartenanlagen eine lange Tradition. Dort, wo keine Flächen für Minigärten zur Verfügung stehen, müssen Stadtgärtner eben auf das Dach steigen.

Die Stadt Düsseldorf fördert die Begrünung von Dächern schon seit vielen Jahren. In der Rheinmetropole sind Pflanzenteppiche keine Mangelware: Auf über 1.300 Gebäuden und 350 Tiefgaragen wachsen und gedeihen Blumen und Gras. Insgesamt sind im Rahmen eines städtischen Förderprogramms mehr als 730.000 Quadratmeter begrünt worden – das entspricht einer Fläche von 100 Fußballfeldern.

Als Anreiz für die Begrünung dienten den Düsseldorfern Einsparungen bei den Abwassergebühren: Reduziert ein Gebäude seine Niederschlagsmengen, muss der Hausbesitzer auch weniger für die Abwasserentsorgung bezahlen. Der Regenwasserabfluss kann sich je nach Beschaffenheit des Dachgartens um bis zu 50 Prozent verringern.

Weitere Informationen:

Greenroofs for Healthy Cities ist ein amerikanisches Netzwerk zur Förderung von Grünflächen auf Dächern. Die Homepage informiert ausführlich www.greenroofs.org.

Dachbegrünung in der Stadt Düsseldorf: mehr zu dem Förderprogramm der Stadt lesen Sieunter www.duesseldorf.de.

Der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) führte im März 2010 eine Umfrage in 600 Städten zur Begrünung von Dächern und Fassaden durch. Eine Datenbank informiert über die Fördermöglichkeiten in Ihrer Nähe.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014