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Ökostadt

Chinas grüne Vorzeigestadt

SBA-Architekt und Stadtplaner Hong Li über die „Low-Carbon Future City Yinggehai“.

Chinas grüne Vorzeigestadt Chinas grüne Vorzeigestadt
SBA

Weniger Energieverbrauch, mehr Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Das sind zentrale Themen für die Stadt der Zukunft, auch und gerade in China. Darüber sprach ENERGLOBE.DE sprach mit Hong Li, China-Chef des Architekten- und Stadtplanerbüros SBA International, das seinen Stammsitz in Stuttgart hat.

China sucht Prototypen für die zahllosen Städte, die es aufgrund seiner gewaltigen Urbanisierung benötigt. Was unterscheidet Ihre Low Carbon Future City Yinggehai von den bisherigen Vorstellungen einer Ökostadt?

Li: Im Gegensatz zu einer starren Struktur und einem abgeschlossenen Konzept verfolgen wir das Ziel, die Veränderungsprozesse in der Stadtentwicklung zu berücksichtigen und die neue Stadt auch auf die zukünftig zu erwartenden Funktionen und Nutzungen vorzubereiten.

Es gibt nicht den einen Prototyp für eine Stadt der Zukunft. Gewisses Know-how der verschiedenen Fachbereiche, wie Energieversorgung und Verkehrsplanung, lässt sich sicherlich übertragen. Aber jedes Planungsgebiet bedarf einer präzisen Untersuchung, in Bezug auf die örtlichen Verhältnisse und Potenziale. Unser Fokus liegt auf den stadtplanerischen Aspekten der Stadtstruktur, Energieversorgung, Mobilität und Urbanität. Erklärtes Ziel, wie bei allen Low-Carbon-Projekten, ist die Energieeinsparung. In Schwellenländern wie China ist dies besonders die Eindämmung des steigenden Energiebedarfs auf Quartiers- und Gebäudeebene.


Wie genau erfolgt eine Analyse des Standortes?

Li: Im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Universität Duisburg-Essen arbeiten wir an einem Bewertungssystem als Arbeitsgrundlage für eine nachhaltige Stadtplanung (LCI - Low-Carbon Index), sowie an einer Methode zur Wirkungskontrolle der umgesetzten Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs von Städten (EEC - Energy Efficency Controller). Diese Tools testen wir derzeit an unseren verschiedenen Stadtentwicklungsprojekten. So findet nicht nur ein praktischer, sondern auch ein interdisziplinärer und internationaler Austausch zwischen den verschiedenen Projektbeteiligten in Deutschland und in China statt, um eine Stadt mit Beispielcharakter für die Zukunft realisieren zu können.


Stammt die Energieversorgung in Ihrer Ökostadt zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien?

Li: Wichtige Fundamente der „Low Carbon City“ sind Erneuerbare Energien zu produzieren, zu speichern und im Sinne einer Smart City die Energie nach Bedarf zu verteilen. Das Energiekonzept nutzt Solar- und Windenergie, sowie Regenwasser, Rückgewinnung von Wasserressourcen und Energiegewinnung aus biologischem Abfall. Die Photovoltaik-Technologie ist in diesem Gebiet besonders effizient. Mit rund 300 Sonnentagen im Jahr ist ein energetisches Potential von etwa 1.700 Kilowattstunden pro Quadratmeter Fläche möglich.


Zahlreiche Ökostädte wurden für China entwickelt, in der Bauphase verabschieden sich viele Auftraggeber von den meist ehrgeizigen Ökokriterien. Woran liegt das und wie gehen Sie mit solchen Erfahrungen um?

Li: Der Verlauf unserer Projekte in China ist häufig nicht stetig sondern eher pulsierend. Oft dauert es eine Weile bis wir eine Entscheidung vom Auftraggeber bekommen. Wenn diese vorliegt, müssen wir innerhalb eines kurz bemessenen Zeitraumes die Vertiefung unsere Planung vorlegen. Ich würde nicht sagen, dass es sich um spezielle Probleme bei der Realisierung der Ökostädte handelt, wenn ein Projekt ins Stocken kommt oder abgebrochen wird.

SBA plant seit 2001 vor Ort in China. Kurzfristige Änderungen und neue Planungsgrundlagen sind für unsere Architekten an der Tagesordnung. Das passiert bei ganz verschiedenen Planungsaufgaben und auch in allen Leistungsphasen. Wir bearbeiten unsere Projekte mit einer Doppelspitze – mit einem Projektleiter in Deutschland und in China. So nutzen wir das interkulturelle Know-how, aber auch die Zeitverschiebung, um die Projekte schneller voranzubringen. Die Dynamik des chinesischen Marktes ist für uns grundsätzlich positiv, denn es werden viele Konzepte und Visionen schnell umgesetzt und nicht jahrelang diskutiert.


Wann soll gebaut werden und wie sehen die nächsten Schritte aus?

Li: Der Wettbewerbsentwurf wird jetzt von verschiedenen Stakeholdern diskutiert und mit den Planern vertieft. Ziel der kommenden Monate ist es, richtungsweisende und spezifische Rahmenbedingungen für die „Low Carbon Future City Yinggehai“ auf Hainan festzulegen und sie dann auch im Regulatory Plan festzusetzen. Dieser wird dann die baurechtliche Grundlage für die Realisierung der verschiedenen Stadtteile und Quartiere bilden. Entscheidend für den Erfolg wird weiterhin eine zielgerichtete Entscheidungsfindung bei den Verantwortlichen der Stadt sein.


Ihre Vision in drei Sätzen?

Li: Energieeffiziente Städte mit Identität realisieren, die den CO2– Ausstoß stetig verringern und den Einsatz regenerativen Energien forcieren, ohne die Mobilität und den Wohnkomfort der Nutzer einzuschränken oder das spezifische Stadtbild zu verlieren.


Zur Person:

Hong Li (Architekt und Stadtplaner) ist Geschäftsführer des Architektur- und Stadtplanungsbüros SBA International. Das Büro beschäftigt über 80 Mitarbeiter in den Niederlassungen in Stuttgart, Shanghai und Beijing.

www.sba-int.com

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(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014