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Klimaschutz

Die Hitze der Stadt

Kommunen für den Klimaschutz: Gebäudesanierung, neue Umweltzonen und mehr Erneuerbare.

Die Hitze der Stadt Die Hitze der Stadt
Uptown Verlag, Denny Rosenthal

Im Jahr 2006 knallten in Münster noch die Sektkorken, damals war die Stadt zur ersten Klimaschutzhauptstadt Deutschlands gewählt worden. In einem Wettbewerb unter 78 Kommunen hatte die Deutsche Umwelthilfe der Stadt des westfälischen Friedens diese Ehre verliehen, für ihr langjähriges umfassendes und zukunftsweisendes Engagement im Klimaschutz.

Heute macht sich Ernüchterung breit: „nach einer Änderung des Berechnungssystems musste die erzielte CO2-Einsparung von 20 auf neun Prozent korrigiert werden“, sagt Birgit Wildt, Leiterin der Koordinierungsstelle Klimaschutz der Stadt Münster. Aber sie sagt auch: „Angesichts eines deutlichen Zuwachses beim Wohnraum wie beim Stromverbrauch steht Münster immer noch sehr gut da.“ In einem neuen Klimaschutzkonzept hat die Stadt sich zudem eine CO2-Einsparung von 40 Prozent bis 2020 vorgenommen.

Städte: Verursacher und Opfer des Klimawandels

Kommunen, die den Klimaschutz ernst nehmen, stehen vor weit mehr Problemen als der Frage, welche Bemessungsgrundlage sie für ihre Emissionsberechnungen verwenden. Städte gelten weltweit als wesentliche Verursacher des Klimawandels. Gleichzeitig sind sie auch in besonderem Maße von seinen Folgen betroffen. Während die Ursachen zu weiten Teilen global sind, müssen die Folgen des Klimawandels lokal bekämpft werden.

Stadtentwicklung mit Klimaschutzkonzept

Und so investieren viele Kommunen zunächst in die Sanierung stadteigener Gebäude, sie richten eine Umweltzone ein und fördern den Ausbau Erneuerbarer oder vergleichsweise klimaschonender Energien – wie zum Beispiel die Stadt Münster, die 2005 ein altes Kohlekraftwerke durch eine moderne Gas- und Dampfturbinen-Anlage ersetzte.

Eine Studie des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung empfiehlt insbesondere den Ausbau Erneuerbarer Energien wie Solarthermie und Photovoltaik, weil diese sich auch gut ins Stadtbild, etwa in Form von Solardächern, integrieren lasse.

Klimaschutz steht spätestens seit Beginn der 1990er Jahre auf der kommunalen Agenda. Seitdem nimmt die Zahl der Kommunen, die als Basis für ihre Aktivitäten ein Klimaschutzkonzept erstellen, stetig zu. Seit Sommer 2008 wird die Erstellung und die beratende Begleitung solcher Konzepte sogar vom Bundesumweltministerium im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

Anpassung wird immer wichtiger

Mit Blick auf die weitere Entwicklung formuliert Vera Lorke vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu): „in den Kommunen stehen zurzeit noch Klimaschutzmaßnahmen im Vordergrund, jedoch werden zunehmend auch Anpassungsstrategien an den Klimawandel als wichtiges Handlungsfeld gesehen.“

Während die Belange des Klimaschutzes sowohl im Bauplanungsrecht als auch im energetischen Fachrecht wie der Energieeinsparverordnung und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz von Belang sind, kommt der Begriff der Adaption in den entsprechenden Gesetzen überhaupt nicht vor. Dabei ist der Begriff ausgesprochen vielschichtig: Anpassung an den Klimawandel kann Bebauungspläne ebenso beeinflussen wie die Einsatzpläne der örtlichen Feuerwehr, die sich auf besondere Klimaereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen einzustellen hat.

Grünanlagen verhindern den Urban-Heat-Effekt

Bebauungspläne können helfen, den sogenannten Urban-Heat-Effekt zu mindern, die Aufheizung der Stadt an Sommertagen und ihre fehlende Abkühlung nachts. Große Grünflächen lassen etwa Kaltluft entstehen. Doch nicht jede Stadt braucht aus klimatischen Gründen zwingend einen Central Park. „Wichtig sind auch eine Vielzahl von kleineren Grünflächen wie Hof-, Fassaden- oder Dachbegrünung sowie Straßenbäume“, sagt Heinz Brandl, bei der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verantwortlich für den Stadtentwicklungsplan Klima. „Eine intelligente Vernetzung des klimaaktiven Grüns ist entscheidend für den thermischen Komfort in den städtischen Räumen“, so Brandl.

Hier kollidieren Mitigation und Adaption: Während es unter Aspekten des Klimaschutzes sinnvoll ist, einen verdichteten Stadtraum zu haben, der kurze Wege, wenig Autoverkehr und eine effiziente Wärmenahversorgung, etwa durch Kraft-Wärme-Kopplung, ermöglicht, ist es unter dem Aspekt der Anpassung notwendig, diese Verdichtung durch Grüngürtel und Kaltluftschneisen zu durchbrechen.

Klimaschutz kann keine Kür bleiben

Eine Aufnahme des Begriffs der Klimaanpassung in das Baugesetzbuch könnte solche Konflikte lösen helfen, hofft das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Denkbar wäre auch die Aufnahme des Klimaschutzes in den Katalog kommunaler Pflichtaufgaben, um seine Finanzierung dauerhaft zu sichern. Das würde auch der Stadt Münster helfen, das neue Klimaziel von 40 Prozent CO2-Minderung zu erreichen.

Weitere Informationen:

Das Klimaschutzkonzept 2020 für Münster

Servicestelle Kommunaler Klimaschutz: www.kommunaler-klimaschutz.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014