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Serie: Expo 2010

Ein Schluck aus dem Zürisee

energlobe.de-Redakteurin Jelena Nikolic hat auf der Expo 2010 in Shanghai einen Schluck Züriwasser probiert.

Ein Schluck aus dem Zürisee Ein Schluck aus dem Zürisee
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Schweiz hat ihre Gewässer revitalisiert. Besonders die Städte Basel, Genf und Zürich verzeichnen Erfolge mit ihrem nachhaltigen Wassermanagement. Auf der Expo in Shanghai präsentieren die drei Städte ihre Erfolgsrezepte.

Die zehnjährige Lian blickt ihre Mutter unsicher an. „Das kann ich wirklich trinken?“ Das Mädchen schaut auf eine blaue Wasserflasche, auf der eine Schweizer Flagge abgebildet ist. „Das Wasser in der Schweiz ist so sauber, dass die Menschen es trinken können, wenn es aus dem Wasserhahn kommt“, erklärt Howe Yin Zhao dem chinesischen Mädchen. Das lässt sich dann auch überzeugen und nimmt einen Schluck: „Schmeckt gut“, bestätigt das Kind, sichtlich erleichtert.

„So überrascht wie die kleine Lian sind viele Menschen, die unseren Pavillon besuchen“, erklärt Zhao die Situation. Seit Beginn der Weltausstellung Expo in Shanghai betreibt die Sprecherin des Gemeinschaftspavillons der Städte Zürich, Basel und Genf Aufklärungsarbeit. Unter dem Motto „Better Water – Best Urban Life“ präsentiert das Städtetrio seine erfolgreiche Praxis im nachhaltigen Wassermanagement.

Saubere Gewässer sind ein Standortfaktor

Und da können die Schweizer tatsächlich aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen. Seit 30 Jahren investiert das Alpenland in die Reinigungssysteme seiner Trinkwasser-Ressourcen. „Wir wollen zeigen, dass sich nachhaltiges Wassermanagement positiv auf die urbane Lebensqualität auswirkt“, erläutert Projektleiter Yves Bisang von der Stadtverwaltung Zürich. „Da in China 70 Prozent aller Flüsse und Seen vergiftet sind, können sich die meisten Chinesen gar nicht vorstellen, in ihren Gewässern zu baden.“

Wie wurden die in den 70er und 80er Jahren teilweise stark verschmutzten Flüssen und Seen gereinigt?

70 Prozent des „Züriwassers“ stammen aus dem Zürichsee, 15 Prozent sind Quellwasser, der Rest ist Grundwasser. In der Stadt befinden sich über 1.200 Brunnen – ein untrügliches Zeichen für den selbstverständlichen Umgang mit natürlichem Trinkwasser. „Für eine gute Trinkwasserqualität sind hohe Investitionen, kostspielige Bauwerke und eine permanente Qualitätssicherung notwendig“, weiß Bisang und fügt hinzu, dass in Zürich eine ganze Serie von Maßnahmen zum Erfolg geführte habe.

Wasserwäsche ohne Chemie

Die Einführung rechtlicher Rahmenbedingung war einer von vielen wichtigen Schritten. Unternehmen wurden verpflichtet, ihre Abwässer in den Betrieben vorzureinigen, bevor sie in die Kanalisation gelangen. „Die Industrie und besonders die zahlreichen Pharmaunternehmen, die hier ansässig sind, müssen sich strikt an die gesetzlichen Richtlinien der Inhouse-Wasseraufbereitung halten“, erklärt Bisang.

Dies zahlt sich mittlerweile bei der Aufbereitung in den drei großen Wasserwerken der Stadt aus: Nachdem das kostbare Nass sieben Stufen mit natürlichen Sand- und Aktivkohlefiltern durchlaufen hat, wird es mit Ozon versetzt. Dieses inaktiviert Mikroorganismen und oxidiert organische Stoffe, womit eine gute Trinkqualität erreicht wird.

Das ist gängige Praxis, nicht nur in der Schweiz. Besonders an der Situation in Zürich ist, dass das Seewasser in dieser Aufbereitungsstufe bereits von so guter Qualität ist, dass es ohne Chlor und andere chemische Zusätze gereinigt werden kann, bevor es in die Haushalte geleitet wird. Weiteres Plus: „Die Stadt investiert kontinuierlich in ihr Kanalsystem, es wird immer wieder erneuert und ist top à jour“, betont Bisang.

Schwimmende Putztrupps auf  dem Rhein

In Genf und Basel waren die Probleme mit verunreinigten Wasser durchaus größer. Der rege Schiffsverkehr in Basel etwa mit zahlreichen Chemieunternehmen, die ihre Abwässer in den Rhein entließen, sowie die Tatsache, dass der 1.320 Kilometer lange Fluss durch vier Länder führt, haben seit den 70er Jahren zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Wasserqualität geführt.

Ein dramatischer Höhepunkt war 1986 der Brand im Chemiekonzern Sandoz, bei dem giftige Chemikalien in den Fluss gelangten, sein Wasser rot einfärbten und ein massives Fisch- und Pflanzensterben herbeiführten.

Heute ist das Rheinwasser sehr sauber und an heißen Tagen mausert sich der Fluss mit seinen Badenden und einem beeindruckenden Kulturangebot zu einem eigentlichen Stadtzentrum“, schwärmt Sabine Horvath, Leiterin Außenbeziehungen und Standortmarketing Basel.

Revitalisiert wurde der Rhein bereits in den 70er Jahren, als neue Schutzgebiete für Grundwasser festgesetzt und Mitte der 80er Jahre gesetzlich verankert wurden. Gewerbebetriebe wurden ausgesiedelt und belastete Bodenflächen für rund 70 Millionen Euro saniert.

Internationale Schutzabkommen unerlässlich

Wirksam waren auch internationale Kooperationen und Abkommen zum Wasserschutz, die Einführung strengerer Wasserschutzgesetze sowie ein länderübergreifendes Überwachungssystem zur Qualitätssicherung. Darüber hinaus schicken die Basler auch schwimmende Putztrupps auf ihren großen Fluss – die Bibo Regios. Diese speziellen Boote eliminieren Verunreinigungen des Flusswassers wie Öl aus dem Schiffsverkehr vor Ort, denn sie verfügen über eine Kläranlage an Bord.

Bei der Trinkwasseraufbereitung geht Basel unkonventionelle Wege. Der Rhein liefert heute Trinkwasser für 20 Millionen Menschen. „Da nicht genügend Grundwasser vorhanden ist, wird Rheinwasser in die Grundwasserströme gepumpt, um den Grundwasserspiegel künstlich anzuheben“, erklärt Manfred Beubler vom Amt für Umwelt und Energie in Basel. In der Grundwasserschutzzone Lange Erlen am Rande der Stadt sammelt sich das Rheinwasser dann in den so genannten Wasserstellen. In diesen bewaldeten Grünflächen sickert es langsam wieder in den Waldboden. Aufgrund seiner porenreichen Struktur ist der Waldboden mikrobiologisch aktiv und als Reinigungssystem gut geeignet. Der Wald wäscht somit das Trinkwasser sauber: „Ein weltweit einmaliges Beispiel“, so Beubler begeistert.

In Shanghai sind solche Methoden noch nicht vorstellbar. „Deshalb ist man auf der Expo besonders an den Schweizer Konzepten interessiert“, resümiert Sabine Horvath. Wenn in Shanghai gutes Trinkwasser aus dem Hahn käme, wäre das eine gute Sache. Der kleinen Lian gefiele das sicher auch.

Weitere Informationen:

Der Gemeinschaftspavillon von Basel, Genf und Zürich auf der Expo in Shanghai: www.basel-geneva-zurich.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014