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EU-Effizienzziele

Europa setzt ehrgeizige Ziele

Die Pläne der Europäischen Kommission sind ehrgeizig: Ab 2014 sollen öffentliche Gebäude schrittweise saniert werden.

Europa setzt ehrgeizige Ziele Europa setzt ehrgeizige Ziele
ENERGLOBE.DE/ DennyRosenthal

Der Gebäudebestand in Europa gilt als schlafender Riese mit einem enormen Potenzial für Einsparungen beim Gesamtenergieverbrauch. Die Pläne der Europäischen Kommission sind ehrgeizig: Bis 2020 soll die Energieeffizienz in den Mitgliedsstaaten um 20 Prozent gesteigert werden. Im März wird die Kommission einen Energieeffizienzplan vorlegen, in dem neue, rechtsverbindliche Sanierungsziele festgeschrieben werden sollen.

Die energetische Modernisierung des Gebäudebestands gilt als kosteneffizienter Weg zu Energieeinsparungen und einer langfristigen Minderung der Emissionen von Kohlendioxid (CO2). Veraltete Heiz- und Kühlanlagen sowie unzureichende Dämmung machen den Gebäudebestand zum größten Energiekonsumenten der Europäischen Union (EU). Die Gebäudefläche der EU beträgt rund 21 Milliarden Quadratmeter. Heizen, Kühlen und Warmwasserbereitstellung tragen je nach Gebäudetyp zu etwa 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Gebäuden bei. Laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur sind durch Sanierungen Einsparungen zwischen 55 bis 80 Prozent möglich – je nach Gebäudetyp und Region.

Der Gebäudebestand ist der größte Energieverbraucher der EU

Die EU will bis 2020 ihre Energieeffizienz um 20 Prozent erhöhen – besonders im Gebäudebereich, dem Verkehrssektor und in Produktionsverfahren. Bislang hinken fast alle Mitgliedsstaaten in ihren Effizienzvorhaben zurück, Deutschland wird bis 2020 voraussichtlich nur 12,8 Prozent seines Energiebedarfs einsparen können.

Die Effizienzziele sind bislang nicht rechtsverbindlich, im Gegensatz zu den weiteren zwei Vereinbarungen vom Energiegipfel im März 2007: Darin hatten sich die EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Anteil Erneuerbarer Energien am Energiemix auf 20 Prozent zu erhöhen und ihre CO2-Emissionen um ebenfalls 20 Prozent zu reduzieren. Könnte beispielsweise allein der Energieverbrauch in Gebäuden durch Dämmmaßnahmen oder Erneuerung der Heiztechnik um ein Drittel gesenkt werden, würde dies den gesamten Energiebedarf der EU schon um elf Prozent reduzieren.

Energieeinsparziele sollen in nationaler Hand bleiben

Ab 2014 sollen öffentliche Bauten eine Vorbildfunktion übernehmen und bei einer Sanierungsrate von zwei Prozent schrittweise energetisch modernisiert werden. Ziel ist es, dass dann die sanierten Gebäude zu den zehn Prozent des Gesamtbestandes gehören, die am wenigsten Energie verbrauchen. Diese Einsparziele sollen verbindlich für den europäischen Sektor der öffentlichen Gebäude gelten.

Im deutschen Energiekonzept wurde auf eine Zwangssanierung verzichtet. Dies könnte jedoch bald auf europäischer Ebene durchgesetzt werden. Gegen dieses Vorhaben laufen nicht nur das Wirtschafts- und Verkehrsministerium Sturm, auch die Wohnungswirtschaft wundert sich über die neuesten Pläne der Europäischen Kommission. Eine Einmischung aus Brüssel ist in Berlin unerwünscht – verbindliche Energieeinsparziele sollen auch weiterhin in nationaler Hand bleiben.

Sehr ambitionierte Ziele“

Ingrid Vogler, Energie-Referentin beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), sieht der Effizienzstrategie der Europäischen Kommission mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie hält eine Sanierungsrate von zwei Prozent für „sehr ambitioniert“, gibt jedoch zu bedenken, dass es in Deutschland schon höhere Sanierungsraten gegeben habe. „Von 1990 bis 2009 wurden in den neuen Bundesländern über 50 Prozent der Wohnungen der GdW-Unternehmen energetisch modernisiert – das sind 2,5 Prozent pro Jahr“, so die GdW-Referentin gegenüber ENERGLOBE.DE.

In den Nachwende-Jahren wurde somit fast jede zweite Plattenbausiedlung gedämmt – von solchen Quoten kann die Branche angesichts sinkender Fördermittel nur noch träumen. Die Branchenexpertin bestätigt, dass die Modernisierungsraten zurückgingen, da die einfach zu sanierenden Gebäudebestände mittlerweile abgearbeitet seien.

Sanierungsrate in der Wohnungswirtschaft eher sinkend

Jetzt habe es die Branche mit schwierigeren Beständen zu tun. Außerdem seien die Standards für eine Bewilligung von Fördermitteln durch die KfW weiter angestiegen: „Wir sind neben bautechnischen Schwierigkeiten auch mit Problemen seitens der Mieterschaft konfrontiert“, so Vogler. Nicht überall sei es möglich, notwendige Mieterhöhungen aufgrund von Modernisierungen durchzusetzen, etwa bei sozial schwachen Haushalten. Der GdW geht davon aus, dass fünf Milliarden Euro Fördermittel für eine zweiprozentige Sanierungsrate notwendig wären. Klärungsbedarf bestünde auch hinsichtlich des Mieter-Vermieter-Dilemmas, also bei der Frage, wer für die Kosten der Sanierung zu welchen Teilen aufkommen solle. Doch das eigentliche Problem sei, so Vogler, „ein Bündel von zunehmenden Anforderungen mit weniger Mitteln zu erfüllen.“ Dies sei nicht zu schaffen.

Pläne der Europäischen Kommission völlig verfrüht“

Branchenkollege Sven Johns, Bundesgeschäftsführer beim Immobilienverband Deutschland, bestätigt Voglers Aussichten bezüglich der Sanierungsrate. Zudem sei ein pauschaler Vergleich der Häuser in Spanien und Griechenland mit Gebäuden in Skandinavien oder gar Deutschland nicht möglich, führt Johns weiter aus: „Dafür ist der Einsatz fossiler Energieträger, beispielsweise im Wärmebereich, in den Ländern einfach zu unterschiedlich.“ Aber gerade dies gehöre zu den ausschlaggebenden Faktoren bei energetischen Sanierungen.

Er hält eine weitere Beurteilung der energetischen Maßnahmen, die heute nach der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 vorgeschrieben sind, für erforderlich. So könnte der Wirkungsgrad einzelner Maßnahmen oder die genaue Einsparung von CO2-Emissionen festgestellt werden. Ein entsprechendes Gutachten habe das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung bereits in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen im Herbst 2011 vorliegen. Deutschland werde ohnehin voraussichtlich erst 2012 in der Lage sein, einen Sanierungsfahrplan bis 2050 aufzustellen, prophezeit Johns. „Die Pläne der Europäischen Kommission kommen völlig verfrüht.“

Vorbildfunktion ist sinnvoll“

Christian Stolte, Leiter des Bereichs Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energieagentur (Dena) sieht die Lage differenzierter. Er begrüßt die Vorbildfunktion, welche die öffentlichen Gebäude durch den EU-Sanierungsfahrplan erhielten. Neben Neuerungen im Ordnungsrecht und Fördermaßnahmen, seien bauliche Vorbilder und beispielsweise die gestärkte Rolle des Energieausweises, wichtige flankierende Marktinstrumente.

Die Klimaschutzziele könnten durch die Sanierung öffentlicher Gebäude zwar nicht erreicht werden, so Stolte auf Anfrage von ENERGLOBE.DE. Aber immerhin könnten die knapp 200.000 öffentlichen Liegenschaften eine Signalwirkung auf Immobilienbesitzer haben, ebenfalls zu modernisieren, so Stolte. Studien beweisen bisher das Gegenteil: Erhebungen der letzten Jahre zeigten, dass die größten Anreize für Modernisierer attraktive Förderungen sind.

Am wichtigsten sei, und hier sind sich alle Experten der Wohnungswirtschaft einig, eine kontinuierliche und finanziell erheblich besser ausgestaltete Sanierungsförderung. Die Zeit dürfe jetzt, trotz eines erhöhten Druck seitens der Europäischen Kommission, nicht mit langen Bestandsaufnahmen und Evaluierungen vergeudet werden, mahnt Stolte: „Wir müssen uns schon jetzt bewegen.“

Weitere Informationen:

Das Strategiepapier der Europäischen Kommission „Europa 2020“, vorgestellt am 10.11.2010: http://eur-lex.europa.eu.

Themendossier „Energiesparendes Bauen und Wohnen“ der Europäischen Kommission: http://presseportal.eu-kommission.de.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014