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Bauen

Grüne Mauer um Wüstenstädte

Ein Bakterium, das Sand zu Stein werden lässt, soll die Ränder der Sahara fruchtbar machen und die Desertifikation stoppen.

Grüne Mauer um Wüstenstädte Grüne Mauer um Wüstenstädte
Magnus Larsson

Ein schwedischer Architekt schlägt eine neue Bauweise für die Wüste vor. Mit Mikroorganismen möchte er den Wüstensand fest und formbar machen. So könnte die Ausbreitung der Wüste verhindert und Städte vor dem vordringenden Sand geschützt werden.

Es klingt nach dem Traum eines Kind gebliebenen Mannes, der noch gerne im Sand Burgen baut. Der schwedische Architekt Magnus Larsson will mit einer neuartiger Form des Landschaftsbaus künstliche Dünen in der Sahara bilden und so die Wüstenbildung in Afrika stoppen. Dabei sollen ihm Mikroorganismen, deren Stoffwechsel-Prozesse aus Sand festen Sandstein machen, helfen. Sie sollen die Bodenerosion stoppen und die Wüstenregion am Rande der Sahara in eine blühende Oasenlandschaft verwandeln.

Zurzeit fordert der 33-jährige Schwede mit seiner Idee, die er Dune-Projekt getauft hat, auf Wissenschaftskongressen das Vorstellungsvermögen seiner Zuhörer heraus. 2008 wurde Larsson für seinem abenteuerlichen Plan mit dem Award für nachhaltige Bauprojekte der Schweizer Holcim-Stiftung ausgezeichnet. Das Projekt besteche durch seinen visionären Charakter und seine technologische Innovation, hieß es in der Laudatio der Jury.

Ein Bakterium für Erdarbeiten

Larssons Plan macht sich einen Trick der Natur zunutze: Das Bakterium Bacillus pasteurii, das hauptsächlich in Feuchtgebieten beheimatet ist, produziert durch seinen Stoffwechsel Kalzit. Das Mineral wirkt im Sand wie ein natürliches Bindemittel und verklebt die losen Sandkörner zu festem Sandstein. Diese spezielle Eigenschaft des Bazillus hat das Interesse der Wissenschaft geweckt. Biotechniker der University of California erarbeiten gerade Einsatzmöglichkeiten der Mikroorganismen für Erdarbeiten etwa beim Straßenbau oder zur Stabilisierung des Untergrunds nach Erdbeben.

Neuer Sandstein

Larsson hat ein anderes Anwendungsgebiet im Visier: Mit Vertikalbohrern plant er das Bakterium großflächig durch den Wüstensand zu spülen und somit einen festen Untergrund zu schaffen. Innerhalb weniger Stunden würden die Bakterien den Sand zu festem Sandstein härten. Danach ließen sich weitere Schichten Sand in beliebiger Form erhärten. „So lässt sich jegliche vorstellbare räumliche Struktur von solidem Sandstein erschaffen“, beschreibt Larsson seinen Plan.

In seinen Entwürfen beweist der 33-Jährige viel Fantasie und skizziert Dünenlandschaften mit geschwungenen Kämmen, gewölbten Brückenläufen und runden Talmulden – aus gehärtetem Sandstein. Formen, die die Natur aus eigener Kraft schafft, wie Larsson betont. „Der Wind würde einen Großteil der Arbeit übernehmen: Er legt die im Sandboden geformten Landschaften frei und schafft eine Struktur, die sich im Verlauf von Jahrzehnten kontinuierlich verändern würde“, wirbt er für sein Projekt.

Künstliche Dünen als Schutz vor Desertifikation

Larssons Vision der künstlichen Dünen hat einen ernsten Hintergrund. Die Sahara – die größte Wüste der Welt – breitet sich jährlich um rund 50 Kilometer nach Süden aus. Wind, zunehmende Hitze und Dürren machen den Boden in den Randzonen unfruchtbar. Die Ursachen für den Prozess sind hauptsächlich menschlichen Ursprungs: flächende­ckende Abholzung und Überweidung durch Nutztiere und der Klimawandel.

Eine Studie der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2007 hat die Desertifikation, wie sich das Phänomen der ausbreitenden Wüsten nennt, als eine der größten ökologischen Herausforderungen der kommenden Generationen ausgemacht. Die Wüstenbildung betrifft ein Drittel der gesamten Erdbevölkerung und könnte noch innerhalb der nächsten 30 Jahre zu Massenfluchten aus den Dürregebieten führen. Allein in Afrika droht mehreren zehn Millionen Menschen der Verlust von Heimat und Exis­tenzgrundlage.

Grüne Mauer vom Senegal bis ans Rote Meer

Die Afrikanische Staaten haben auf das Problem bereits reagiert: mit Unterstützung der EU soll eine „grüne Mauer“ aus Bäumen und Sträuchern die kontinuierliche Ausbreitung der Wüs­te aufhalten. Der Grünstreifen soll auf 6.000 Kilometer den gesamten Kontinent durchlaufen – von der Westküs­te im Senegal bis nach Dschibuti am Roten Meer. Im vergangenen Jahr ist die „Green Wall“-Initiative mit ersten Pflanzungen angelaufen. Magnus Larsson möchte seinen Vorschlag nicht als Konkurrenz zu der Aktion verstanden wissen, sondern als Ergänzung. „Es ist eine architektonische Antwort auf das Projekt, die über das bloße Pflanzen eines grünen Schutzwalls hinausdenkt.“ Der Sandstein könne nicht nur den Bäumen Halt für ihr Wurzelwerk bieten, sondern den Wüstenbewohnern auch Wohnraum, da sich einfacher Brunnenlöcher graben und Rückhaltebecken für Regenwasser anlegen ließen.

Noch ist die künstliche Dünenlandschaft nur ein Traum. Und selbst Magnus Larsson muss eingestehen, dass die Realisierbarkeit von DUNE durchaus fraglich ist. „Es gibt viele noch offene Details, praktische, politische, ethische und finanzielle,“ weiß Larsson. „Aber es ist ein Anfang, eine Vision, die zumindest eine Diskussion anstoßen soll.“ Die bisherige Resonanz kann ihn vorsichtig optimistisch stimmen.

Weitere Informationen:

Die Webseite des Architekten: www.magnuslarsson.com

Magnus Larsson im Vortrag über seine Idee: www.ted.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014