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Masdar City

Hightech-Stadt in der Wüste

Am Arabischen Golf wird die erste nachhaltige Stadt der Welt gebaut

Hightech-Stadt in der Wüste Hightech-Stadt in der Wüste
Foster + Partners, London

„Ursprung“ oder auch „Quelle“ ist die Bedeutung des arabischen Wortes „masdar“. Was lag also näher, als einer Stadt, die sich anschickt, zu ganz neuen Ufern aufzubrechen, die eine neue Epoche von wirklich nachhaltigem Städtebau einläutet, diesen Namen zu geben? Masdar bringt alle Voraussetzungen mit, zur Modellstadt im Zeitalter des Klimawandels zu werden, die wirklich ernst macht mit der Forderung, die Grundlagen der Stadtgesellschaft tiefgreifend zu verändern.

Utopie wird Wirklichkeit

Masdar ist nicht bloß ein Hirngespinst, eine weitere Utopie, wie wir sie vor allem im 20. Jahrhundert schon allzu oft erlebt – und dann auch wieder vergessen – haben, weil Utopien meist keine reale Gestalt annehmen. An der Stadt wird bereits seit Februar 2008 gebaut: Das Masdar Institute of Science and Technology, nahe dem künftigen Stadtzentrum gelegen, wird die erste Hochschule der Welt sein, die sich ausschließlich dem Thema der Nachhaltigkeit und insbesondere den Erneuerbaren Energien widmen wird.

Ziel: Ökologischer Fußabdruck gleich Null

Doch nicht nur die Universität, sondern die gesamte Stadt, die für rund 50.000 Einwohner ausgelegt ist, soll in Sachen nachhaltiger Stadtentwicklung neue Maßstäbe setzen. Scheich Mohammad bin Zayed Al Nahyan und seine Gefolgsleute träumen schon vom „Silicon Valley der regenerativen Technologien“. Doch gedanklich geht Masdar, 30 Kilometer östlich der Hauptstadt Abu Dhabi, noch einen Schritt weiter: Nicht nur energieautark und komplett CO2-frei will die Stadt sein, sondern dank konsequenter Wiederverwertung von Ressourcen auch (nahezu) abfallfrei. Masdar orientiert sich konsequent an den Prinzipien der WWF One Planet Living Sustainability Standards und strebt an, weltweit die erste Stadt zu werden, die überhaupt keinen „ökologischen Fußabdruck“ hinterlässt.

Vielfalt der beteiligten Akteure

Doch wie soll das funktionieren? Wie kann ein solcher Traum Wirklichkeit werden? Vor allem durch Teamarbeit und durch einen fortlaufenden Optimierungsprozess, an dem einige der besten Köpfe ihres jeweiligen Fachs – allesamt aus dem „alten“ Westen – beteiligt sind. Unter der Federführung des Londoner Architekturbüros Foster + Partners hat sich ein hochkarätiges Team zusammengefunden, an dem auch der Stuttgarter Klima-Engineer Matthias Schuler mit seinem Büro Transsolar Energietechnik beteiligt ist.

Am Anfang: Analyse der Rahmenbedingungen

Grundlage der Planung für Masdar war eine gründliche Analyse sowohl der klimatischen, städtebaulichen und kulturellen Rahmenbedingungen – und des spezifischen Energiebedarfs. „Für Masdar stellen Dubai und Muscat die historisch entwickelten Bezugsstädte dar“, sagt Matthias Schuler: In einem vergleichbaren Klima gebaut, sind die Gebäude durch sehr schmale Straßen getrennt (fast Gehwege), die Schatten spenden und auf diese Weise solare Energieeinträge minimieren. Auch in Masdar waren Prinzipen wie städtische Verdichtung und Verschattung ganz wesentliche Parameter, um in dem feucht-heißen Klima den Energiebedarf gering zu halten – zumal auch die erneuerbaren Energiequellen Sonne, Wind und Geothermie begrenzt sind.

Die Planung

Mit Hilfe von Luftströmungs-, Tageslicht- und Verschattungssimulationen konnte schließlich ein erster städtebaulicher Entwurf entstehen: Demnach wird die Stadt in eine große und eine kleine, jeweils quadratische Fläche aufgeteilt. Die kleinere Fläche sollte zunächst nur mit einem Solarkraftwerk bebaut werden, das in der Aufbauphase die benötigte Energie liefern soll, bis genug Dachflächen zur Bestückung mit Fotovoltaik-Modulen zur Verfügung stehen, mit deren Unterstützung die Stadt dauerhaft energieautark betrieben werden können soll.

Energieverbrauch: - 80 Prozent

Nach einer Änderung des Plans soll das kleinere Quadrat nun aber nicht erst in einer zweiten Phase auch zum Wohnen und Arbeiten genutzt werden – mit der Folge, dass (wegen der Verringerung des Kraftwerks) der Energiebedarf weiter gesenkt werden musste. „Im Vergleich zum heutigen Standard in den Emiraten wird eine Reduzierung des Energiebedarfs um 80 Prozent angestrebt“, sagt Matthias Schuler. Passive Gestaltungsstrategien reduzieren den Primärenergiebedarf bereits um 40 Prozent, für weitere Verbesserungen der Energiebilanz sollen vor allem optimierte Zuliefersysteme Energiebedarfsstrategien sowie der Einsatz Erneuerbarer Energien sorgen.

Neues Energiekonzept

Im Einzelfall sind die Ambitionen aber noch größer. Zum Beispiel beim Stadtzentrum von Masdar, das auf 150.000 Quadratmetern Fläche mehr Energie erzeugen als selbst verbrauchen  – und natürlich kein CO2 ausstoßen – soll.

Einen Wettbewerb für ein entsprechendes Multifunktionsgebäude mit Büros, Läden und Wohnungen gewannen im Mai 2008, kurz nach dem Baubeginn des Masdar Institute, die Chicagoer Architekten Adrian Smith und Gordon Gill. „Ultra Green“ bezeichnen sie ihren mit Photovoltaik-Modulen bestückten Baldachin, der auf elf Glas-Hyperboloiden ruht. In ihrer Form ähneln diese Baukörper den Kühltürmen herkömmlicher Kraftwerke, in Masdar dienen sie zugleich als Luft- und Tageslichtkamine. Der Baldachin, den sie tragen, spendet einer Reihe von Baukörpern mit begrünten Dächern Schatten. Er soll bereits im nächsten Jahr vollendet sein.

Eine Stadt ohne Autos

Um den Anspruch auf CO2-Neutralität erfüllen zu können, bleibt Masdar für konventionelle Autos mit Verbrennungsmotor gesperrt. Mehr als ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Straßen schmaler dimensioniert werden können, mehr Schatten spenden und den Fußgängern gehören. Der öffentliche Raum – mit Plätzen und zwei die Stadt durchziehenden Parkanlagen, die als Frischluftkorridore dem kühlen Nachtwind Einlass gewähren – gewinnt durch die Abwesenheit des Autoverkehrs erheblich an Qualität. Für den innerstädtischen Transport sorgt im übrigen eine Light-Rail-Bahn.

Masdar, die Quelle oder der Ursprung eines neuen Zeitalters nachhaltiger Stadtplanung, droht nicht das Schicksal vieler Utopiestädte. Im Gegenteil: Die Stadt nimmt bereits konkrete Gestalt an.

Der Beitrag „Masdar...“ entstand in Kooperation mit der Fachzeitschrift greenbuilding. Eine Langfassung des Interviews, von der IBA Hamburg GmbH beauftragt, erschien in dem Buch „Metropole: Ressourcen“ im Jovis-Verlag, Berlin.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014