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Smart Home

IT-Branche unter Strom

Auf der Technologiemesse Cebit war neben Cloud Computing der Aufbau von Smart Grids das Top-Thema.

IT-Branche unter Strom IT-Branche unter Strom
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Auf der Technologiemesse Cebit trafen sich Topmanager der Energieversorger sowie der IT- und Telekommunikationsbranche zum ersten Smart Grid Summit und diskutierten über die Potenziale und Geschäftsmöglichkeiten einer intelligenten Energieinfrastruktur. Auch wenn die Marktakteure eher von Kooperation als von Konkurrenz reden, zeigte sich: Die Märkte rund um Smart Grids sind milliardenschwer und heiß umkämpft.

Seit der Einführung des Internets hatten die IT- und Telekommunikationsbranche wohl noch nie so vielversprechende Marktaussichten: Mit den intelligenten Stromnetzen, den Smart Grids, entsteht ein neuer, milliardenschwerer Markt. Glaubt man den Schätzungen der Boston Consulting Group in ihrer Studie „Smart 2020“ kann mit intelligenten Netzen und Lösungen in den nächsten zehn Jahren allein in Deutschland ein Geschäftspotenzial von 84 Milliarden Euro ausgeschöpft werden.

Steve Jobs hat auch nicht auf einen Regulierer gewartet“

Doch so attraktiv wie die Aussichten auch erscheinen – der Markt ist noch nicht in Fahrt gekommen. Schuld daran sei die fehlende Regulierung und Standardisierung, beklagt die Branche unisono. Länder wie Korea, die USA und Japan investierten bereits massiv, erklärt Friedhelm Loh, Organisator des Smart Grid Summit und Präsident des Industrieverbands ZVEI, im Vorfeld. Deutschland könne aufgrund fehlender Standards und Normen bei den Zählern den Anschluss an den internationalen Märkten verlieren. „In Europa hängen wir schon hinten dran“, moniert Dierk Paskert, Vorstandsmitglied beim Energieversorger Eon.

Seit Jahren versäume es die Politik, einheitliche Standards für intelligente Strom- und Gaszähler, die Smart Meter, festzulegen. Man warte zu lange auf die Ergebnisse der insgesamt sechs Pilotprojekte aus dem Programm E-Energy, in dem die Zähler in einem intelligenten Stromnetz bereits in Haushalten getestet werden. Nach Ablauf der Testphasen im Jahr 2012 sollten die Standards für die Ausstattung der Messgeräte sowie Normen für die Datenerfassung feststehen. Doch dies dauere zu lange, wettert Paskert: „Uns läuft die Zeit davon.“

Werner Brinker, Chef des fünftgrößten deutschen Energieversorgers EWE aus Oldenburg, sieht das anders: „Innovative Unternehmen warten nicht auf einen Regulierer – ein Steve Jobs hat das ja auch nicht getan“, scherzt Brinker und gibt zu Bedenken, dass es in Deutschland an Markttreibern fehle.

Smart Meter – großer Bluff oder Sparhilfe im smarten Haus?

Seit 2010 ist der Einbau intelligenter Zähler, der eine Grundvoraussetzung für ein Smart Grid ist, in Neubauten und bei grundlegenden Sanierungen vorgeschrieben. Den Zeitplan gibt die EU vor: Bis 2020 sollen die Zähler flächendeckend in rund 80 Prozent aller Haushalte eingeführt sein.

Mit entsprechenden Steuerungsboxen und Endgeräten kann in einem Smart Home Strom aus Wind und Sonne effizient gesteuert und der Verbrauch an das Angebot der Erneuerbaren angepasst werden. So könnte sich beispielsweise bei einem Überschuss an Windenergie die Waschmaschine einschalten oder das Elektroauto aufgeladen werden.

Ob sich der Smart Meter für alle Verbraucher rentiert, wird noch immer kritisch diskutiert. Energieversorger sowie Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche wünschen sich natürlich eine flächendeckende Einführung der smarten Zähler. Mit diesem sogenannten Rollout sind Milliardenumsätze zu machen. Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, warnte unlängst im Interview mit ENERGLOBE.DE vor einer Zwangsbeglückung der Verbraucher. Die Ausgaben für den Zähler seien höher als die jährliche Ersparnis. Die größte Hebelwirkung sei eher in der Industrie, als bei privaten Verbrauchern zu erzielen, stimmt Harald Schrimpf, Vorstandsmitglied des Softwareentwicklers Psi, zu.

Was passiert, wenn die Cloud Daten klaut?

Auch die Frage nach dem Datenschutz für die Verbraucher ist noch ungeklärt. Eine bidirektionale Ausstattung der Smart Meter sei besonders wichtig, betonte Richard Hausmann, Leiter der Abteilung Smart Grid Anwendungen bei Siemens: „Man sollte Daten nicht nur ablesen, sondern auch an Erzeuger und andere Endgeräte zurückschicken können.“ Datenschützer bemängeln indes, dass viele persönliche Informationen über die Verbraucher im Umlauf seien, die es zu schützen gelte.

EWE-Chef Brinker findet die Datenschutzdiskussion zu negativ. „Dass die Deutschen morgens einen Kaffee kochen und dann Strom verbrauchen, das wissen wir doch schon längst.“ Natürlich müsse man mit den sensiblen Daten vorsichtig umgehen, so Brinker. „Haben nicht die Banken schon heute viel mehr Daten über ihre Kunden als Energieversorger je haben werden?", fragt der Unternehmer aus Oldenburg in die Diskussionsrunde.

Letztlich gehe es doch um den Klimaschutz, so Brinker. Und auch der Verbraucher müsse mithelfen, Kohlendioxid einzusparen. „Die neuen Versorgungssysteme müssen so aufgebaut sein, dass der Verbraucher wirtschaftliche Vorteile hat und aktiv an den Energiemärkten teilnehmen kann“, skizziert Brinker seine Vorstellungen. Die Aufgabe der Energieversorger müsse dabei sein, Akzeptanz für die neue Technik zu schaffen und mit Informationen für mehr Transparenz zu sorgen.

IT- und TK-Branche steigt ins Energiegeschäft ein

Die Gesprächsrunde der Smart-Grid-Experten auf der Cebit macht klar, dass sich die Energiebranche fundamental wandelt und damit auch die Zuständigkeiten in der Versorgung. Vorstandsmitglied Reinhard Clemens erklärte noch im August 2010 den Zukunftsmarkt Energie zu einem wichtigen Teil der Unternehmensstrategie.

Nur kurze Zeit später, ruderte Telekomchef René Obermann zurück und versicherte, der Konzern wolle keinen Strom verkaufen, sondern lediglich mit Energieversorgern kooperieren. Bei dieser Sprachregelung bleibt auch Gabriele Riedmann de Trinidad, verantwortlich für das Konzerngeschäftsfeld Energie bei der Deutschen Telekom. „Unsere Kernkompetenz ist die Verarbeitung von Messdaten“, beteuert die Managerin auf der Cebit. Diese Aussage erscheint in Zeiten, in denen sogar Kaffeeröster wie Tchibo Strom verkaufen, für einige der anwesenden Diskussionsteilnehmer nicht sehr glaubwürdig.

Ich bin sicher, dass die Telekom ins Stromgeschäft einsteigen wird“, prophezeit EWE-Chef Brinker, der bereits vor Jahren eine eigene IT-Gesellschaft gründete, um sich als Energieversorger besser auf dem neuen Markt zu positionieren. Die Telekom könne gar nicht anders, so seine Einschätzung. Man werde bald schon im Wettbewerb stehen.

Weitere Informationen:

Studie von A.T. Kearney: „Smart Metering - 'Missing Link' für den Umbau der Energiewirtschaft?, zum Download auf www.atkearney.at

Artikel aus der ZEIT „Alles hängt am gleichen Stromnetz vom 4. März 2011: www.zeit.de

Informationen zur Studie von Accenture „Smart Grid und Smart Meter mit Ergebnissen über die Sicht der Energieverbraucher auf www.accenture.com

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014