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Serie: Expo 2010

Öko-Architektur für China

Auf der Expo in Shanghai präsentiert der Architekt Bill Dunster sein emissionsfreies Haus.

Öko-Architektur für China Öko-Architektur für China
Morley von Sternberg

Das Wohnprojekt BedZED in Beddington bei London gehört zu den erfolgreichsten Siedlungen für nachhaltiges Wohnen in Großbritannien. Mit dem ZedPavillon auf der Expo in Shanghai präsentiert der Architekt Bill Dunster sein einmaliges Bausystem für Einfamilienhäuser in der Stadt: Das Passivhaus verursacht dank Nutzung Erneuerbarer Energien und ausgeklügelter Bauprinzipien fast keine Emissionen. energlobe.de hat sich das Gebäude genau angesehen und den Architekten interviewt.

Seit über einem Jahrzehnt entwickeln Sie ganzheitliche Konzepte für nachhaltiges Leben und Wohnen. Heute, da grüne Architektur und Ressourcen schonendes Bauen nicht nur notwendig, sondern auch schick sind, müsste es leichter für Sie sein, mit Ihrer Bau-Philosophie zu überzeugen.

Bill Dunster: Viele unserer Ideen von damals sind mittlerweile tatsächlich Mainstream geworden. Modellprojekte wie BedZED haben die englische Regierung überzeugt, umweltschonende Normen gesetzlich festzuschreiben. Das britische System zur Standardisierung nachhaltiger Wohngebäude von Level 1 bis Level 6 schreibt eine Bauweise ohne den Ausstoß von Kohlendioxid vor. Und schafft ein Spielfeld für Menschen wie uns. Da uns die großen Landesbanken aber zu hohe Baukosten vorwerfen, sind wir leider nicht die Ersten, an die sie ihre Aufträge vergeben.

Seit den 1990er Jahren bauen Sie energieeffiziente Gebäude. Haben sich Ihre Baumethoden im Laufe der Jahre verändert?

Dunster: Die Bauprinzipien sind die gleichen geblieben: Wir entwerfen hochgedämmte, luftdichte und sonnige Räume mit passiver Wärmerückgewinnung und großen Fensterflächen. Das Energiekonzept der Gebäude ist auf Lage, Größe und Bevölkerungsdichte abgestimmt. Wir werden immer die Sonnen- und Windenergie in unserem Design nutzen – zur Klimatisierung und Energiegewinnung. Für unsere Passivhäuser investieren wir mehr in Rohstoffe und Baumethoden. Diese Gebäude sollen schließlich ihren Zweck noch viele hundert Jahre erfüllen.

Was wird die Architektur in den kommenden 20 Jahren am meisten beeinflussen?

Dunster: Die größere Verbreitung nachhaltiger Bauweisen wird zunächst einmal zu sinkenden Kosten führen. Das bedeutet, ich muss keine Gebäude mehr entwerfen, die nicht auch in größerem Stil gebaut werden können. Jene Länder, die Reduktionsziele für CO2 gesetzlich festschreiben, werden diese Kostenreduktion zuerst erreichen und damit den globalen Exportmarkt anführen.

Während wir dieses Gespräch führen, sitze ich in einem chinesischen Hotel und schaue auf ein Solarunternehmen, das 2.500 Menschen beschäftigt. Die europäischen Regierungen haben sicherlich die Forschung in diesem Bereich vorangetrieben. Sie haben es aber versäumt, die Produktion so zu erhöhen, dass sie merklich die Kosten senkn und den Markt für fossile Brennstoffe Schritt für Schritt verkleinern kann.

Ihr emissionsfreies Haus erhält auf der Expo eine positive Resonanz und sie haben kürzlich ein Büro in Shanghai. Wollen Sie jetzt den chinesischen Markt erobern?

Wir hoffen tatsächlich, mit dem Bau der ersten Häuser nahe Bejing in den kommenden Monaten beginnen zu können. Dafür haben wir unsere Bauphilosophie an das heiße, trockene Klima angepasst. Wir haben die Luftfilter modifiziert und die Ausrichtung der Häuser nach Süden aufgebrochen. Dank einer genauen Anpassung an die Umgebung erreichen wir die gleichen Effizienz-Effekte wie in Europa.

Ich rechne fest damit, dass China der entscheidende Markt für Innovationen wird. Nicht nur, dass dort in Zukunft viele Öko-Städte gebaut werden, auch in der Produktion und der Rohstoffnachfrage sollen Kohlendioxid-Emissionen eingespart werden. Die Bemühungen hierzu sind in China ganz erstaunlich.

Wir in Großbritannien kommen mir im Vergleich dazu eher wie fette, selbstgefällige Katzen vor. Wir entscheiden uns für eine absurde Zukunft mit Atomenergie, nur weil die politische Lobby so gut aufgestellt ist.

An welchen technischen Innovationen arbeitet Ihr Büro derzeit?

Dunster: Wir entwickeln ein kostengünstiges Bauverfahren aus Zellulose, die aus landwirtschaftlichen Abfällen stammt. Damit können wir weiter im Passivhaus-Standard bauen, jedoch zu viel günstigeren Preisen, als im konventionellen Bau in Großbritannien.

Glauben Sie, dass angesichts knapper Ressourcen, die Gebäude der Zukunft die Fähigkeit besitzen müssen, Energie zu erzeugen?

Dunster: Davon bin ich überzeugt! Regierungen auf der ganzen Welt realisieren, dass unsere Stromerzeugung an ihre Grenzen stößt. Grüne Architektur allein reicht nicht aus, wir brauchen Konzepte für dicht besiedelte, städtische Räume, in denen die Häuser ihre Energie selbst produzieren. Wir arbeiten an Konzepten, in denen 75 Häuser pro Hektar nahezu energieautark betrieben werden können. Im Gebäudebestand und noch dichter besiedelten Räumen sieht es wieder anders aus: Hier rechne ich fest mit einer verstärkten Nutzung von Brennstoffzellen, die mit Biogas betrieben werden.

Weitere Informationen:

In dem Videobeitrag des renommierten Architekturbüros Foster & Partners spricht Bill Dunster über seine aktuellen Bauprojekte in London und China.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014