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Baustandard

Passivhaus-Hauptstadt FFM

In der Main-Metropole hat sich der effiziente Standard durchgesetzt.

Passivhaus-Hauptstadt FFM Passivhaus-Hauptstadt FFM
energlobe.de, Denny Rosenthal

Sie sind in der ganzen Welt zu Hause: Passivhäuser setzen sich international durch. Man findet sie mittlerweile schon im irischen Tramore, im kanadischen Whistler, im japanischen Kamakura oder in der chinesischen Megastadt Shanghai. „Das Passivhaus verbreitet sich derzeit international in rasantem Tempo“, erläutert Wolfgang Feist. Der Bauphysiker leitet das Passivhaus Institut und gilt als „Vater des Passivhauses“. Er schätzt, dass es weltweit bereits über 20.000 Passivhäuser gibt, davon über 13.500 in Deutschland. Hier führt die Stadt Frankfurt die Liste an. Nirgends in Europa gibt es so viele Passivhäuser wie in der Main-Metropole.

Passivhaus-Hauptstadt Frankfurt am Main

1995 wurden in Frankfurt die ersten Passivhäuser gebaut. Dabei handelt es sich um Gebäude, die Raumwärme nicht aktiv durch Heizungen erzeugen, sondern ohnehin vorhandene (Ab-)Wärme passiv nutzen. Mittlerweile besitzt die Stadt 100.000 Quadratmeter Nutzfläche und über 1.000 Wohneinheiten in Passivhaus-Bauweise. Ansporn für dieses Ergebnis ist sowohl der  Klimaschutzgedanke als auch ein wirtschaftliches Argument. „Auf die Lebensdauer des Hauses betrachtet, wiegt die Energieeinsparung die höheren Baukosten schon nach zehn bis fünfzehn Jahren auf“, erklärt Werner Neumann, Leiter des Energiereferats der Stadt. Diese Erfahrung machte die Stadt mit ihrem ersten Passivhaus-Projekt in der Grempstraße im Stadtteil Bockenheim – auch beim Verkauf der Eigentumswohnungen. „Wir haben damals gemerkt: Passivhäuser gehen sprichwörtlich weg wie die warmen Semmeln, wenn man gut baut und dies gut kommuniziert“, blickt Neumann zurück. Das Passivhaus in der Grempstraße wurde fortan zum Vorzeigeprojekt, weitere Projekte folgten. 2007 sprang auch der Funke auf die Politik über. Die damals frisch geschlossene schwarz-grüne  Koalition verankerte die Passivhaus-Bauweise in ihrer Koalitionsvereinbarung und in den städtischen Leitlinien für wirtschaftliches Bauen. Seitdem gilt: Für städtische Neubauten sind nur noch Passivhäuser zugelassen.

Wie eine Thermoskanne

Ein Passivhaus kommt im Jahr mit rund 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche aus. Das ist achtmal weniger als ein herkömmlicher Neubau. Das Geheimnis: Ein Passivhaus ist eine riesige Thermoskanne – eine besonders effektive Dämmung der Wände und Fenster verhindert, dass Wärme verloren geht. Außenwände haben eine 40 Zentimeter starke Dämmschicht, alle Fenster sind dreifach verglast mit wärmegedämmten Profilen. Gleichzeitig gewinnt die sogenannte Komfortlüftung Wärme aus der verbrauchten Luft zurück und gibt sie an die frische Luft im Raum ab.

So ist es möglich, dass die ohnehin vorhandenen Wärmequellen den Wohnraum heizen. Ob das einfallende Sonnenlicht, der eigene Körper oder der Sonntagskuchen im Ofen: 80 Prozent der fühlbaren Raumwärme resultieren aus dieser Form der Wärmeabstrahlung. Nur an ganz kalten Wintertagen ist eine zusätzliche Heizung notwendig.

Höhere Baukosten amortisieren sich

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Gebäude sind die Baukosten allerdings höher. Bei einem Reihenmittelhaus mit 100 Quadratmetern Wohnfläche in Hannover-Kronsberg lagen die Mehrkosten bei rund 7.500 Euro, bei einer Doppelhaushälfte in Nürnberg mit 130 Quadratmetern bei ca. 13.000 Euro. Dem stehen jährliche Energieeinsparungen zwischen 500 und 1.000 Euro gegenüber, die langfristig dazu führen, dass sich die höheren Baukosten amortisieren.

Lokaler Akteur: Wohnungsbaugesellschaft

Auch deshalb setzt Frankfurt weiter auf Passivhäuser. In den nächsten Jahren sollen 60 städtische Projekte dazu kommen, geplant sind insgesamt 3.000 Wohneinheiten. Hier kommt die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding ins Spiel. Sie ist mit insgesamt 800 Miet- und Eigentumswohnungen europaweit der größte Bauträger von Passivhäusern. Die hundertprozentige Tochergesellschaft der Stadt hat sich dazu verpflichtet, alle Neubauten im Passivhausstandard zu errichten. Darüber hinaus modernisiert sie auch immer mehr Bestandsgebäude nach diesem Standard. Referatsleiter Neumann blickt daher erwartungsvoll in die Zukunft: „In Frankfurt gibt es in Sachen Passivhaus kein Halten mehr.“

Weitere Informationen:

Passivhaus - Fragen und Antworten des Energiereferats Frankfurt: www.frankfurt.de

Kostenaufstellung zum Passivhaus des Energiereferats der Stadt Frankfurt:
www.frankfurt.de

Das Passivhaus Institut in Darmstadt: www.passiv.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014