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Serie: Expo 2010

Pavillons aus Papier und Plastik

Auf der Weltausstellung in Shanghai zeigen viele Länder wie man nachhaltige Gebäude bauen kann.

Pavillons aus Papier und Plastik Pavillons aus Papier und Plastik
energlobe.de, Maud Radtke

Da die meisten Gebäude auf der Expo in Shanghai nur für die Dauer der Ausstellung erbaut und danach wieder abgerissen werden, formulierte die chinesische Zentralregierung eine Reihe von Bestimmungen für einen nachhaltigen Umgang mit Baumaterialien und Energiequellen. Die Architekten sollten versuchen, den Energiebedarf der Pavillons so gering wie möglich zu halten. Bestenfalls sollten auch die Baustoffe einen geringen CO2-Austoß aufweisen und nach der Expo einfach zu demontieren sein, damit sie einem neuen Verwendungszweck zugeführt werden können.

Solaranlagen, kleine Windräder und begrünte Dächer sieht man deshalb auf dem Gelände der Weltausstellung in Shanghai an vielen Stellen. Andere nachhaltige Elemente offenbaren sich erst auf den zweiten Blick.

Die Fassade erweist sich in vielen Länderpavillons als das Herzstück für eine umweltschonende Bauweise. Der finnische Pavillon etwa wurde mit 25.000 Schindeln aus Papier und Plastik verkleidet. UPM Profi heißt das umweltfreundliche Holz-Kunststoff-Verbundmaterial, das eigens für den Pavillon entwickelt wurde. Es besteht zum Großteil aus recyceltem Papier und Abfällen, die als Verschnitt und Überschuß bei der Produktion von Etiketten anfallen. „Allein für den Bau des Pavillons konnten 20 Tonnen Etikettenabfälle eine neue Verwendung finden, die sonst verbrannt oder auf Deponien entsorgt werden“, erklärt Architekt Teemu Kurkela vom Büro JKMM. Das Verbundmaterial sei außerdem so aufbereitet worden, dass es wasserabweisende Eigenschaften hat und der Regen Ablagerungen einfach abwaschen könne, so Kurkela.

Fassade aus CD-Hüllen

Dass man auch mit CD-Hüllen bauen kann, zeigen die Designer des Shanghai Case Pavillons. Sie entwickelten eine Methode, bei der aus recycelten CD-Hüllen kleine Plastikrohre gegossen werden. Diese ummanteln angeordnet in einer mehrschichtigen Netzstruktur den gesamten Baukörper. Da in die kleinen Röhren farbige LED'S eingebaut sind, ermöglichen sie eine mediale Anwendung auf der Fassade. In den Abendstunden entfaltet diese ihre ganze Pracht: Dann wandern Bilder seltener Schmetterlinge und Phantasiewelten über die Außenhaut des Baus.

Weniger schillernd und dennoch farbenfroh ist der spanische Entwurf für eine natürliche Fassadengestaltung. Architekt Igor Peraza ließ über 8.500 Paneele aus geflochtenen Weiden um das gesamte Stahlgerüst anbringen, was dem Pavillon den Spitznamen „spanisches Körbchen“ einbrachte. Die Weidenschilder stammen aus der nordchinesischen Provinz Shandong, in der das Weidenflechten eine lange Tradition hat. Sie schützen den Glasbau vor direkter Sonneneinstrahlung und helfen so bei der Klimatisierung. Je nach Sonneneinstrahlung, verändert sich auch das Schattenspiel im Gebäudeinneren. In Spaniens Pavillon, dessen Interieur ausschließlich mit Bambusböden und -möbeln ausgestattet ist, sind die natürlichen Baumaterialien nicht nur sicht- und fühlbar – es duftet auch nach Natur.

Italien Stadtentwickler setzen auf moderne Rezepturen

Ein Besuchermagnet auf der Expo ist der Pavillon Italiens. Der Entwurf von Giampaolo Imbrighi integriert lichtdurchlässigen Zement und reduziert so den Bedarf an zusätzlichen Lichtquellen. Das Geheimnis liegt dabei in der Mischung: In den Zement werden Kunstharze eingebunden, die den optischen Transport von Licht ermöglichen ohne seine statischen oder dämmenden Eigenschaften zu beeinträchtigen. Die Wirkung entfaltet sich sowohl bei Tageslicht als auch bei künstlicher Beleuchtung. So gelangt Licht tagsüber in den Pavillon und nachts auch nach außen. Die Harze sind in der Lage die Neigungswinkel des einfallenden Lichts effektiver zu nutzen als beispielsweise Glasfasern. „Das macht die Produktion kostengünstiger“, erklärt der Sprecher des Pavillons Francesco Paravati. „Außerdem kann der Zement vor Ort gegossen werden, dies erleichtert die Anwendung bei Großprojekten enorm.“

Italien präsentiert auf der Weltausstellung eine weitere Innovation – selbstreinigende Fliesen. Bei der Herstellung der Kacheln wird Titanoxid in die Keramik eingebrannt. Dieses setzt, ähnlich wie bei der Photosynthese, einen chemischen Prozess mit Hilfe von Luft und Licht in Gang. So werden Auto- und Industrieabgase, Pilze und Algen, allein durch natürliche Witterung zersetzt. Der Regen wäscht alle Verunreinigungen einfach ab. Ganz neu ist die Idee mit veredelten Fliesen nicht: Bereits vor zehn Jahren hat das deutsche Unternehmen Agrob Buchtal seine Hydrotect-Technologie auf den Markt gebracht, welche ebenfalls reinigende Fähigkeiten aufweist. Laut Studien des Konzerns säubert eine Fassadenfläche von rund 1.000 Quadratmetern die Luft so wirksam wie 70 Laubbäume.

Weitere Informationen:

Bilder des finnischen Pavillons Kirnu sowie Informationen zum innovativen Verbundstoff: www.finlandatexpo2010.fi

Einen aufschlussreichen Film über die Hydrotect-Technologie: www.deutsche-steinzeug.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014