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Bunte Baukörper

UBA setzt Maßstäbe

Angesichts steigender Energiepreise wächst das Interesse an nachhaltigem, energiesparendem Bauen.

UBA setzt Maßstäbe UBA setzt Maßstäbe
Sauerbruch Hutton

Wie eine Schlange windet sich das Gebäude auf einem Gelände, dass einst eine Wiege der Industrialisierung war. 1855 begann hier die erste industrielle Gasproduktion Deutschlands. Einige Jahrzehnte später siedelte Hugo Junkers auf dem Areal in der Nähe des Wörlitzer Bahnhofes Fabriken für die Produktion von Gasthermen an.

Wo einst Lampen und Gasöfen gebaut wurden, residiert seit fünf Jahren das Umweltbundesamt, das UBA. „Der Standort war eine große Herausforderung“, erinnert sich Matthias Sauerbruch vom Berliner Architektenbüro Sauerbruch Hutton. Die Aufgabe bestand darin, einen kontaminierten Ort unter dem Gesichtspunkt des nachhaltigen Städtebaus zu rekultivieren. Aus einer durch die frühe Industrialisierung gezeichneten Brache sollte laut Auftraggeber eine ökologisch vorbildliche „Umweltstadt entstehen“.

Grüne Baukunst in Dessau

Die Tatsache, dass die Umweltbehörde ihren Sitz in Dessau hat, könnte nicht programmatischer sein: In dieser Stadt erschuf Walter Gropius 1926 als Mitbegründer der modernen Architektur das weltberühmte Bauhaus. Nun wurde ein weiteres Musterbeispiel zeitgemäßer Baukunst errichtet, genauer gesagt: ein Musterbeispiel für die Umsetzung nachhaltiger Bauprinzipien an einem Verwaltungsgebäude.

Dass bei einem Bauvorhaben für Deutschlands zentrale Umweltbehörde ökologische Kriterien eine entscheidende Rolle spielen, versteht sich von selbst. Nicht nur das fertige Gebäude muss streng definierten Umweltstandards Rechnung tragen – sondern die gesamte Ökobilanz inklusive Herstellung und Verarbeitung der Materialien, ihre Umweltverträglichkeit, Emissionen und Reinigungskosten.

Deshalb integrierten die Architekten auch die Bestandsbauten des Wörlitzer Bahnhofs und eine alte Gasgerätefabrik teilweise in den Komplex. Beim Neubau auf dem Gelände des umgestalteten Areals, einem viergeschossigen Bürotrakt mit Atrium und Forum, verfolgten sie ebenfalls ein umfangreiches Energiekonzept: Den kontaminierten Boden sanierten sie zunächst aufwendig; den dadurch gewonnenen Raum in drei Metern Tiefe nutzten sie für den Einbau eines großen Erdwärmetauschers. Dieser trägt maßgeblich zur Verringerung des Energiebedarfs bei.

Die Außenluft der Anlage wird durch den Erdwärmetauscher geleitet, dann vortemperiert ins Innere des Baus zurückgeführt: im Winter wird die Luft erwärmt, im Sommer gekühlt. Aus der Innenraumluft werden durch Wärmerückgewinnung 80 Prozent der Energie zurückgewonnen. „Anders als in Passivhäusern, die in der Regel vollautomatisch gelüftet werden, kann bei uns die verbrauchte Luft auch durchs offene Fenster abziehen“ erläutert Gerd Schablitzki, Leiter des UBA-Referats Bau und Technik.

Geringer Energiebedarf

Mit einem primärenergetischen Heizenergie-Verbrauch von knapp 38 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Nettogeschossfläche liegt der Energiebedarf des UBA-Gebäudes zwischen dem eines Niedrigenergie- und Passivhauses. Es wurde im vergangenen Jahr weit umweltschonender beheizt, als für ein Verwaltungsgebäude nach der Energieeinsparverordnung von 2009 nötig. Der Vergleichswert für Verwaltungsgebäude liegt bei 59,5 Kilowattstunden, das fünf Jahre alte UBA-Haus verbraucht nur etwas mehr als die Hälfte dieses Wertes. Der restliche Bedarf wird durch Fernwärme gedeckt.

Der Stromverbrauch liegt ebenso unter den gesetzlichen Maßgaben. Über acht Prozent des Stroms werden aus erneuerbaren Energien, beispielsweise aus der Photovoltaikanlage gewonnen, die sich auf den ansonsten begrünten Flachdächern befindet. Eine intelligent gesteuerte Lichtanlage reduziert den Verbrauch der Behörde mit ihren fast 800 Mitarbeitern. Für seinen Neubau hat das Umweltbundesamt 2009 das Deutsche Gütesiegel für nachhaltiges Bauen in Gold erhalten, das vom Bundesbauministerium und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen vergeben wird.

Neben ihren wegweisenden Energie- und Umweltkonzepten bestehen die Bauten von Sauerbruch Hutton durch fließende Formen und die meist farbenfroh gestalteten Fassaden. Ob beim Museum Brandhorst in München oder den Cologne Oval Offices – die Farbgebung ist von Anfang an integraler Bestandteil der Entwürfe: „Die Farbe ist für uns ein Werkstoff, der dem Gebäude in seinen unterschiedlichen urbanen und räumlichen Situationen eine besondere Identität gibt“ erläutert Louise Hutton.

Grüne Pioniere: Sauerbruch Hutton

So verwundert es nicht, dass die Architekten insbesondere Großprojekte realisieren. Bereits 1999 bauten Sauerbruch Hutton mit dem Neu- und Erweiterungsbau für die Hauptverwaltung der Wohnungsbaugesellschaft GSW in Berlin das erste ökologische Hochhaus. Seitdem gilt das Architektenbüro als Vorreiter beim energiesparenden Bauen. In Planung befindet sich derzeit die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Das Gebäude soll zur Eröffnung der Internationalen Bauausstellung im Frühjahr 2013 fertiggestellt sein.

In München entsteht ein 16-geschossiger und 82 Meter hoher dreieckiger Büroturm mit gelber Fassadengestaltung – die neue ADAC-Zentrale ist so in einem weiten Umkreis sichtbar. Und in Frankfurt ist die Erweiterung des Hauptsitzes für die KfW-Bankengruppe fast abgeschlossen: Das 15-geschossige Gebäude wird eines der ersten Bürohochhäuser weltweit sein, das für seinen Betrieb weniger als 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr benötigt.

Denkt man allein an das erforderliche Baustoffvolumen sowie die laufenden Betriebskosten für derlei Großprojekte, wird schnell klar, welches enorme Potenzial in der Energieeinsparung und einem nachhaltigen Ressourcenverbrauch steckt. Und welche sozialen Aufgaben architektonisches Schaffen in Zeiten knapper Ressourcen mit sich bringt.

Auch für Walter Gropius war Architektur mit sozialer Verantwortung verbunden. Eine der Leitideen des Bauhaus war, dass die Architektur technische Möglichkeiten optimal nutzen und auf aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse eingehen soll. So gesehen, hätte das UBA-Haus in Dessau vielleicht auch dem Bauhaus-Pionier Gropius gut gefallen.

Weitere Informationen:

Nachhaltiges Bauen bei Sauerbruch Hutton: www.sauerbruchhutton.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014