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Architektur

Viel Wind um einen Wolkenkratzer

Das höchste Gebäude in London gleicht einem Rasierer. Windturbinen auf dem Dach erzeugen Strom.

Viel Wind um einen Wolkenkratzer Viel Wind um einen Wolkenkratzer
Yui Law

Das Bundeskanzleramt ist Berlinern auch als Waschmaschine bekannt, der Fernsehturm in Hamburg ging als Tele-Michel in den Volksmund ein: Wenn Gebäude Spitznamen bekommen, sind sie bei den Menschen entweder beliebt oder Quelle für Spott und Hohn. Ersteres freut die ausführenden Architekten zwar mehr, doch Aufmerksamkeit ist den Gebäuden in beiden Fällen sicher.

In letzter Zeit sorgt bei den Londonern „der Rasierer“ für reichlich Gesprächsstoff. Tatsächlich sieht das Wohnhochhaus am bekannten Verkehrsknotenpunkt Elephant & Castle wie ein elektrischer Bartschneider aus. Elliptisch geformt und ausgestattet mit drei Windturbinen ragt das derzeit höchste Gebäude der englischen Hauptstadt in den Himmel.

Der Strata Tower SE1, so der offizielle Name des 147 Meter hohen Baus, beherbergt auf 43 Stockwerken über 400 Luxuswohnungen. „Er ist ein Meilenstein im effizienten Gebäudebau“, erklärte Ian Bogle mit stolzer Stimme bei der Eröffnung im Juni. Der Chef des kanadischen Architektenbüros Brookfield Europe BFLS hat sich mit seinem Team ganz dem nachhaltigen Bauen und dem Einsatz Erneuerbarer Energien verschrieben.

So betonen die Architekten von BFLS, ihr Bau sei das weltweite erste Hochhaus mit gebäudeintegrierten Windturbinen. Dabei produziert auch das Bahrain World Trade Center in Manama seit 2008 Strom aus Windenergie. Dessen Windräder befinden sich zwar nicht direkt im Gebäude, sondern rotieren in einem Verbindungsbau zwischen den beiden Teilen des Gebäudes, sie kommen jedoch auf eine beachtliche Stromerzeugung von 1,2 Gigawattstunden pro Jahr.

Stromerzeugung in luftiger Höhe

Beim Strata Tower SE1 gehen die Betreiber von einer Gesamtleistung von 50 Kilowattstunden pro Jahr aus. Die Windräder mit neun Metern Durchmesser auf dem Dach des Hochhauses sollen jeweils 19 Kilowattstunden Strom erzeugen können. Dies macht acht Prozent des jährlichen Strombedarfs aus. Anders gerechnet: Mit dem Strom könnten 30 Zwei-Zimmer-Wohnungen ein Jahr lang versorgt werden; die Betreiber gehen von einer Gesamtleistung von 50 Kilowattstunden pro Jahr aus. „Optimale Bedingungen herrschen bei einer Windstärke von acht bis 16 Metern pro Sekunde aus südlicher Richtung“, rechnet BFLS-Chef Bogle vor.

Wieviel Energie die Turbinen tatsächlich produzieren, ist noch unklar. Zuerst wolle man zwei Jahre lang Daten sammeln und sich dann zum energetischen Output äußern, so Bogle. Bereits eingehend untersucht haben die Hochhausarchitekten im Vorfeld hingegen die Effizienz verschiedener alternativer Ressourcen für die Energieversorgung des Strata SE1: „Die Stromerzeugung über die Windräder erschien uns nach zahlreichen Berechnungen die effizienteste Methode.“ Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen hätten in Anbetracht der Form und Höhe des Turms schlechter abgeschnitten.

Doch die imposanten Windräder sind nicht die einzigen grünen Merkmale des Wolkenkratzers: das Hochhaus, in das 1.000 Bewohner einziehen werden, punktet mit Wärmerückgewinnung im gesamten Gebäude, energiesparender Beleuchtung, Kraft-Wärme-Kopplung mit Biomasse und der Wiederaufbereitung von Regenwasser für sanitäre Anlagen. Die Doppelfassade ermöglicht ein ausgeklügeltes Lüftungssystem und 96 Prozent der Abfälle, die während der Bauphase anfielen, konnten recycelt werden.

Nachhaltigkeit wird Mainstream“

Der imposante Bau soll ein Signal setzen – in einer Gegend, die lange als herunter gekommen galt. Leider handelt es sich um teure Luxuswohnungen, die für die meisten Bewohner des Stadtviertels unerschwinglich sind. Dennoch will die Stadtverwaltung knapp zwei Milliarden Euro für den Umbau des Viertels im Süden Londons investieren.

Auf die Frage, ob sich in den Skylines zukünftiger Städte viele Windräder drehen werden, antwortet der Architekt verhalten: „Möglich wäre es schon. Doch können wir es ohne wagemutige Projekte wie den Strata Tower überhaupt herausfinden?“

Sicher ist, die schwindelfreien Architekten von BFLS wollen noch mehr ressourcenschonende Häuser bauen. Wenn diese aufgrund ihrer umweltschonenden Eigenschaften neue Rekorde aufstellen, sei ihnen dies auch recht, macht Bogle klar: „Nachhaltigkeit ist sowieso schon Mainstream.“

Weitere Informationen:

Der Strata Tower SE1 im Internet: www.stratalondon.com

Mehr umweltschonende Projekte des Architektenbüros BFLS: www.bfls-london.com.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014