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Datensicherheit

Wie smart der Bürger sein will

Verbraucherschützer sehen Risiken beim Smart Meter

Wie smart der Bürger sein will Wie smart der Bürger sein will
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Ärmel hochkrempeln. Weitermachen. Wir schaffen das.“ Die Worte des Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) bei der Eröffnung des E-Energy-Kongresses in Berlin sollten die rund 300 Vertreter aus Politik und Wirtschaft vermutlich aufmuntern. Letztlich klangen sie eher nach einer Arbeitsansage und machten deutlich, dass es beim Umbau der Energieversorgung in Deutschland noch viele Hürden zu überwinden gibt. Neben den Herausforderungen, die der Aufbau eines intelligenten Stromnetzes mit sich bringt, diskutierte die Branche auf dem Kongress auch über den Datenschutz für Smart Meter.

Eine wesentliche Komponente in der neuen Energiearchitektur auf Verbraucherseite sind die Smart Meter, intelligente Zähler, die den aktuellen Stromverbrauch darstellen, den günstigsten Tarif wählen und mithilfe von Steuerungsboxen zukünftig auch intelligente Haushaltsgeräte dirigieren sollen. Doch will der Verbraucher dies überhaupt?

Seit nunmehr einem Jahr ist der Einbau intelligenter Zähler in Neubauten und bei größeren Sanierungen Pflicht. All die smarten Geräte sollen das Stromsparen erleichtern und helfen, die schwankende Energie aus Wind und Sonne effizienter zu nutzen. Und sie sind ein Riesenmarkt für Energieversorger, die IT-Branche und Gerätehersteller. Datenschützer warnen schon lange vor den Risiken, Verbraucherdaten an Energieversorger oder andere Schaltstellen des künftigen Stromnetzes zu übermitteln. Denn die Messgeräte sammeln und übertragen die Verbrauchswerte für Gas und Strom und ermöglichen so einen Einblick in die Privatsphäre der Kunden. Die Sicherheitsexperten sehen hier einen Eingriff in das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung und die informationelle Selbstbestimmung.

Verbraucher sind interessiert, aber skeptisch

Wirtschaftsminister Brüderle fordert daher ein „Schutzprofil für Bürger“. Die Skepsis in weiten Teilen der Bevölkerung ist groß, dies belegen Studien aus den Jahren 2009 und 2010. So kommt auch die Erhebung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) aus dem vergangenen Jahr mit über 1.000 Befragten zu dem Schluss, dass sich die meisten zwar für die innovativen Zähler interessieren, aber: „Nur jeder Zweite weiß überhaupt, was mit einem Smart Meter gemeint ist“, sagt Holger Krawinkel, Leiter der Abteilung Bauen, Energie, Umwelt beim vzbv. Dieses Informationsdefizit will Wirtschaftsminister Brüderle mit einer Kampagne ausgleichen und so für mehr Akzeptanz werben – auch für den Netzausbau, wie er exklusiv im Videointerview auf ENERGLOBE.DE erklärt.

Spionage aus der Steckdose?

Energieexperte Krawinkel bezweifelt, dass dies helfen könnte – denn von den Zählern könnten nicht alle Verbraucher gleichermaßen profitieren. „In einem Rentner- oder Singlehaushalt bringen die intelligenten Zähler nicht viel.“ Viel wichtiger sei es, Hausbesitzer mit elektrischen Wärmepumpen sowie Haushalte, die mit einer Photovoltaikanlage oder Kraft-Wärme-Kopplung selbst Strom erzeugen, gezielt anzusprechen, um ihnen den Einbau eines Smart Meters schmackhaft zu machen.

Darüber hinaus gelte es, die offenen Sicherheitsfragen zu lösen: „Die Menschen wollen sicher sein, dass nicht Hacker ihre Gefriertruhen auftauen oder sie von Einbrecherbanden ausspioniert werden“, schildert Krawinkel die Bedenken. Es gebe zwar das Datenschutzgesetz, doch auch im Energiewirtschaftsgesetz müsse ganz spezifisch aufgeschrieben werden, wie der Datenschutz bei Smart Metern zur Geltung kommen müsse.

Zwangsbeglückung durch die Zählerindustrie?

„In den meisten Haushalten wäre ein Smart Meter nicht mehr als ein Spielzeug, das nach drei Monaten weggelegt wird – so ähnlich wie eine Playstation“, prophezeit der Verbraucherschützer. Man müsse nun aufpassen, dass sich die Zählerindustrie nicht durchsetze und eine Zwangsbeglückung vornehme. Wenn das Thema in der Öffentlichkeit erst einmal diskreditiert sei, könne es schwierig werden, jene Kunden zu erreichen, die tatsächlich ökonomische Vorteile haben.

Weitere Informationen:

Die Studie der Forsa im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen „Erfolgsfaktoren von Smart Metering aus Verbrauchersicht“, April 2010: www.vzbv.de.

Ergebnisse der Konferenz „Datenschutz bei der digitalen Messung und Steuerung des Energieverbrauchs“ der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder: www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014