Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Megacities

Zentren der Zukunft

Die UN prognostiziert: Riesenstädte wachsen weiter. Eine Mammutaufgabe für Stadtplaner.

Zentren der Zukunft Zentren der Zukunft
energlobe.de, Maud Radtke

Das Motto der diesjährigen Expo in Shanghai könnte für internationale Stadtplaner nicht programmatischer sein: „Better city, better life“ lautet der Leitspruch der größten Weltausstellung aller Zeiten. Bis Ende Oktober präsentieren 193 Staaten, 49 internationale Organisationen und Industrieverbände in ihren Pavillons Vorschläge für ein besseres Leben in den urbanen Zentren des 21. Jahrhunderts.

Handlungsbedarf besteht: Laut Prognosen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2030 bereits 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Im Jahr 2050, so schätzt die UN, werden dies mehr als sechs Milliarden Menschen sein. Besonders in den asiatischen Ländern wird das rasante Bevölkerungswachstum zur Bildung neuer Megacities führen.

Riesenstädte für eine wachsende Weltbevölkerung

Erstmals in der Geschichte der Menschheit leben heute mehr Menschen in städtischen Siedlungen als in ländlichen. Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach im Jahr 2000 vom Beginn des "Jahrtausends der Städte".

Obwohl Städte gerade einmal zwei Prozent der Erdoberfläche einnehmen, werden sie bald der Lebensmittelpunkt für drei Viertel der Weltbevölkerung sein. Es werden sich immer mehr Megacities bilden, also Städte, in denen mehr als zehn Millionen Menschen wohnen und arbeiten. Weltweit gibt es mittlerweile 24 solcher Riesenstädte wie beispielsweise Tokio, Delhi oder Sao Paulo.

Weil die bereits existierenden Megastädte noch weiter anwachsen werden, verschärft sich die Groß-Urbanisierung. Bis zum Jahr 2050 werden laut UN-Prognosen 20 Megacities – zumeist in China und Indien – über 20 Millionen Einwohner zählen.

"Historisch ohne Beispiel"

„Diese Umschichtung und Verdichtung der Menschheit ist historisch ohne Beispiel“, bestätigt auch Dirk Heinrichs vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Heinrichs koordiniert die Forschungsinitiative „Megacities: Risks and Vulnerability“ sowie das Projekt „Nachhaltige Stadtentwicklung in Megastädten“ am UFZ.

Doch neben dem Bevölkerungswachstum sind die mega-urbanen Ballungsräumen mit vielen weiteren Problemen konfrontiert, so Heinrichs: mit hohem Verkehrsaufkommen und Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Wohnungsmangel, Armut und sozialer Ungerechtigkeit.

Dabei sind die Megastädte der Zukunft nicht nur von komplexen Anforderungen betroffen, sie sind auch Verursacher von Problemen wie dem Klimawandel. „Bei einem Verbrauch von 75 Prozent des weltweiten Energiebedarfs stoßen sie gleichzeitig 80 Prozent der Treibhausgase aus“, bilanziert Heinrichs.

Megacities: Zentren für globale Nachhaltigkeit?

Die Knotenpunkte globaler, wirtschaftlicher und sozialer Verflechtungen stehen vor komplexen Herausforderungen. „Sie könnten aber auch Chancen für eine globale Nachhaltigkeit eröffnen“, erklärt Stefan Lechtenböhmer vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Der stellvertretende Leiter der Forschungsgruppe „Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen“ spricht gar von einem „Megatrend der nachhaltigen Stadtentwicklung“.

Wie riesige Metropolen mit steigendem Energiebedarf, Kapazitätsengpässen und einer mangelnden Infrastruktur umgehen, lässt sich bereits heute in lateinamerikanischen Megacities untersuchen: „Sie haben schon jetzt die Probleme, die viele Megastädte in Asien und Afrika in Zukunft erwarten“, prognostiziert Heinrichs.

Santiago de Chile als Vorbild

Der Wissenschaftler leitet das Großprojekt „Risikolebensraum Megacity“ unter anderem in Santiago de Chile. Dabei ist die chilenische Hauptstadt mit fünf Millionen Einwohnern im Stadtgebiet und acht Millionen Einwohnern im Ballungsraum eigentlich noch keine Megastadt. Entscheidend seien die infrastrukturellen Gegebenheiten: „Die Analyse der Flächennutzung, die Versorgung mit Wasser und Energie, Abfall- und Verkehrsprobleme sowie demographische Voraussetzungen in der Stadt ermöglichen Rückschlüsse auf andere Megastädte“, so der Stadtplaner.

Anhand von Satellitenaufnahmen erforscht er mit seinem Team etwa die rasante Ausdehnung der bebauten Flächen im städtischen Umland. „An den bewaldeten Berghängen oder in Wasserschutzgebieten am Stadtrand entstehen oft luxuriöse Siedlungen oder auch Wohngebiete armer Zuwanderer. Diese sind durch Überflutungen und Erdbeben gefährdet – eine typische Situation auch in vielen anderen Megacities“, erklärt Heinrichs.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Wasserversorgung. Über Stauseen gelangt das Wasser vom Gebirgsfluss Rio Mapocho in die Stadt. „Der Wasserhaushalt wird sich in Zukunft dramatisch ändern“, so der Wissenschaftler. Klimamodelle zeigten schon jetzt, dass die Niederschläge abnehmen und die Temperaturen steigen werden. Daher müsse das Stadtgebiet vor Hochwasser und Erdrutschen schon jetzt mit Grünflächen als Pufferzonen geschützt werden, erläutert Heinrichs.

Die Ergebnisse aus der Fallstudie Santiago de Chile will der Forscher Ende 2010 vorlegen. Für ihn ist aber jetzt schon klar: Der Risikolebensraum Megacity birgt nicht nur Probleme, sondern auch Chancen für die Entwicklung internationaler Allianzen und Partnerschaften.

Weitere Informationen:

Forschungsprogramm "Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung der Megacities von morgen" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:
www.emerging-megacities.de

Forschungsprogramm "Risk Habitat Megacity" des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig:
www.risk-habitat-megacity.ufz.de

Hintergrundpapier des Bundesministeriums für Bildung und Forschung - "Die urbane Wende: Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen"

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014