Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Verhandlungen

Alle Augen auf REDD

Beim UN-Klimaschutzgipfel in Cancún steht Waldschutz im Rahmen des REDD-Mechanismus ganz oben auf der Agenda.

Alle Augen auf REDD Alle Augen auf REDD
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Der diesjährige UN-Klimaschutzgipfel im mexikanischen Cancún soll einzelne Teile für ein umfassendes Klimaabkommen vorbereiten. Waldschutz im Rahmen des REDD-Mechanismus steht dabei ganz oben auf der Tagesordnung.

Auf dem Messegelände in Cancún gibt es neben den rund 20.000 Besuchern viel Beton, Asphalt und Steine. Bäume hingegen sind selten – dabei spielen sie auf dem diesjährigen UN-Klimagipfel eine besonders wichtige Rolle. Weil die Veranstalter für dieses Jahr nicht mit dem großen Durchbruch für ein globales Klimschutzabkommen ab 2012 rechnen, liegt der Fokus auf Einzelthemen wie dem Waldschutz. Ärmere Länder sollen Geld von Industriestaaten erhalten, wenn sie ihre Bäume nicht abholzen. „Es ist richtig, dass diejenigen, die die Wälder als globale grüne Lungen zur Verfügung stellen, dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten“, sagt Klimaökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Jede Sekunde wird eine fußballfeldgroße Fläche abgeholzt

Jedes Jahr werden 13 Millionen Hektar Wald abgeholzt, pro Sekunde verschwindet eine Waldfläche so groß wie ein Fußballfeld. Die Abholzung trägt nach Angaben des UN-Klimasekretariats zu 17 Prozent des antropogenen, also vom Menschen verursachten, Treibhauseffektes bei. Deshalb ist der Erhalt der Bäume so wichtig – vor allem, da es unsicher ist, ob es verbindliche Reduktionsziele für die Zeit nach 2012 geben wird. Die Umweltorganisation Germanwatch fordert eine Halbierung der weltweiten Abholzung bis 2020 und einen kompleten Stopp bis 2030.

Seit 2008 arbeitet die UN an einem Programm zum Erhalt der Wälder. Die Vereinbarung wird von den Unterhändlern „REDD“ genannt: „Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“.

Die Idee besteht seit der Klimakonferenz von Bali im Jahr 2006. Bereits auf dem UN-Klimagipfel zwei Jahre zuvor in Montreal hatten Papua Neuguinea und Costa Rica auf die Auswirkungen der Abholzung auf den Klimawandel hingewiesen. REDD basiert auf der Idee, dass der im Holz gespeicherte Kohlenstoff einen Wert erhält – der als Gegenwert zu den wirtschaftlichen Vorteilen der Abholzung dient. In der Regel führen Profitziele zum Kahlschlag. Auf den gerodeten Flächen entstehen Viehweiden, Zuckerrohr- oder Palmölplantagen.

REDD-Mechanismus

Schon beim letzten Klimagipfel in Kopenhagen stand REDD auf der Agenda. „Der traurige Nebeneffekt vom großen Scheitern in Kopenhagen war, dass auch Entscheidungen zu einzelnen Mechanismen wie REDD unter den Tisch gefallen sind,“ meint Moritz von Unger. Der Jurist beobachtet den Klimagipfel vor Ort für die Beratungsfirma Climate Focus.

Offene Fragen

Dieses Versäumnis soll in Cancún nachgeholt werden. „Der REDD-Mechanismus ist schon in vielen Teilen ausgearbeitet“, resümiert von Unger. Offene Punkte gebe es dennoch. Zum Beispiel die Frage, wie sich verhindern lässt, dass die Abholzung sich von einer Region in eine andere verlagert. Viele Experten setzen auf staatliche Kontrollen, was derzeit allerdings einige Entwicklungsländer schlicht noch nicht leisten können.

Ein weiterer Verhandlungspunkt ist die Definition der Basislinie, gegenüber der man die Entwaldung misst. Es ist schwer zu beurteilen, ob ein Staat durch REDD-Finanzmittel wirklich weniger Land abgeholzt hat. Eine Methode ist notwendig, um den „normalen“ Verlauf ohne REDD zu prognostizieren. Daraus folgt eine Debatte, die in Cancún unter dem Stichwort REDD-plus läuft. Länder wie Costa Rica oder Indien haben in den letzten Jahren schon viel für den Schutz ihrer Wälder getan – und fürchten nun, dass ihr frühzeitiges Engagement sie von den REDD-Finanzströmen ausschließt. Mit REDD-plus soll auch die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes in solchen Ländern honoriert werden. In Cancún wird derzeit ein entsprechender Text verhandelt. Die Gruppe der indigenen Völker fürchtet dabei allerdings um die Anerkennung ihrer Landrechte. Denn wenn Wald durch REDD einen Zusatzwert bekommt, steigt die Nachfrage danach.

Finanzierung noch unklar

Um aktiven Waldschutz zu betreiben, fordern viele Entwicklungsländer technische Hilfe und finanzielle Unterstützung beim Aufbau einer REDD-Infrastruktur vor Ort. Wie der Mechanismus generell finanziert werden soll, ist noch nicht entschieden. Grundlegend gilt: Das Geld soll von den Industrieländern kommen. „Bei den Verhandlungen ist generell das Verständnis da, dass bei REDD private und öffentliche Finanzierung zusammenkommen müssen“, sagt von Unger.

Variante 1: Kopplung an Emissionshandel

Im Gespräch sind zwei Möglichkeiten: Die Kopplung an einen Emissionshandel oder die Bildung eines Fonds. Bei der ersten Variante werden Wälder in den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten einbezogen. Dann könnten Emissionen im Norden gegen Kohlendioxid-Einsparungen durch weniger Entwaldung in den Entwicklungsländern verrechnet werden.

Die EU und verschiedene Umweltverbände warnen unisono vor der Gefahr einer „Überschwemmung“. Europa ist gerade dabei, durch eine Verknappung der Kohlendioxid-Zertifikate den Preis für Emissionen zu erhöhen. Gäbe es mehr Waldzertifikate, könnten damit zum Beispiel die Emissionen von Kohlekraftwerken ausgeglichen werden. „Ein innerer Technologietransfer in den Industrieländern hin zu neuen, emissionsarmen Techniken könnte sich dadurch verlangsamen“, erklärt von Unger das Risiko. Gipfelbeobachterin Kristin Gerber von Germanwatch sagt ganz klar: „REDD-Zertifikate sind keine Option für den Klimaschutz.“

Variante 2: Fonds

Bei der zweiten Variante soll der Erhalt des Waldes über einen speziellen internationalen Fonds finanziert werden. Hier besteht das Problem der Verbindlichkeit. Bis jetzt wird lediglich über einen freiwilligen Fonds debattiert – in Zeiten knapper Staatskassen ein unsicheres Modell. Welche Version sich durchsetzen wird, ist noch nicht klar: „Die Finanzierung von REDD wird sich erst auf einem der nächsten Klimagipfel klären,“ so von Unger.

In jeden Fall sind die Kosten für REDD keine Kleinigkeit. Der Ökonom Edenhofer warnt davor, die Zukunft von REDD zu rosig zu sehen: „Die Kosten des Waldschutzes werden steigen, ein internationaler Waldschutzfonds wird seine Auszahlungen ständig erhöhen müssen", meint Klimaökonom Edenhofer in Potsdam. Grund dafür ist der Ölpreis. Wenn der steigt, wächst auch die Nachfrage nach Biosprit. Das mache es immer lukrativer, Wälder umzuwandeln zu Plantagen für Zuckerrohr oder Mais, aus denen dieser Biokraftstoff hergestellt wird. Zugleich muss die Nahrungsmittelproduktion wachsen, weil die Weltbevölkerung zunimmt. Edenhofer warnt, dass hohe Öl- und Nahrungsmittelpreise die Entwaldung forcieren: „Die Energiemärkte bestimmen ganz entscheidend mit, was auf den Agrarmärkten passiert.“

Weitere Informationen:

Interaktive Grafik über die Vernichtung der Wälder:
www.klimawandel-bekaempfen.de

Homepage des UN-REDD Programm-Sekretariats: www.un-redd.org

Homepage zum Programm des Overseas Development Institute:
www.redd-net.org

Jahresbilanz des REED-Programms 2009: www.unredd.net

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014