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Biodiversität

Artenschwund stoppen

Die Europäische Kommission will in den kommenden zehn Jahren den Verlust an Biodiversität stoppen.

Artenschwund stoppen Artenschwund stoppen
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die Europäische Kommission hat eine neue Biodiversitätsstrategie vorgestellt. Bis 2020 soll der Verlust der Artenvielfalt in der Europäischen Union (EU) gestoppt werden.

Die Zukunft des Waldes gehört den Eichen und Eschen. Denn sie vertragen trockene Sommer am besten, und die werden in Folge des Klimawandels in Zukunft häufiger. Bergahorn und Sommerlinde könnten allmählich aus den Wäldern verschwinden, denn sie leiden am meisten unter Wassermangel. Aber nicht nur einzelne Arten sind betroffen – der Klimawandel hat Folgen für die gesamte biologische Vielfalt. Die Europäische Kommission hat daher ein Strategiepapier vorgelegt, um in den kommenden zehn Jahren die Biodiversität in Europa zu schützen.

EU-Strategie zum Schutz der Biodiversität

Bis 2020 soll der Verlust an biologischer Vielfalt und die Verschlechterung der Ökosystemleistungen zum Stillstand gebracht werden. Dabei handelt es sich um die Grundfunktionen, die Ökosysteme für den Menschen erfüllen: Sie liefern zum Beispiel saubere Luft, sauberes Wasser oder Nahrung; gleichzeitig können sie vor Hochwasser oder Erosion schützen. Die Strategie umfasst sechs Ziele, die auf die Hauptursachen für den Biodiversitätsverlust eingehen. Um die größten Belastungen für die Natur und die Ökosystemleistungen in der EU zu reduzieren, soll Biodiversität vor allem in der Forst- und Landwirtschaft sowie der Fischerei eine stärkere Rolle spielen. Damit reagieren die Politiker auf das drastische Artensterben, das mittlerweile ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat.

Arten sterben aus

In der Europäischen Union sind etwa 25 Prozent der Tierarten bedroht. Besonders kritisch ist das Tempo, mit dem Arten vom Planeten verschwinden. Laut Expertenmeinung passiert es heute 1000-mal schneller als in prähistorischen Zeiten. Schuld daran hat der Mensch, der die Landnutzung verändert, die Umwelt verschmutzt, mehr Ressourcen ausbeutet und mit Treibhausgasen das Klima beeinflusst. „Der Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf die Biodiversität und verschlimmert oft die bereits bestehenden Bedrohungen“ erklärt Karin Zaunberger. Die Biologin arbeitet für die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission.

Biodiversität und Klimaschutz

Die EU-Strategie trägt den Namen „Unsere Lebensversicherung, unser Naturkapital“, der damit auf den Nutzen der Ökosysteme für den Menschen hinweist. Eine besonders wichtige Funktion ist die Klimaregulierung. Die Hälfte der vom Menschen verursachten Treibhausgase werden derzeit noch von Wäldern und Ozeanen aufgenommen. Sie puffern so den Treibhauseffekt. „Ohne diese natürlichen Helfer wären die Auswirkungen des Klimawandels noch stärker“, macht Zaunberger deutlich.

Doch immer mehr Ökosysteme sind heute geschwächt und nicht mehr in der Lage, diese Leistungen in hinreichender Weise zu erbringen. „Biodiversitätsschutz ist deshalb auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz und zur Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels“, unterstreicht Zaunberger. Denn ökologisch vielfältige Ökosysteme sind widerstandsfähiger.

Sechs Ziele formuliert

Die neue EU-Biodiversitätsstrategie erscheint ein halbes Jahr nach der internationalen Biodiversitätskonferenz im japanischen Nogoya. Damals verabschiedeten die Vertragsstaaten das internationale Ziel, den Verlust an Naturressourcen und Lebensräumen bis 2020 zu stoppen. Das neue Strategiepapier soll helfen, die internationale Vereinbarung regional umzusetzen. Die Kommission hat die damals festgelegten 20 Ziele auf sechs heruntergebrochen. Der zuständige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik ist zuversichtlich: „Dieses neue, sektorübergreifende Konzept ist ein Weg, um den Biodiversitätsverlust bis 2020 zum Stillstand zu bringen.“

Kritik: EU-Strategie nicht ausreichend

So optimistisch ist Katrin Vohland vom Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) nicht. „Die veröffentlichte Strategie wird nicht ausreichen, um den Verlust der Biodiversität in Europa bis 2020 zu stoppen“, kritisiert die Biologin. Zwar begrüßt sie das Strategiepapier an sich, verweist aber auf dessen Lücken. Diese gebe es zum Beispiel bei der Verantwortung für Maßnahmen zur nachhaltigen Produktion. Dass anstelle der gesamten Wirtschaft nur Fischerei, Forst- und Landwirtschaft im Fokus stehen, sei unzureichend. „Andere Wirtschaftssektoren wie Energiewirtschaft, Verkehr und Chemie werden nur am Rande erwähnt, obwohl ihr Einfluss auf und Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen vergleichbar, zum Teil sogar wesentlich höher sei, so Vohland. Ihr ist es besonders wichtig, dass die Wissenschaft stärker in den Prozess einbezogen wird.

Generell sind die Ziele sehr allgemein formuliert: „Wie ernst es die EU mit ihren Zielen meint, wird sich bei der tatsächlichen Umsetzung der EU-Agrarreform und der neuen Gemeinsamen Fischereipolitik ab dem Jahr 2014 zeigen“, meint auch Carsten Neßhöver von NeFo.

Weitere Informationen:

Die Biodiversitätsstrategie der Europäischen Kommission: http://ec.europa.eu

NeFo-Positionspapier zur EU-Biodiversitätsstrategie: http://biodiversity.de

Information zu Ökosystemdienstleistungen im Summary Report des Millennnium Ecosystem Assessment Report: www.maweb.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014