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Budgetansatz

CO₂-Haushalt bis 2050 für die Welt

Das Konzept zeigt einen Weg, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Die Umsetzung ist zur Zeit jedoch wenig wahrscheinlich.

CO₂-Haushalt bis 2050 für die Welt CO₂-Haushalt bis 2050 für die Welt
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat mit dem Budgetansatz ein Konzept vorgelegt, wie die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad erreicht werden kann. Es sieht vor, dass jeder Weltbürger die gleiche Menge an CO2 ausstoßen darf – egal, ob der- oder diejenige in Berlin oder in Addis Abeba lebt.

Eigentlich sollte schon beim Klimagipfel in Kopenhagen 2009 über den Budgetansatz diskutiert werden – als ein möglicher Weg, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Doch in Kopenhagen lagen die Positionen der Teilnehmerstaaten so weit auseinander, dass es nicht dazu kam.

Entwickelt wurde der Budgetansatz vom WBGU, der ihn im Juli 2009 in einem Sondergutachten vorstellte. Zentral für das Konzept sei eine Einigung der Staatengemeinschaft auf eine Obergrenze für die noch zu emittierende Gesamtmenge an Kohlendioxid aus fossilen Quellen bis 2050, so der WBGU. Der Beirat schlägt für den Zeitraum 2010 bis 2050 ein Globalbudget von 750 Milliarden Tonnen CO2 vor. Mit diesem ließe sich die Klimaerwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 65 Prozent auf zwei Grad begrenzen.

Globale Emission von 750 Milliarden Tonnen CO2 bis 2050

Ist das Globalbudget bestimmt, gilt es, dieses auf alle Staaten zu verteilen – es müssen also nationale Emissionsbudgets und daraus abgeleitet Minderungsziele festgelegt werden. Der WBGU schlägt als Schlüssel dafür eine Pro-Kopf-Verteilung vor. Bei einer Weltbevölkerung von 6,9 Milliarden im Jahr 2010 und einer Emissionsobergrenze von 750 Milliarden Tonnen CO2 bis 2050 wären im Durchschnitt also jährlich Pro-Kopf-Emissionen von 2,7 Tonnen erlaubt. Für Deutschland mit seinen rund 82,2 Millionen Einwohnern ergäbe sich so ein nationales Kohlendioxid-Budget von neun Milliarden Tonnen.

Weil einige Länder ihr Budget vermutlich schneller aufbrauchen würden als andere, sieht das Konzept zudem die Einrichtung eines internationalen Emissionshandelssystems vor, um mehr Flexibilität zu gewinnen. Dabei lassen sich die Staaten grob in drei Gruppen einteilen. Zur Gruppe 1 zählen rund 60 Länder, so etwa die Industrienationen und einige Schwellenländer, die ihr CO2-Budget bei konstanten Emissionen binnen 20 Jahren aufbrauchen würden. Die Länder der Gruppe 2, etwa 30 Staaten, kommen mit ihrem Budget zwischen 20 und 40 Jahre aus. Gruppe 3 besteht aus rund 95 Entwicklungsländern, deren Budget noch mehr als 40 Jahre ausreichen dürfte. „Durch den Emissionshandel gewinnen Länder aus den Gruppen 1 und 2 Spielraum: Ihre Emissionen können langsamer sinken und ihre nationalen Budgets sind erst später erschöpft“, heißt es in dem Sondergutachten. Im Gegenzug erzielten Länder der Gruppe 3 Einnahmen, die sie dann in ihre klimafreundliche Entwicklung investieren könnten.

Drastische Abkehr von Erdöl und Kohle nicht realistisch

Nach dem Scheitern von Kopenhagen, wo von vielen Konferenzteilnehmern insbesondere die Haltung der USA als blockierend empfunden wurde, ist kaum vorstellbar, dass sich alle Industrienationen zu derart drastischen Reduzierungen verpflichten werden. Auch Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und WBGU-Vorsitzender, weiß, dass ein radikaler Ausstieg aus Erdöl und Kohle in den USA nicht realistisch ist. Er ist dennoch überzeugt: Der Handel mit Emissionsrechten kann in der globalisierten Welt den Ausgleich schaffen. Die erforderlichen Finanzzuflüsse von Norden nach Süden seien für die Industrieländer „durchaus tragbar“.

„Eine unmittelbare Anwendung der vorgeschlagenen Pro-Kopf-Verteilung würde aber zu massiven Umverteilungseffekten führen, die für die Industriestaaten kaum darstellbar sind“, so auch die Antwort des Presse- und Informationsamt der Bundesregierung im Auftrag von Bundeksanzlerin Angela Merkel auf eine Anfrage des Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. (isw) zum Thema. Die Bundesregierung sehe im Budgetansatz dennoch einen wichtigen Orientierungsrahmen, der die Bedeutung der kumulierten Emissionen deutlich mache. Bis 2050 müssten insbesondere die Industriestaaten ihre CO2-Emissionen massiv reduzieren und der Ansatz verdeutliche, dass Emissionsbudgets gerecht auf alle Staaten verteilt werden müssten.

Entwicklungsländer fordern Berücksichtigung historischer Emissionen

Doch hier genau setzt auch die Kritik von Seiten der Entwicklungsländer an, denn ihrer Ansicht nach gehört zu einer gerechten Verteilung künftiger Emissionen auch die Berücksichtigung vergangener, historischer Emissionen. Ihr Argument: Die Industrienationen sind für einen Großteil der bereits in der Atmosphäre vorhandenen Treibhausgase verantwortlich, die sie im Zuge ihrer Industrialisierung ausgestoßen haben. Die gleiche Chance müssten nun auch Schwellen- und Entwicklungsländer bekommen – oder aber einen entsprechenden finanziellen Ausgleich.

Nach dem diplomatischen Debakel von Kopenhagen wird es beim Klimagipfel in Cancún im Dezember Experten zufolge darum gehen, wieder Vertrauen zwischen Entwicklungs, Schwellen- und Industrienationen zu stiften. Frühestens beim darauffolgenden Gipfel im südafrikanischen Durban 2011 könnte es gelingen, ein Kyoto-Nachfolgeabkommen zu schließen, in das möglicherweise auch Elemente des Budgetansatzes einfließen werden.

Weitere Informationen:

WBGU-Sondergutachten: Kassensturz für den Weltklimavertrag – der Budgetansatz. www.wbgu.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014