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Geoengineering

Künstlich das Klima verbessern

Forscher prüfen Methode, der Atmosphäre CO<sub>2</sub> mittels Olivin zu entziehen.

Künstlich das Klima verbessern Künstlich das Klima verbessern
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Geoengineering – die Manipulation des Klimas – wird immer häufiger diskutiert. Eine Idee ist, der Atmosphäre mittels künstlicher Olivinverwitterung Kohlendioxid zu entziehen. Forscher haben das Potenzial dieser Methode untersucht. Ihr Fazit: technisch möglich, aber sehr aufwändig.

Ein Sonnenschirm in der Atmosphäre, ein Spiegel im Weltraum oder Schwefeldioxidwolken in der Luft – die Ideen sind zahlreich, der Erderwärmung durch technische Kniffe entgegen zu wirken. Das sogenannte Geoengineering nährt Hoffnungen, die Folgen des Klimawandels aufzuhalten, ohne Einschränkungen des Lebensstandards. Es geht darum, die Auswirkungen zu neutralisieren, ohne die eigentliche Ursache – den verstärkten Kohlendioxid-Ausstoß durch das Verbrennen fossiler Ressourcen – anzugehen.

So gibt es beispielsweise die Idee, durch die künstliche Verwitterung des Minerals Olivin die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre zu verringern und der Versauerung der Meere entgegenzuwirken. Die Forschung schmälert allerdings die Euphorie. „Mit der Olivin-Methode erscheint es nicht möglich, heutige und zukünftige Treibhausgasemissionen zu neutralisieren“, bremst Peter Köhler vom Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven die Erwartungen.

Ziel: Weniger Kohlendioxid in Atmosphäre sowie Reduktion der Ozeanversauerung

Die Menge an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre steigt seit Jahrzehnten und die globale Mitteltemperatur steigt. Daher wird Geoengineering, also die Beeinflussung des Klimas, immer häufiger diskutiert. Ein Beispiel ist die künstliche Olivinverwitterung, deren Potenzial nun von Forschern untersucht wurde. Olivine sind die häufigsten gesteinsbildenden Minerale und kommen überall auf der Welt vor. Sie bilden den Hauptbestandteil des oberen Erdmantels. Wenn sich die Minerale zersetzen, reagieren sie mit Wasser; dabei wird der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen. Als Endprodukte der chemischen Reaktion entstehen Kieselsäure, Magnesiumionen und Bikarbonat, die über Flüsse ins Meer gelangen. Dort erhöhen sie den pH-Wert und die Versauerung der Weltmeere wird gelindert.

Die Meeresversauerung ist neben der globalen Erwärmung eine Hauptfolge der menschlichen Emissionen. Jährlich nehmen die Weltmeere ein Drittel des Kohlendioxids auf. Löst sich das CO2 im Wasser, steigt dessen Säuregrad. Meeresbewohner sind jedoch auf einen bestimmten Säuregehalt eingestellt – ändert er sich, erhöht sich der Stress für die Organismen. Korallen, Seegurken und Muscheln sind davon besonders betroffen. Wenn die Versauerung so stark zunimmt wie in den vergangenen Jahrzehnten, droht ein Artensterben.

Geoengineering mittels Olivin

Beim Konzept des Geoengineerings mittels Olivin würde die Verwitterung künstlich beschleunigt, um möglichst viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre herauszuholen. „Der Ansatz sieht vor, fein gemahlenes Olivinpulver auf möglichst sauren Böden mit niedrigem pH-Wert in warmen und feuchten Regionen zu verteilen“, erklärt Köhler das Verfahren.

Köhler und Forscher vom KlimaCampus der Universität Hamburg habe in einer theoretischen Studie untersucht, welche Wirkung das Verfahren haben kann, wenn es in den Einzugsgebieten großer Flüsse in den Tropen angewendet würde. Das Fazit ihrer Modellrechnungen: Die künstliche Olivin-Verwitterung kann der Atmosphäre zwar Kohlendioxid entziehen, allerdings nicht in dem Maß, wie der Mensch Kohle und Öl verbrennt. Denn es gelangt zehnmal mehr CO2 in die Atmosphäre, als ihr durch Olivinverwitterung entzogen werden kann.

Nebeneffekt und Aufwand

Außerdem ist das Verfahren sehr aufwändig und hat Nebeneffekte. Bevor die Endprodukte in den Meeren gegen die Versauerung wirken, erhöhen sie den pH-Wert der Flüsse. „Es müsste vorher genau untersucht werden, wie sich die von uns prognostizierten, lokalen pH-Wert-Veränderungen auf Flussökosysteme und angrenzende Lebensräume auswirken.“ so Köhler. Weiterhin gibt er zu bedenken, dass für den wirksamen Einsatz der Olivinverwitterung große Mengen der Minerale abgebaut, transportiert und gemahlen werden müssten.

Ein riesiger Aufwand, denn für jede Tonne CO2, die der Atmosphäre entzogen werden soll, ist eine Tonne Olivin notwendig. „Die Menge an zusätzlich verwittertem Olivin, die notwendig ist, um diese CO2-Verlagerung zu erreichen, liegt in der Größenordnung des heutigen weltweiten Kohleabbaus,“ schätzt Köhler.

Geoengineering-Skepsis

Noch reagiert die Öffentlichkeit skeptisch auf die Ideen, das globale Klima künstlich zu verändern. Auch das Alfred-Wegener-Institut habe kein Interesse daran, mit seiner Studie den Weg für den kommerziellen Einsatz von Geoengineering-Maßnahmen zu ebnen, so die Institutsdirektorin Karin Lochte. Allerdings fordern internationale Gremien und Organisationen bessere Grundlagen, um die Chancen und Risiken solcher Maßnahmen besser beurteilen zu können.

Weitere Informationen:

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) veröffentlicht:
Die Zusammenfassung:www.pnas.org
Die komplette Studie als pdf:www.pnas.org

Das Alfred-Wegner-Institut hat 2009 eine andere Geonegineering-Methode, die Eisendüngung des Meeres, untersucht: www.awi.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014