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Cancún

Marktwirtschaft für das Klima

Für ENERGLOBE.DE skizziert Ottmar Edenhofer, Chefökonom am PIK, eine marktwirtschaftliche Lösung für den Gipfel in Mexiko.

Marktwirtschaft für das Klima Marktwirtschaft für das Klima
PIK, Marco Urban

Es geht ums große Geld beim Weltklimagipfel in Cancún. Und das ist gut so! Begreift man das Treffen der 194 Staaten als Weltwirtschaftgipfel, so kann man auf den aufgeklärten Egoismus der Teilnehmer hoffen. Diese müssen nur beginnen, langfristige statt kurzfristige Kosten und Nutzen zu sehen – was ihnen allerdings bislang erschreckend schlecht gelingt. Die internationale Klimapolitik ist momentan nicht von zu vielen wirtschaftlichen Kalkülen geprägt, sondern von zu wenigen. Es geht um eine neue Klimamarktwirtschaft.

Wer wirtschaftlich denkt, verschafft sich Klarheit über die Risiken, mit denen er konfrontiert ist. Jedes vernünftige Unternehmen tut das. Die jüngste Finanzmarktkrise hat gezeigt, wohin eine falsche Wahrnehmung hier führen kann. Die Risiken eines ungebremsten Klimawandels müssen dabei im Zentrum stehen – und genauso die Risiken eines ambitionierten Klimaschutzes. Denn der könnte die Enwicklungsländer Wirtschaftswachstum kosten, wenn sie fossile Energieträger nicht länger nutzen dürfen. Diese beiden Risiken müssen abgewogen werden.

Die Risiken eines gefährlichen Klimawandels sind beträchtlich: Werden Kipppunkte wie etwa das Schmelzen des antarktischen Eisschildes erreicht, so lösen sie eine vermutlich unumkehrbare Entwicklung aus. Weniger Eis bedeutet weniger Reflektion von Sonnenstrahlen zurück ins All bedeutet mehr Erderwärmung – und so weiter. Der Meeresspiegel stiege stark, was für die Weltgemeinschaft sehr teuer wäre, denn ein Großteil der Erdbevölkerung lebt dicht an den Küsten. Es gibt Unsicherheiten, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese Ereignisse tatsächlich eintreffen. Aber der potenzielle Schaden wäre zweifellos gewaltig. Wir könnten das Risiko drastisch vermindern, wenn wir uns zu einer ambitionierten Klimapolitik durchringen könnten.

Der Markt versagt

Was ist das Problem? Wir nutzen im Wesentlichen fossile Energieträger, um unser Sozialprodukt zu erzeugen. Wenn wir gefährlichen Klimawandel vermeiden wollen, müssen wir uns darauf verständigen, wie viel CO2 wir noch in der Atmosphäre ablagern wollen. Nun nutzen einige Staaten diesen kostenlosen Deponieraum stärker als andere, wirtschaftlich weniger entwickelte – gerade diese ärmeren Staaten aber wären von den Risiken heftiger betroffen, weil sie weniger in Anpassung investieren können. Es ist das klassische Problem von Gemeingütern: Weil Preissignale und Zugangsschranken fehlen sowie Kosten und Nutzen zugleich ungleich verteilt sind, versagt der Markt. Regulierung ist hier ein Gebot der Ökonomie, kein Verstoß gegen die Marktwirtschaft.

Daher müssen CO2-Emissionen einen Preis bekommen. Die Emissionsrechte würden sich in ihrer Knappheit nach dem physikalisch zu errechnenden Deponieraum in der Atmosphäre bemessen, der Preis wäre dann in einem Emissionshandelssystem das Resultat von Angebot und Nachfrage. Nun haben wir mehr Kohle, Öl und Gas, als wir verbrauchen dürfen, wenn wir erhebliche Klimarisiken vermeiden wollen. Rund 12.000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff sind noch im Boden, verbrennen dürfen wir nur noch 230 Milliarden davon. Ein Preis für CO2-Emissionen würde Einkommen und Vermögen der Besitzer dieser fossilen Ressourcen verringern. Dies wäre eine Form von Umverteilung, wie sie aber zu fast jedem wirtschaftlichen Strukturwandel gehört.

Die Emissionsrechte pro Kopf verteilen

Aus Gründen der Gerechtigkeit sollten die Emissionsrechte an alle Länder pro Kopf der Bevölkerung verteilt werden. Davon würden vor allem die Entwicklungsländer etwas haben – das Risiko ambitionierten Klimaschutzes würde sich für sie zur Chance wandeln.

Sie könnten ihre Emissionsrechte an die Industrieländer verkaufen und bekämen somit Zugang zu Kapital- und Gütermärken, die ihnen ansonsten verschlossen blieben. Die Industrieländer würden diese Emissionsrecht kaufen, weil sie billiger sind als die heimischen Vermeidungsoptionen. Die wohlhabenden Länder könnten ihre Wirtschaft mit dem Mehr an Emissionsrechten schrittweise umbauen, die armen Länder könnten ihre Wirtschaft mit dem Geld schrittweise aufbauen. Am Ende profitieren alle: Die Risiken des Klimawandels würden begrenzt, die Kosten der Emissionsreduktion würden begrenzt. So erhalten die Entwicklungsländer zusätzliche Mittelzuflüsse, weil vor allem sie von der Gleichverteilung der Emissionsrechte profitieren.

Die praktische Umsetzung solcher Mechanismen, insbesondere die Frage der Kontrolle, ist alles andere als einfach. Die Staaten der Welt werden aber lernen, angesichts der neuen Risiken ihr nationales Interesse neu zu definieren. Das ist der Kern dessen, worum es in Cancún geht.

Zur Person:

Ottmar Edenhofer ist Chefökonom und stellvertretender Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Zudem ist Edenhofer Professor für die „Ökonomie des Klimawandels“ an der TU Berlin und leitet die Arbeitsgruppe III des Weltklimarates IPCC, die sich mit der Vermeidung von Treibhausgasen befasst.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014