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EEG

Mehr Klimaschutz bei Bioenergie

Die deutsche Biomasseförderung setzt Fehlanreize. Das will Bundesumweltminister Röttgen ändern.

Mehr Klimaschutz bei Bioenergie Mehr Klimaschutz bei Bioenergie
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Zur Mehrheit der in Deutschland angebauten Bioenergiepflanzen gibt es klimafreundlichere Alternativen. Die setzten sich bisher auf deutschen Äckern nicht durch. Das soll sich mit neuen Förderquoten ändern.

Eine sonntägliche Landpartie führt vorbei an grünleuchtenden Maisfeldern, die sich endlos bis zum Horizont erstrecken. Deutsche Bauern bauen auf über 600.000 Hektar Mais an, der als nachwachsender Rohstoff Energie liefert. Doch was so grün leuchtet, hat auch eine Schattenseite. Die in Deutschland am häufigsten angebauten Pflanzen Mais und Raps sind nicht die klimafreundlichsten, sie verändern das Landschaftsbild und den Naturhaushalt drastisch. Andere Sorten mit besserer Ökobilanz wie Pappel oder Gräser haben sich in Deutschland nicht durchgesetzt. Daran sei die Politik schuld: „Die deutsche Bioenergieförderung hat die effizientesten Klimaschutzwege bisher vernachlässigt“, lautet der Vorwurf von Axel Don, Projektkoordinator beim Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) für Agrarrelevante Klimaforschung in Braunschweig.

EEG-Erfahrungsbericht gesteht Fehler bei Vergütung ein

Deshalb will Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Förderquoten verändern. Im aktuellen Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesteht sein Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) „ökologische Fehlanreize“ ein. Die aktuelle Bioenergieförderung sei intransparent und habe zu Überförderung geführt. Ein Wildwuchs der Boni sei schuld.

Ein Beispiel: Der Maisanbau hat sich in der Vergangenheit besonders in den Regionen vergrößert, wo durch intensive Viehhaltung generell schon ein großer Bedarf an Futtermais besteht. Grund dafür ist der Güllebonus im EEG. Der Gesetzgeber zahlt diesen Bonus für den gesamten Strom einer Biogasanlage, wenn diese mindestens 30 Prozent Gülle verwendet. Die meisten Anlagenbetreiber halten sich genau an diesen Mindestanteil und stocken den Rest mit Mais auf. So ist der Gewinn höher als wenn sie in ihrer Anlage mehr Gülle in Strom umwandeln würden. Die Nachfrage nach Mais hat sich dadurch gesteigert und der Druck auf die Flächen ist gewachsen. Laut Bundesumweltministerium eine bedenkliche Entwicklung. Die derzeitigen Regelungen zum Gülle-Bonus bewirkten damit das Gegenteil dessen, was angeregt werden sollte.

Vorschlag für neue Bioenergieförderung ab 2012

Damit soll ab 2012 Schluss sein. Das Ministerium schlägt ein vereinfachtes Vergütungssystem für Biomasse vor, in dem Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielt. Die Vergütung der Gülleverwertung soll überarbeitet werden, für Altanlagen soll er halbiert werden.

Der Entwurf sieht unter anderem ein zweisäuliges Fördersystem vor. Neben einer leistungsgestaffelten Grundvergütung soll es einen Rohstoffbonus geben. Er begünstigt den Einsatz von klimafreundlicheren Rohstoffen finanziell: Biogasbetreiber erhielten demnach zwei Cent pro Kilowattstunde mehr, wenn sie Strom aus Kleegras gewönnen, statt aus Mais. Außerdem soll dessen Einsatz und der von Getreide für die Biostromerzeugung auf 60 Prozent begrenzt werden, damit mehr Anreiz besteht, auch andere Stoffe zu verwenden.

So soll der „Vermaisung“ der Landschaft ein Riegel vorgeschoben werden. Denn der Rohstoffbonus fördert Ausgangsstoffe, die mit Nahrungs- und Futtermitteln weniger stark um Flächen konkurrieren und dadurch besser für Klima und Natur sind.

Bioenergie in Deutschland

Denn Bioenergie kann aus vielen unterschiedlichen pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden, zum Beispiel aus Holz und Ackerfrüchten, aber auch aus Reststoffen der landwirtschaftlichen Produktion wie Gülle. Daraus werden in Deutschland Biokraftstoffe wie E10 und Biodiesel sowie Biogas zur Strom- und Wärmeerzeugung. Bis 2020 soll der Biomasseanteil an der Stromversorgung um rund 50 Prozent steigen.

Ausgangsstoffe sind zum größten Teil die einjährigen Pflanzen Raps und Mais, die eine schlechtere Ökobilanz als mehrjährige Gräser und Hölzer haben. Denn der Anbau einjähriger Pflanzen verursacht mehr Treibhausgase. Sie entstehen schon, während der Mais auf den Feldern wächst. Die Bauern düngen die Energiepflanze mit viel Stickstoff, dessen Herstellung energieintensiv ist. Mit Stickstoff gedüngte Böden setzen außerdem Lachgas frei – ein Treibhausgas, fast 300-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid. Dadurch wird ein Teil des positiven Klimaeffektes von Bioenergie wieder zunichte gemacht.

Pappelplantagen hingegen, so zeigen Studien, emittierten 40 bis 99 Prozent weniger Lachgas als Mais- oder Rapsfelder – bei vergleichbaren Energieerträgen. Außerdem bildet sich unter Weiden und Pappeln Humus. Diese fruchtbare Schicht bindet Kohlenstoff. Das ist ein weiterer Vorteil für das Klima.

Blick über den Tellerrand

Schnellwüchsige Pflanzen wie Chinaschilf, Rohrglanzgras und Weiden werden bereits auf mehreren zehntausenden Hektar Fläche auf den britischen Inseln, in Skandinavien und den baltischen Staaten kommerziell angebaut. Die Ernte ersetzt dort einen Teil der fossilen Energieträger, die in kommerziellen Kraftwerken Wärme und Strom erzeugen. „Während die aus Sicht des Klimaschutzes effizientesten mehrjährigen Energiepflanzen in Deutschland noch erforscht werden, sind sie in vielen Nachbarländern längst praxisreif und Nummer eins der Bioenergieproduktion,“ so Wissenschaftler Don.

Reaktionen auf EEG-Erfahrungsbericht

Die Reaktionen auf die Vorschläge des BMU sind unterschiedlich. Kritik übt der Deutsche Bauernverband: „Den Vorschlag auf Begrenzung des Einsatzes von Mais und Getreidekörnern in den Biogasanlagen auf maximal 60 Prozent können wir nicht akzeptieren“, sagt Udo Hemmerling, Leiter Fachbereich Recht, Soziales, Energie und Wirtschaftspolitik beim Bauernverband. Da andere Rohstoffe teurer als Mais seien, so die Argumentation, stiegen auch die Kosten für den Betrieb einer Biogasanlage. Das sei nicht wirtschaftlich. Gleichzeitig würde das Problem des Flächenbedarfs nicht gelöst. Im Gegenteil: „Der Flächenbedarf von Biogasanlagen würde geschätzt um etwa ein Drittel steigen“, vermutet Hemmerling vor dem Hintergrund, dass Mais die effizienteste Energiepflanze ist.

Positiv reagiert hingegen der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der die Vorschläge als Signal gegen weitere Monokulturen wertet . „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Nabu-Experte Florian Schöne. Er erinnert sich an Zeiten, in denen er in Regierungskreisen für den Vorschlag der Begrenzung des Maisanteils noch ausgelacht wurde. „Wir hoffen jetzt, dass der Vorschlag auch durch den Gesetzgebungsprozess kommt.“

Weitere Informationen:

Zusammenfassung der Handlungsempfehlungen des EEG-Erfahrungsberichtes des Bundesumweltministeriums:www.bmu.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014