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Klimaschutz

„Optionen offenhalten“

Starökonom Lord Nicholas Stern zu Kernenergie, Klimaschutz und Deutschland

„Optionen offenhalten“ „Optionen offenhalten“
TU-Pressestelle, Dahl

Lord Stern, für die Bundesregierung ist die Kernenergie nur eine Brückentechnologie auf dem Weg zu einer Energieversorgung mit Fokus auf die Erneuerbaren. Welche Rolle wird die Kernenergie beim Klimaschutz spielen?

Lord Nicholas Stern: Möglicherweise ist die Kernenergie nur eine Brückentechnologie. Aber diese Brücke wird sicherlich 30 bis 40 Jahre halten, oder sogar länger. Frankreich wird die Kernenergie gewiss nicht aufgeben. Auch China will weiter auf Nukleartechnik setzen. In den nächsten 20 Jahren wird China so viele neue Kernkraftwerke bauen wie der gesamte Rest der Welt. Meine größte Sorge ist, dass wir eine Option nach der anderen ausschließen: Wir mögen Kernenergie nicht, wir mögen auch kein CCS. Das erzeugt einen ungeheuren Erwartungsdruck auf die Erneuerbaren Energien. Ich bin ein Fan der Erneuerbaren, aber es ist auch sehr wichtig, andere Optionen offenzuhalten – auch wenn sie Risiken bergen. Aber die sind klein im Vergleich zu dem gigantischen Risiko, das besteht, wenn wir die Emissionen nicht schnell reduzieren.

Sie haben wiederholt betont, dass Deutschland beim Klimaschutz die Vorreiterrolle übernehmen muss. Warum eigentlich?

Stern: Dafür gibt es drei Gründe: Erstens ist Deutschland die größte Volkswirtschaft in Europa, dem führenden Block der reichen Industrieländer im Hinblick auf Emissionsreduktion und Emissionshandel. Zweitens ist Deutschland, inzwischen seit mehr als einem Jahrhundert, technologisch führend. Und zwar insbesondere im Bereich Energie. Es gibt einen dritten Grund, der direkt mit der Person von Angela Merkel verbunden ist. Die Kanzlerin ist Naturwissenschaftlerin und war als Politikerin von Anfang an sehr stark in den Kyoto-Prozess zum Klimaschutz involviert.

Großbritannien, Schweden und Deutschland erfüllen ihre Klimaziele. Wie wollen sie diese Staaten motivieren, weiterhin Vorreiter zu sein, wenn andere EU-Länder wie Spanien und Portugal ihre Klimaziele verfehlen, zum Teil sogar deutlich?

Stern: Vorsicht. Wenn wir den moralischen Zeigefinger heben, haben wir schnell eine feindselige, hässliche Debatte über Klimaschutz. Viel gewinnbringender ist es, wenn wir die Ziele richtig formulieren und damit alle europäischen Länder einbinden. Einige osteuropäische Staaten zum Beispiel  sorgen sich derzeit sehr um ihre Versorgungssicherheit…

… aber weniger um ihre Klimaziele.

Stern: Diesen Staaten müssen wir klarmachen, dass die Ziele Klimaschutz und Versorgungssicherheit zusammengehören, etwa im Hinblick auf den Ausbau Erneuerbarer Energien. Beide Ziele sind nicht identisch, aber sie ergänzen sich gegenseitig.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014