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Diskussion

Schneller Ausstieg möglich

Das Abschalten deutscher AKW bis 2020 ist machbar. Forscher bewerten aber die Folgen für deutsche Klimaziele unterschiedlich.

Schneller Ausstieg möglich Schneller Ausstieg möglich
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Eine Analyse des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltverbandes World Wide Fund for Nature (WWF) zeigt, dass ein möglicher Ausstieg vor 2020 keine negativen Auswirkungen auf die deutschen Klimaziele hätte.

Es ist, also ob die Zeit zurück gedreht wurde: Nach dem dreimonatigen Moratorium für die sieben ältesten Kernkraftwerke in Deutschland, ist die Diskussion über einen deutschen Atomausstieg neu entfacht und erinnert stark an die Debatte zur Laufzeitverlängerung im Jahr 2010. Wieder stellt sich die Frage, wie die Kernkraft in Deutschland ersetzt werden könnte. Gas und Kohle sind mögliche Alternativen, solange die Erneuerbaren Energien noch nicht voll ausgebaut sind. Die fossilen Energieträger stoßen aber im Vergleich zur Kernkraft mehr Kohlendioxid (CO2) aus, wodurch die Treibhausgas-Emissionen in der Stromerzeugung ansteigen könnten. Einige Stimmen sehen die deutschen Klimaziele in Gefahr; bis 2020 soll Deutschland 40 Prozent seiner Emissionen reduzieren. „Nach der Energieprognose 2009 für die Bundesregierung wird bei einem Atomausstieg bis 2020 das nationale Ziel deutlich verfehlt“, warnt Professor Manuel Frondel. Er ist Leiter des Fachbereichs Umwelt und Ressourcen am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das bei der Erstellung der Energieprognose 2009, einer Grundlage für das Energiekonzept der Bundesregierung, beteiligt war.

Das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) rechnet bei einem Stopp der Kernkraft bis 2020 mit einem kurzfristigen Anstieg der jährlichen Emissionen in Höhe von rund 40 Millionen Tonnen, also fünf Prozent der Gesamtemissionen. Allerdings hat das Öko-Institut in Berlin im Auftrag des WWF eine Analyse veröffentlicht, nach der ein möglicher Ausstieg vor 2020 die gesamte Treibhausgasbilanz Deutschlands nicht beeinträchtige. „Zwar führt der Ersatz von Kernkraftwerken durch zum Beispiel Kohlekraftwerke lokal zu mehr Treibhausgasemissionen, durch den Europäischen Emissionshandel werden aber an anderer Stelle entsprechende Emissionseinsparungen ausgelöst“, erklärt Co-Autorin Charlotte Loreck vom Öko-Institut.

Deutscher Atomausstieg wird wieder laut durchdacht

Bislang galt die Kernkraft der Bundesregierung als emissionsarme und sichere Brückentechnologie auf dem Weg in ein Zeitalter der erneuerbaren Energieerzeugung. Auch nach dem Ausruf des Moratoriums hält Bundeskanzlerin Angela Merkel an den bisherigen Argumenten für die Kernenergie fest und betont, ganz könne man auf die Atomkraft aus wirtschaftlichen Gründen und wegen des Klimaschutzes noch nicht verzichten. Doch nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima gibt es auch kritische Stimmen: „Wir müssen alles daran setzen, schneller aus der Kernenergie herauszukommen“, forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Atomausstieg bis 2020 machbar

Die Analyse des Öko-Instituts zeigt, das Abstellen des letzten deutschen Kernkraftwerks sei vor 2020 machbar, ohne dass der Klimaschutz darunter leide. Ein Ausstieg sei in drei Phasen durchführbar: „Zehn Kernkraftwerke können sofort abgeschaltet werden, vier Kraftwerke bis 2013 und die verbliebenen drei Kernkraftwerke im zweiten Drittel der Dekade“, erklärt Loreck. In der ersten Phase könnten die vorhandenen Reserven des bestehenden Kraftwerksparks die ersten zehn Atommeiler ersetzen. In der zweiten Phase bis 2013 könnten weitere Atomkraftwerke abgeschaltet werden, weil dann neue fossile Kraftwerke ans Netz gehen, die sich derzeit im Bau befinden. Durch den Neubau von Kraftwerken auf der Grundlage von Biomasse, Kraft-Wärme-Kopplung und Erdgas ließen sich schließlich die drei letzten Blöcke bis 2020 abschalten.

Kurz- und mittelfristig könnten fossile Kraftwerke die Kernkraft ersetzen

Kurz- und mittelfristig wären also anstelle der Kernkraft Anlagen auf Basis fossiler Energieträger häufiger im Einsatz. Lokal käme es dann zu einem erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen. „Die Klimaziele sind davon allerdings nicht betroffen“, sagt Ingenieurin Loreck und verweist auf das Instrument des Emissionshandels. Er gibt eine starre Obergrenze für Emissionen innerhalb der Europäischen Union vor und garantiert, dass sich die Gesamtbilanz nicht verändert. Werden in Deutschland mehr Emissionen bei der Stromversorgung ausgestoßen, müssen die Kraftwerksbetreiber mehr Emissionsrechte einkaufen. Sie werden von anderen Unternehmen angeboten, die ihre eigenen Emissionen reduziert haben und daher über freie Zertifikate verfügen. Durch die gesteigerte Nachfrage erhöht sich der Zertifikatepreis, was sich wiederum auf den Strompreis auswirkt.

Erwartete Entwicklung für CO2-Preis und Strompreis

Schon vor der Entscheidung zur Laufzeitverlängerung 2010 wurden die Folgen für die Strompreise diskutiert. Laut der von Frondels Institut mit erarbeiteten Energieprognose 2009 lägen sie bei einem Ausstieg bis 2020 um etwa zehn Prozent höher als bei einer Laufzeitverlängerung um durchschnittlich zwölf Jahre. Auch die CO2-Preise würden entsprechend höher ausfallen.

Ein Preiseffekt war nach der Ankündigung der kurzfristigen Stilllegung der sieben ältesten deutschen Reaktoren schon erkennbar. Der Preis für ein CO2-Zertifikat stieg um etwa 1,50 Euro, sank aber tags darauf schon wieder um 50 Cent. Auch der Strompreis an den Großhandelsmärkten reagierte auf das Moratorium. Dennoch erwartet Loreck für Endverbraucher keine stark erhöhten Kosten. Letztlich dürften die Preisänderungen „in der Bandbreite der Preisschwankungen der letzten Monate und Jahre liegen“, heißt es in der Studie. Die Strompreise sind nach Ankündigung des Moratoriums um 0,5 Cent pro Kilowattstunde gestiegen, aber ebenfalls schon wieder leicht rückläufig. „Diese Schwankungen gehen im großen Rauschen des Auf und Ab an den Strombörsen unter“, prognostiziert die Energieexpertin.

Weitere Informationen:

Analyse des Öko-Instituts im Auftrag des WWF: Schneller Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Kurzfristige Ersatzoptionen, Strom- und CO2-Preiseffekte. März, 2011. http://oeko.info

DLR-Leitstudie 2010 über den Ausbau der Erneuerbaren Energien: www.dlr.de

FAS-Interview mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen vom 20.03.2011: www.bmu.de

Zusammenfassung der Energieprognose 2009: www.et-energie-online.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014