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Zertifizierung

TÜV Süd auf dem Prüfstand

Die Zertifizierung von geplanten CDM-Projekten ist ein Geschäft bei dem nur positive Gutachten Geld bringen

TÜV Süd auf dem Prüfstand TÜV Süd auf dem Prüfstand
energlobe.de, Denny Rosenthal

Der TÜV Süd, Symbol deutscher Verlässlichkeit und Seriösität, muss zur Nachschulung. Bis Ende Oktober hat das Unternehmen Zeit, um das Klimasekreteriat der Vereinten Nationen von seiner Lernfähigkeit zu überzeugen. Die UN-Behörde hatte dem TÜV Süd wegen Qualitätsmängeln den Auftrag zum Validieren von Projekten im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) vorerst entzogen.

Mehrere Validierer bereits suspendiert

Das deutsche Unternehmen ist weltweit der dritte namhafte Validierer, der aus Qualitätsgründen temporär suspendiert wird. Weltmarktführer Det Norske Veritas (DNV) und Société Générale de Surveillance (SGS) wurden ebenfalls von der UN suspendiert, nach einigen Monaten allerdings wieder zugelassen.

Aufgabe der Validierer ist es, geplante Projekte zu begutachten und dem CDM Executive Board Empfehlungen auszusprechen. Der Rat entscheidet, ob ein Projekt den im Kyoto-Protokoll festgelegten Kriterien entspricht und genehmigt wird. Das Grundprinzip von CDM besteht darin, dass Unternehmen aus Industrieländern in Entwicklungsländern Projekte zur Reduzierung von CO2-Emissionen umsetzen. Dafür erhalten sie Emissionszertifikate, die sie nutzen dürfen, um ihre eigene CO2-Bilanz zu verbessern.

Das Kriterium der Zusätzlichkeit

„Das große Problem bei CDM ist der Nachweis der Zusätzlichkeit“, sagt Lennart Mohr, der an mehreren Studien des Freiburger Öko-Instituts zu diesem Thema mitgewirkt hat. Ein Projekt darf im CDM nur anerkannt werden, wenn nachgewiesen wird, dass es ohne den CDM-Anreiz nicht realisiert würde. „Die Überprüfung ist nicht einfach, denn es gibt viele unterschiedliche Arten von CDM-Projekten und jedes muss einzeln geprüft werden“, erläutert Mohr.

Die Validierer haben sicherzustellen, dass alle Regularien eingehalten werden. „Im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass einige Abläufe bei der Validierung nicht den Erwartungen des CDM Executive Board entsprechen, das daher zunehmend gesonderte Prüfungen vornimmt“, sagt Mohr.

Umweltschützer kritisieren Validierer

Die Umweltorganisation WWF kritisiert seit längerem die Arbeit der Validierer. „Das Problem ist, dass sie selber ein Interesse daran haben, dass Projekte zertifiziert werden“, sagt Juliette de Grandpré, WWF-Expertin für Kohlenstoffmärkte. Denn die Projektplaner dürfen sich ihren Validierer frei wählen, sie sind seine direkten Kunden. Deshalb gilt: Je mehr genehmigte Projekte, desto besser die Auftragslage eines Validierers und um so höher seine Einnahmen. "Bis auf die Umweltschützer haben eigentlich alle Beteiligten das gleiche Interesse: Projekte als CDM zu genehmigen," kritisiert de Grandpré.

Dies hat offenbar auch das CDM Executive Board erkannt und unterzieht immer mehr zur Genehmigung empfohlene Projekte einer gesonderten Prüfung. "Vergangenes Jahr wurden etwa 300 Projekte vom Executive Board speziell überprüft", sagt Mohr. Insgesamt seien bislang etwa 150 Projekte abgelehnt und circa 2100 registriert worden. Zudem seien zahlreiche weitere Projekte in der Pipeline.

Positive Gutachten trotz Zweifeln?

„Die Suspendierungen sind ein gutes Zeichen; das Executive Board hat erkannt, dass etwas schief läuft“, betont de Grandpré. Sie kritisiert allerdings, dass nur wenige Details veröffentlicht würden und sich nicht wirklich nachvollziehen lasse, wie gravierend die Qualitätsmängel seien. Einer 2007 vom WWF in Autrag gegebenen Studie des Öko-Instituts zufolge, ist bei 40 Prozent der genehmigten Projekte fraglich, ob das Kriterium der Zusätzlichkeit erfüllt sei.

Auch im Fall des TÜV Süd besteht nach Angaben des CDM-Rates der Verdacht, dass Projekten positive Gutachten ausgestellt wurden, obwohl Zweifel an ihrer Zusätzlichkeit bestünden. Zudem seien Mitarbeiter nicht ausreichend geschult worden. Der TÜV Süd erklärte in einer Pressemitteilung, er nehme die Kritik sehr ernst und werde "alle nötigen Schritte unternehmen, um die Suspendierung so schnell wie möglich wieder aufzuheben". Bis dies gelingt, kann der TÜV Süd keine Projekte zur Registrierung beim CDM Executive Board vorlegen – das Geschäft kann nun die Konkurrenz machen.

Weitere Informationen:

Tüv Süd

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014