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Reduktionsziele

Vorreiter beim Klimaschutz

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts belegt, dass ambitionierte Klimaschutzziele der EU keine finanzielle Einbußen bringen.

Vorreiter beim Klimaschutz Vorreiter beim Klimaschutz
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Klimaschutzziele der meisten Staaten sind nicht mit dem Zwei-Grad-Ziel vereinbar. Aus Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen hält sich die EU mit schärferen Klimaschutzzielen zurück. Dabei ist ein Warten auf die Zusagen der anderen Länder unnötig, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung. Sie belegt, dass ambitionierte Klimaschutzziele der EU keine finanziellen Einbußen bringen.

Die EU kann ihre Rolle als Vorreiter in der Klimapolitik weiter ausbauen und schärfere Klimaschutzziele ansetzen. Ein Warten auf Zusagen anderer Länder aus Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen ist unbegründet, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ambitionierte Klimaschutzziele der EU keine finanziellen Einbußen bringen. Damit widerspricht sie einem Gutachten der Ökonomen Clemens Fuest und Kai Konrad, das im Januar im Auftrag des Bundesministerium für Finanzen veröffentlicht wurde. Diese kamen zu dem Schluss: Sich allein für den Klimaschutz einzusetzen, bringt ökonomische Nachteile. Andere Staaten würde sich auf den Anstrengungen des Vorreiters ausruhen und aufhören, selbst Emissionen zu vermeiden.

Damit liegen nun zwei entgegengesetzte Positionen zur Klima-Diskussion vor, die seit dem Scheitern der Konferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 stagniert. Insbesondere bei den Zusagen zur Senkung der globalen Treibhausgasemissionen gibt es keine Bewegungen. USA und China, beide verantwortlich für den größten Anteil der weltweiten Emissionen, haben sich keine großen Ziele gesteckt. Gleichzeitig planen beiden Staaten den Bau neuer fossiler Kraftwerke. Dementsprechend zurückhaltend sind Entwicklungsländer, und auch die EU will ihre Vorbildfunktion beim Klimaschutz nicht auszubauen.

Emissionsziele der EU in der Diskussion

Die EU plant, ihren Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Ambitioniertere Ziele wie eine Einsparung von 30 Prozent würden der Wirtschaftsleistung Europas allerdings nicht schaden. Diese schwäche sich nur marginal ab, so die Fraunhofer-Studie. Für die Industrieländer bliebe das Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes bei 27 Prozent. Studienleiter Joachim Schleich fordert daher: „Das Ziel, eine 30-prozentige Minderung von Treibhausgasemissionen in der EU zu erreichen, sollte weiter forciert werden.“ Diese Aussage steht im Kontrast zu den theoretischen Untersuchungen von Fuest und Konrad, die schreiben: „Europa kann mit einseitigen Selbstverpflichtungen zwar moderate Verbesserungen für das Weltklima erreichen, muss dafür aber unverhältnismäßig große finanzielle Lasten tragen.“
Schleich und sein Team analysierten im Auftrag des Umweltbundesamtes empirisch die ökologischen und ökonomischen Wirkungen von Klimaschutzzielen bis zum Jahr 2020. Ausgangspunkt dieser Untersuchung waren die freiwilligen Verpflichtungen der Industrie- und Entwicklungsländern im Kopenhagen-Abkommen.

Reduktionsziele im Kopenhagen-Abkommen

Nach dem Klimagipfel in Dänemark Ende 2009 hatten die USA angegeben, ihre Emissionen bis 2020 um 17 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 zu reduzieren, was nur drei Prozent gegenüber dem Stand von 1990 entspricht. Das Ziel Chinas, seine CO2-Emissionen abhängig vom eigenen Wirtschaftswachstum um zwei Fünftel gegenüber 2005 zu verringern, entspricht ungefähr einer Entwicklung ohne Klimaschutzmaßnahmen. Nach Kopenhagen hat die EU ihr 20 Prozent-Ziel nicht nur bestätigt, sondern auch eine Reduzierung um 30 Prozent in Aussicht gestellt – allerdings unter der Bedingung, dass auch andere Industrie- und Entwicklungsländer ihre Zielmarken erhöhten.

Umstellung auf CO2-arme Produktion in Industrieländern

Nimmt man an, dass sich in Zukunft die globalen Klimaziele verschärfen, dann sollten energie- und außenhandelsintensive Wirtschaftszweige jetzt schon auf eine CO2-arme Industrie umstellen, so die Fraunhofer-Studie. Werde nichts unternommen, seien diese Industrien schlecht auf schärfere Klimaziele vorbereitet. Stiegen dann durch höhere Auflagen die CO2-Kosten, ginge die Produktion in diesen Ländern zurück und ihre Wirtschaftsleistung reduziere sich. Regionen wie Japan oder die EU, deren Industrien im weltweiten Vergleich weniger energie- und CO2-intensiv sind, profitierten hingegen von ambitionierteren globalen Umweltzielen. „Investitionen in klimaschonende Produktionsverfahren stärken also langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit in energie- und außenhandelsintensiven Branchen“, schlussfolgert Schleich. Liefer-Länder von fossilen Energieträgern hingegen gehörten zu den Verlierern. Wenn sich in Zukunft die klimapolitischen Ziele verschärften, drossele das die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen und Russland hätte mit reduzierten Gewinnen zu rechnen.

Schärfe Klimaziele seien in Zukunft notwendig, sagen Klimaforscher des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung. Nur so könne die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius begrenzt werden. Insgesamt müssten sämtliche Industrieländer zusammen ihre Emissionen bis 2020 jedoch um 25 bis 40 Prozent verringern. Bleiben die Staaten allerdings bei ihren jetzigen Klimaschutzzielen, wird die globale Mitteltemperatur in diesem Jahrhundert um mehr als drei Grad Celsius ansteigen.

Weitere Informationen:

Die Fraunhofer-Studie im Auftrag des Bundesumweltamtes: Environmental and economic effects of the Copenhagen pledges and more ambitious emission reduction targets. Interim report. Juli, 2010. www.umweltdaten.de

Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen: Klimapolitik zwischen Emissionsvermeidung und Anpassung. Januar 2010. www.bundesfinanzministerium.de

Überblick über Klimaziele einzelner Länder: www.climateactiontracker.org

Fotostrecke mit Übersicht über die Kopenhagen-Ziele der größten CO2-Emitenten: www.manager-magazin.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014