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Umweltschutz

Biodiversität in der Krise

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist neben dem Klimawandel eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Doch bislang wurde weltweit zu wenig getan.

Biodiversität in der Krise Biodiversität in der Krise
energlobe.de, Denny Rosenthal

Bis zum Jahr 2010 wollte die UN den Verlust der biologischen Vielfalt auf globaler, regionaler und nationaler Ebene entscheidend verlangsamen. Dazu hatten sich die Unterzeichner der Biodiversitäts-Kovention verpflichtet, darunter auch Deutschland und die EU. Doch die Ziele wurden verfehlt, nun sollen auf einer internationalen Konferenz neue Wege für den Erhalt der Artenvielfalt erarbeitet werden.

Die UN-Generalversammlung hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Doch während der Klimaschutz in aller Munde ist, bleibt der Erhalt der Biodiversität im öffentlichen Bewusstsein ein Randthema. Dabei sind der Klimawandel und die abnehmende Artenvielfalt letztlich zwei Seiten einer Medaille: Beide Phänomene beeinflussen und verstärken sich gegenseitig.

Deswegen forderte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Auftakt des Themenjahres: „Wir brauchen eine Trendwende - und wir brauchen sie jetzt - unmittelbar und nicht irgendwann.“ Denn in allen Teilen der Welt basieren menschliche Gesellschaften auf sogenannten „Dienstleistungen des Ökosystems“. Dies gilt im Hinblick auf die Versorgung mit Nahrung, Wasser und anderen Ressourcen wie Holz. Daneben sind „Regulationsdienstleistungen“, die das Klima oder den Grundwasserspiegel stabil halten, von entscheidender Bedeutung. Nicht zuletzt haben Ökosysteme und Artenvielfalt auch in kultureller Hinsicht bildende und ästhetische Funktion für den Menschen.

2010-Ziele wurden weltweit nicht erreicht

Schon 1993 trat die Biodiversitäts-Konvention (CBD) der Vereinten Nationen in Kraft, die bis heute von knapp 200 Staaten sowie der EU unterzeichnet wurde. Darin verpflichten sich die Vertragsparteien zu folgendem Ziel: „Die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die ausgewogene und gerechte Aufteilung, der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile“. Dies soll „insbesondere durch angemessenen Zugang zu genetischen Ressourcen und angemessene Weitergabe der einschlägigen Technologien (…) sowie durch angemessene Finanzierung“ geschehen.

Doch obwohl die Vertragsstaaten völkerrechtlich zur Umsetzung der CBD verpflichtet sind, gibt es keinerlei Instrumente, um sie dazu zu zwingen. Dementsprechend haben einige Staaten bis heute keine nationale Biodiversitätsstrategie vorgelegt. Auch Deutschland stellte erst im Dezember 2007 seine diesbezügliche Strategie vor. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die 2002 verabschiedeten 2010-Ziele der Konvention nicht erreicht wurden, wie es im 3. globalen CBD-Ausblick vom Mai heißt. Diese sehen vor, bis zum Ende des Jahrzehnts den kontinuierlichen Verlust der biologischen Vielfalt auf globaler, regionaler und nationaler Ebene entscheidend zu verlangsamen.

Verlust der biologischen Vielfalt langfristig teurer als ihr Erhalt

Denn durch Verlust des Lebensraumes und den Klimawandel ändern Ökosysteme ihre Produktivität und Artengemeinschaften bekommen neue Zusammensetzungen. In einem Zwischenbericht der 2007 begonnenen internationalen TEEB-Studie zur Ökonomie von Ökosystemen und Biodiversität kommen Wissenschaftler zum Schluss, dass etwa ein Drittel aller Lebewesen bereits in ihrem Lebensraum und ihrer Ausbreitung vom Menschen negativ beeinflusst werden.

Der Abschlussbericht der Studie unter der Schirmherrschaft des UN-Umweltprogramms erscheint im November. Ziel ist es, den ökonomischen Wert der Biodiversität bekannt zu machen, indem unter anderem die Kosten ermittelt werden, die ein Verlust an Artenreichtum und Ökosystemen bedeuten würde. Zudem geben die Wissenschaftler in ihren Teilberichten Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft sowie den einzelnen Bürger.

Ähnlich wie der wegweisende Stern-Bericht von 2006, der erstmals darlegte, dass die Folgen des Klimawandels wesentlich teurer sind als der Kampf dagegen, geht die TEEB-Studie davon aus, dass kurzfristige Investitionen in den Erhalt der Biodiversität sich langfristig rechnen. Die Studie kommt zum Schluss, dass auch Unternehmen Ökosysteme beeinflussen und von ihnen profitieren. Insofern müsse auch die Wirtschaft einen Anteil am Erhalt der Biodiversität leisten.

Alte Krise, neue Wege?

Vom 18. bis 29. Oktober findet in Nagoya, Japan, eine Konferenz aller Unterzeichner der Biodiversitäts-Konvention statt, wo Akzente für die globale Biodiversitätspolitik über 2010 hinaus gesetzt werden sollen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen fordert in seinem Vorwort zum aktuellen CBD-Ausblick „verstärkte Bemühungen“ und „ambitionierte Schwerpunkte“ um den Verlust der biologischen Vielfalt zu reduzieren. Dies sei „neben dem Klimawandel die größte globale umweltpolitische Herausforderung unserer Zeit“. Er ist überzeugt: „Der Handlungsdruck besteht weiter fort – die alte Krise fordert von uns, aktiv zu bleiben und nach neuen Wegen zu suchen.“ Die Zeit drängt: In Nagoya und zwei Monate später beim UN-Klimagipfel in Cancún muss es der Weltgemeinschaft gelingen, einen Kurs einzuschlagen, der dem Erhalt des Klimas und der Artenvielfalt eine neue Zukunftsperspektive gibt.

Weitere Informationen:

Informationen zur TEEB-Studie und Zwischenberichte

Zusammenfassung des 3. Globalen Ausblicks der CBD zur Lage der biologischen Vielfalt

Studie im Auftrag des World Economic Forum zum Thema Biodiversität und Risiken für Unternehmen  

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014