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Strategien

Deiche gegen Erderwärmung

Deutschland soll sich dem Klimawandel stärker anpassen, fordern Wissenschaftler. Damit helfen sie ihn zu vermeiden.

Deiche gegen Erderwärmung Deiche gegen Erderwärmung
energlobe.de

Neue Wasserkraftwerke müssen vom Netz, weil die Pegel des Rheins sinken. Schiffe liegen auf dem Trockenen, in Freiburg mehren sich die Hitzetoten. Während Hamburg im Meer versinkt. Solche Schreckensszenarien entspringen nicht nur der Phantasie von Kinoregisseuren, sondern auch den Computermodellen rationaler Wissenschaftler. Sie berechnen, welche Folgen der Klimawandel, die Erwärmung der Atmosphäre, für Deutschland hat. Das Fazit ist alarmierend: Selbst wenn die Politik ihr Ziel erreicht, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken, bleibt viel zu tun: Um die Schäden zu minimieren, müssen sich die Menschen den neuen, widrigen Umständen anpassen.

Anpassung trägt zur Vermeidung bei

Trotzdem haben Politiker das Thema Adaption lange Zeit ignoriert. Bis dato widmeten sie sich ausschließlich der Vermeidung des mittlerweile Unvermeidlichen. „In Europa war es politisch inkorrekt über Anpassung zu sprechen“, beklagt der niederländische Klimaökonom Richard Tol. Damit hätte man die vermeintliche Niederlage im Kampf gegen die Emissionen eingestanden. Das Gegenteil sei der Fall, behaupten die beiden Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, Clemens Fuest und Kai Konrad. In einer Zeit, da die internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz stocken, „muss eine rationale Politik stärker auf Anpassungsmaßnahmen setzen“, fordern sie. „Das steht dem Erfolg multilateraler Abkommen nicht im Wege, sondern könnte sogar dazu beitragen", lautet ihre überraschende Erkenntnis.

Dieser Aspekt sei in Politik und Ökonomie bisher kaum beachtet worden. Er beruht auf der Tatsache, dass das Ausmaß der Klimaerwärmung von den Emissionen insgesamt abhängt. Wo sie freigesetzt werden und welchen Anteil jedes einzelne Land daran hat, spielt für das Klima keine Rolle. Je mehr ein Land seine Emissionen reduziert, desto weniger müssen das andere tun. Das verleitet zum Trittbrettfahren: Emittenten könnten sich auf den Anstrengungen anderer ausruhen. Deshalb sei Deutschlands Vorreiterrolle kontraproduktiv. Investiert ein Land zudem in Anpassung, und schützt sich somit vor potentiellen Schäden, wird der Rest dazu animiert, seine Verweigerungshaltung aufzugeben. „Eine sichtbare und konsequente Anpassungsstrategie könnte zur Konsensbildung beitragen“, so Fuest und Konrad. Deiche zum Schutz vor dem steigenden Meeresspiegel kämen somit dem Klima zugute.

Theoretisch könnten sich alle Staaten auf die Anpassung konzentrieren. Das wäre nach Ansicht der Autoren zwar deutlich schlechter als das Ideal einer Kombination beider Alternativen. Aber besser als der Status Quo. „Die Aussichten auf wirkungsvolle internationale Klimaabkommen sind schlecht“, behaupten die Berater. In internationalen Verhandlungen zwischen Regierungsdelegationen dominierten nicht altruistisches Verhalten sondern „nüchternes, einzelstaatliches Interesse“ und harte ökonomische Belange.

Vage Ziele formuliert

Wie unpopulär solche Äußerungen sind, bewies das Bundesfinanzministerium im Frühjahr. Der Auftraggeber der Expertise von Fuest und Konrad mit dem Titel „Klimapolitik zwischen Anpassung und Vermeidung“ blies die Präsentation der Ergebnisse kurzerhand ab. Angeblich, so wurde in der Presse vermutet, weil sie der Regierung nicht gefielen. Sie sieht Deutschland weiterhin in der Ökovorreiterrolle.

In der „Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ der Bundesregierung vom Dezember 2008 werden 15 Handlungsfelder wie Küstenschutz, Bau, Landwirtschaft oder Gesundheit genannt, für die Bund und Länder bis 2011 einen detaillierten Aktionsplan vorlegen sollen. „Wir tun alles dafür, das ambitionierte EU-Ziel zu erreichen, aber selbst dann werden Folgen des Klimawandels auftreten, auf die sich Deutschland einstellen muss“, hatte der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt. „Diese Strategie ist eher vage und verhalten hinsichtlich spezifischer Maßnahmen“, kommentieren Wissenschaftler des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Bald wird sich zeigen, wie ernst es die Politik mit dem Thema tatsächlich meint.

Weitere Informationen

Das Bundesumweltamt veranstaltet am 2. und 3. September in Dessau einen Kongress zum Thema Anpassung.

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014