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Desertifikation

Die Wüste wächst

Der Klimawandel verstärkt weltweit die Ausbreitung von Trockengebieten. Immer weniger fruchtbares Land ist vorhanden.

Die Wüste wächst Die Wüste wächst
energlobe.de, Denny Rosenthal

Auf der Welt gibt es immer mehr Wüsten. In den Trockengebieten verödet der Boden und die Anzahl nutzbarer Flächen verringert sich. Die Hauptursache ist eine zu intensive, nicht nachhaltige Nutzung von Trockengebieten durch Überweidung, Abholzung und schlechte Bewässerungspraktiken. Der Klimawandel verstärkt die Ausbreitung der Trockengebiete. Unter den Folgen der sogenannten Desertifikation leiden die Menschen in den Entwicklungsländern.

Jedes Jahr verliert die Erde etwa zwölf Millionen Hektar fruchtbaren Boden – also ein Gebiet, ein Drittel so groß wie Deutschland. Ackerbau ist auf diesen Flächen nicht mehr möglich. Ursache dafür sind sich ausbreitende Wüstengebiete. Dieses Phänomen tritt vor allem in den Entwicklungsländern auf, genau dort, wo die Bevölkerung stetig wächst und mehr Nahrungsmittel benötigt. Die Nahrungsmittelproduktion muss nach Berechnungen der Welternährungsorganisation allein bis 2030 um 50 Prozent steigen. Angesicht dieser Entwicklung stellt der Verlust an fruchtbaren Boden durch Trockenheit ein gravierendes Problem dar.

Übernutzung des Bodens als Ursache

Rund 40 Prozent der Erdoberfläche sind Trockengebiete. Mehr als zwei Drittel dieser Flächen stehen kurz davor, sich in eine Wüste zu verwandeln. Dann geht die Vegetation zurück oder verschwindet vollständig. Der Boden verkrustet, Regen kann nicht mehr versickern – die Erde trocknet aus. Nährstoffe werden durch Wind und Niederschläge abgetragen. Zurück bleibt unfruchtbarer Boden. Die Umwandlung von Acker- und Weideland in wüstenähnliche Gebiete bezeichnen Experten als Desertifikation.

Für die Ausbreitung der Wüste ist vor allem der Mensch verantwortlich. Die Hauptursache für Desertifikation ist eine zu intensive, nicht nachhaltige Nutzung von Trockengebieten. Durch Überweidung, Abholzung und schlechte Bewässerungspraktiken verliert der Boden seine Nährstoffe oder versalzt. Oft lassen Bevölkerungswachstum, Armut und kurzsichtige Agrarpolitik den Menschen keine Alternative, als den Boden zu schädigen. „Aber auch der Klimawandel gilt als beschleunigender Faktor“, sagt Anneke Trux von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Durch den Klimawandel nehmen Dürren, aber auch Überflutungen zu, Extremtemperaturen steigen und die Wasserverfügbarkeit sinkt in vielen Regionen. Die Faktoren, die zur Wüstenbildung beitragen, treten durch den Klimawandel häufiger und stärker auf. So verringert sich die Fruchtbarkeit des Bodens und das Land verödet schneller.

Gleichzeitig gibt es auch den umgekehrten Zusammenhang zwischen Desertifikation und Klimawandel. Die Desertifikation verstärkt ihrerseits die globale Erwärmung. Fruchtbarer Boden speichert Kohlenstoff. Wird dieser Boden zerstört, wird der Kohlenstoff freigesetzt und gelangt in die Atmosphäre. Hier verbindet er sich mit Sauerstoff zu Kohlendioxid und wirkt als Treibhausgas. „Desertifikation setzt jährlich 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff frei, etwa 1,3 mal so viel, wie Deutschland 2007 durch seine eigenen Emissionen in die Atmosphäre abgegeben hat“, erklärt Trux, die im Auftrag der Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einem Projekt zur Desertifikationsbekämpfung arbeitet. Die Desertifikation-Expertin weist weiterhin auf einen wichtigen Zusammenhang hin: „Einen Umkehr dieses Trends wäre zum Vorteil der meist armen Bevölkerung in Trockengebieten, aber gleichzeitig ein Beitrag zum globalen Klimaschutz.“

Folgen der Desertifikation

Wenn immer weniger Land immer mehr Menschen ernähren muss, sind diese gezwungen, mehr und mehr aus dem verbliebenen Boden herauszuholen. Die Bauern können den Boden nicht schonen und die Bodenqualität nimmt weiter ab. Ein Teufelskreis, der dazu führt, dass noch weniger nutzbare Fläche zur Verfügung steht. Drastische Folgen hat das für die Menschen vor Ort. Ernteverluste führen zu Nahrungsmittelknappheit. Die Grundversorgung der Bevölkerung verschlechtert sich und die Menschen hungern.

Ein weiteres gravierendes Problem ist die Wasserversorgung: Das Wasser wird knapp. Durch den Klimawandel nehmen Niederschläge ab. Gleichzeitig nehmen extreme Wetterlagen zu – wenn also Regen fällt, dann häufiger als Unwetter. Der trockene Boden kann die plötzlichen Wassermassen nicht aufnehmen. Der Wasserhaushalt wird ebenfalls gestört, wenn die Bauern Grundwasser angezapft, um ihre Felder zu bewässern. Auf den Feldern verdunstet ein großer Teil des Wassers und fließt so nicht wieder ins Grundwasser zurück.Die Folgen: Der Grundwasserspiegel sinkt und Brunnen versiegen. Schlechte hygienisch Bedingungen sind die Folge, sodass sich Krankheiten schneller ausbreiten können. „Das ist ein Dominoeffekt – erst kommt der Wassermangel und die Armut, dann beginnt der Kampf ums Wasser“, sagt Dagmar Wöhrl, Vorsitzende des Entwicklungsausschusses des Bundestages.

Ein Problem der Entwicklungsländer

Weltweit sind mehr als 110 Länder mit Trockengebieten akut von Desertifikation bedroht. Über eine Milliarde Menschen sind insgesamt in ihrer Lebens- und Nahrungsgrundlage existentiell gefährdet. Vor allem Länder des Südens wie zum Beispiel der Sudan oder Mali sind betroffen, da hier Trockengebiete rund zwei Drittel der gesamten Landfläche einnehmen. Daher ist das Thema ein wichtiger Aspekt der Entwicklungspolitik. Im Rahmen der Desertifikationskonvention der Vereinten Nationen (UNCCD) haben die Industrieländer 1996 zugesagt, die Entwicklungsländer finanziell und durch Technologietransfer bei der Bekämpfung der Desertifikation zu unterstützen. Dabei geht es vor allem um Wassermanagement, Bodennutzung und den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten, die auf Wüstenregionen spezialisiert sind. Ziel aller Maßnahmen ist, dass sich die Menschen vor Ort besser an die Dürreperioden anpassen.

Weitere Informationen:

Überblick über das Thema von der Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und demBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: www.gtz.de/desert und www.bmz.de

Factsheet zur Globalen Desertifikation der Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ): „Daten zur Desertifikation Global“. www.gtz.de

Einen Überblick über den aktuellen Wissensstand in dem komplexen Themenfeld „Klimawandel und Trockengebiete“ gibt die Publikation: Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (Hrsg.):„Running dry. Climate change in drylands and how to cope with it“. Das Vorwort ist veröffentlicht unter: www.gtz.de

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Bekämpfung der Desertifikation. Das deutsche Engagement im Bereich der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation: www.bmz.de

Der 17. Juni  ist der Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre. Hintergrundinformationen dazu unter: www.unric.org

Webseite des UN-Projekts zur Desertifikationsbekämpfung: www.unccd.int

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014