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Rückgang

Europas Gletscher bedroht

Prognose für das nächste Jahrhundert: Mehr als die Hälfte der Gebirgsgletscher und Eiskappen wird überdauern - aber nicht in der heutigen Größe.

Europas Gletscher bedroht Europas Gletscher bedroht
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Anfang 2011 sind mehrere Studien über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher der Erde und beeinflussende Faktoren veröffentlicht worden. Auch im nächsten Jahrhundert wird es noch Gletscher geben, aber nicht mit ihrem jetzigen Volumen. Besonders betroffen sind die Eismassen Europas. Auch die meisten Himalaja-Gletscher schmelzen.

Die Gletscher standen zuletzt im Rampenlicht, als ein Zahlendreher im aktuellen Bericht des Weltklimarates IPCC entdeckt wurde. Dieser Fehler löste eine Diskussion über das tatsächliche Schmelzen der Himalaja-Eismassen aus, die in einen handfesten Streit über die Arbeitsweise des Weltklimarates mündete. Nun liegen eine Reihe von neuen Studien zur Gletscherschmelze vor. Mehr als die Hälfte der Gebirgsgletscher und Eiskappen wird bis ins nächste Jahrhundert überdauern. Allerdings nicht mit ihrem heutigen Volumen. Besonders in Europa zeigt der Klimawandel seine Wirkung – drei Viertel des Gletschereises stehen hier auf dem Spiel. Die Eisschmelze könnte den Meeresspiegel um neun bis sechzehn Zentimeter ansteigen lassen. Das deckt sich mit den im IPCC-Bericht veröffentlichten Prognosen.

Alpen stark betroffen, Grönland weniger

Die Phänomene sind seit langem bekannt: Die globale Erwärmung bringt die Gletscher zum Schmelzen, wodurch der Meeresspiegel ansteigt. Flache Inselstaaten wie die Malediven sind bedroht. Genaue Zahlen gab es bislang nicht. Nun hat eine amerikanisch-schwedische Forschergruppe auf der Grundlage von Daten des World Glacier Inventory die Folgen des Klimawandels für mehr als 2.500 Eiskappen und rund 120.000 Gebirgsgletscher berechnet. Dazu nutzten Valentina Radic von der Universität British Columbia und Regine Hock von der schwedischen Universität in Uppsala Klimaprognosen von zehn aktuellen Klimamodellen. Ihr Ergebnis: Bis zum Jahr 2100 werden die Gletscher weltweit zwischen 15 und 27 Prozent ihres Volumens verlieren. Die stärksten Verluste erwarten die Forscher in Europa und Neuseeland. In Grönland und Asien sind die Folgen weniger gravierend.

Schutt im Himalaja verzögert Gletscherschmelze

Im Fokus von Wissenschaftlern der Universität Potsdam standen schuttbedeckte Gletscher im Himalaja. Sie untersuchten mithilfe von Satellitenbildern rund 300 Exemplare im größten Gebirge der Welt. Insgesamt belegt die Studie: Die meisten von ihnen sind in Bewegung und schmelzen. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Viele Gletscher besitzen eine mehrere Zentimeter dicke Decke aus Steinen. Sie wirkt wie eine Thermoskanne wärmedämmend und verringert so das Abschmelzen. Diese Gletscher seien damit als Indikatoren für den aktuellen Klimawandel ungeeignet, folgern der Geograph Dirk Scherler und seine Kollegen im Fazit der Studie: „Um realistische Prognosen zur zukünftigen Wasserverfügbarkeit und dem globalen Meeresspiegelanstieg machen zu können, sollte daher die Schuttbedeckung und ihr Einfluss auf die glazialen Schmelzraten in die Berechnungen mit einbezogen werden.“

Ruß im Himalaja beschleunigt Gletscherschmelze

Forscher des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) in Villigen haben zusammen mit Kollegen aus den Vereinigten Staaten und aus China eine Eiskernbohrung eines Himalaja-Gletscher ausgewertet. Ihr 108 Meter langes Untersuchungsobjekt enthielt die Eisschichten der vergangenen 150 Jahre. Ihre Analyse belegt eine steigende Anzahl von Rußpartikeln in den vergangenen Jahrzehnten. Auch sie machen die Wissenschaftler neben der globalen Erwärmung für die Eisschmelze verantwortlich.

Den Zusammenhang erklärt ein einfaches physikalisches Prinzip. Ruß macht die Oberfläche dunkler. Treffen Sonnenstrahlen die Oberfläche, werden diese nicht mehr reflektiert, sondern als Wärme von der dunklen Fläche aufgenommen. So schmilzt das Eis. „In den Wintermonaten trägt der Ruß etwa gleich stark zur Gletscherschmelze bei wie die Klimaerwärmung,“ erklärt Margit Schwikowski, Leiterin des Forschungsprojekts am PSI.

Der Ruß entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Öl und Holz und wird durch den Wind in die Gebirgsregionen getragen. Die Verursacher können weit entfernt sein. Die Forscher gehen davon aus, dass die Partikel sowohl aus Südasien und dem Nahen Osten, als auch aus Russland und Osteuropa herüber wehen. „Eine Maßnahme, die die Rußemissionen senken würde, könnte also einen Beitrag dazu leisten, die Gletscherschmelze zu verlangsamen,“ so die Einschätzung Schwikowskis.

Immer weniger Sonnenreflexion

Ihre Studienergebnisse verweisen indirekt auf den Effekt, den die weißen Oberflächen der Gletscher haben. Die meisten Eisflächen reflektieren sehr stark und werfen das Sonnenlicht wieder zurück in den Weltraum. Das kühlt das Erdklima. Die gleiche Wirkung haben Schnee, Meereis oder Permafrost. Schmelzen die weißen Flächen, die sogenannte Cryosphäre, wird weniger Sonnenlicht reflektiert – das hat Folgen für die globalen Temperaturen. „Anstatt reflektiert zu werden, wird die Energie der Sonne durch die Erde absorbiert und dies verstärkt die Erwärmung“, erklärt Karen Shell, Atmosphärenforscherin an der Oregon State Universität. Sie hat zusammen mit einer Forschergruppe anhand von Messdaten zur Schnee- und Eisbedeckung auf der Nordhalbkugel untersucht, wie stark der Eisverlust sich auf den Kühleffekt auswirkt. „Die Cryosphäre kühlt die Erde nicht mehr so stark wie noch vor 30 Jahren“, so Shell. Die Zeitspanne sei zwar zu kurz, um zu beweisen, wie stark der anthropogene Treibhauseffekt dafür verantwortlich ist. Aber der Verlust der Kühlung sei signifikant. Daher müssten moderne Klimamodelle diesen Effekt auch stärker mit berücksichtigen.

Gletscherschmelze geht weiter

Die bisherigen Folgen der globalen Erwärmung auf die Gletscher sind beunruhigend. Eine Veränderung ist nicht abzusehen. Auch in Zukunft werden die Eispanzer weiter an Volumen verlieren – selbst wenn die globale Erwärmung morgen stoppen würde. Den Grund kennen Schweizer Forscher der ETH Zürich: Die Reaktion von Gletschern hinkt den Veränderungen des Klimas um Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinterher. Heutige Schutzmaßnahmen würden erst mit starker Verzögerung ihre Wirkung entfalten.

Weitere Informationen:

Die Studien von Valentina Radic und Regine Hock, der Universität Potsdam und der Oregon State Universität wurden in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014