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Entwaldung

Grüne Lunge der Welt in Not

Pro Jahr verliert der Planet 13 Millionen Hektar Wald - mit enormen Folgen für das Klima.

Grüne Lunge der Welt in Not Grüne Lunge der Welt in Not
energlobe.de, Denny Rosenthal

Ein Junge macht sich auf, die Welt zu retten. Vor drei Jahren hatte der damals 9-jährige Felix Finkbeiner in seinem Schulreferat „Das Ende des Eisbären“ die Idee: In jedem Land der Erde können Kinder eine Million Bäume pflanzen, um auf diese Weise einen CO2-Ausgleich zu schaffen. Aus dem Plan des Schülers der internationalen Privatschule in Starnberg ist unter dem Namen Plant-for-the-Planet eine weltweite Bewegung geworden. Mittlerweile machen Kinder in 72 Ländern bei der Aktion mit, der globalen Waldrodung etwas entgegenzusetzen. Denn jedes Jahr werden 13 Millionen Hektar Wald abgeholzt – mit enormen Folgen für Klima und Artenvielfalt.

Globale Waldfläche schrumpft

Die globale Waldfläche ist nach Angaben des Münchner ifo Instituts zwischen 1990 und 2005 um drei Prozent geschrumpft. Das entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 20.000 Hektar am Tag - so viel wie die Fläche Hannovers. Das hat zwei Folgen: Globale Erwärmung und ein Rückgang der Artenvielfalt. Laut World Wide Fund For Nature (WWF) sterben pro Jahr bis zu 50.000 Tier- und Pflanzenarten in Indonesien aus, da sie keinen Lebensraum mehr haben.

Außerdem verliert die Welt durch die Waldrodung sogenannte CO2-Senken. Bäume produzieren über die Photosynthese Sauerstoff und lagern gleichzeitig CO2 ein. Wälder speichern etwa die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs:  20- bis 50-mal mehr als andere Ökosysteme. Solange die Bäume weiter wachsen, bleibt das Treibhausgas in den Pflanzen gebunden, werden sie gefällt und verbrannt, geben sie das Gas an die Atmosphäre ab. Der Welt-Klimarat IPCC schätzt, dass der Waldverlust 20 Prozent der jährlichen, globalen Treibhausgase verursacht. Das ist soviel wie die USA und China, die beiden größten Emittenten, jeweils an CO2 in die Luft pusten.

Tropischer Regenwald mit Schlüsselfunktion

Besonders der tropische Regenwald ist eine riesige CO2-Senke. Durch seine enorme Pflanzendichte besitzt er mehr Biomasse als Wälder in gemäßigten Klimazonen und kann so eine größere Menge an Kohlendioxid binden. Gleichzeitig ist er ein enormer Wasserspeicher und beeinflusst dadurch ebenfalls das Klima: „Der Regenwald funktioniert als riesige Klimaanlage mit einem kühlenden Effekt auf das Weltklima“, erklärt Guénola Kahlert vom WWF. „Dieser Einfluss verliert sich, je mehr Bäume gerodet werden.“ Hinzu kommt: Die Abholzung verstärkt die globale Erwärmung doppelt. Zum einen binden weniger Bäume weniger CO2, zum anderen leidet auch der Tropenwald unter den höheren Temperaturen. Bäume vertrocknen und sterben ab, wodurch sie das Kohlendioxid wieder an die Atmosphäre abgeben. Ihre wichtige Klima regulierende und kühlende Funktion geht verloren, und die Welt erhitzt sich weiter - ein Teufelskreis.

Tropenwald in Gefahr

Amazonas, Borneo oder Kongo-Becken: Das Problem der Rodung ist besonders in den Tropen, also in den Entwicklungsländern, dringend. Die grüne Lunge der Welt wird hier seit Jahren mit Kettensägen und Bränden dezimiert. Meist sind kurzfristige wirtschaftliche Interessen der Grund. Begehrt ist das Holz, aber auch die frei werdenden Flächen, um Rinder zu züchten oder Nutz- und Energiepflanzen anzubauen.

REDD soll helfen

Seit Jahren diskutiert die Weltgemeinschaft immer wieder über mögliche Gegenmaßnahmen, bisher allerdings ohne konkrete Lösungen zu verabschieden. Ein Stichwort fällt dabei immer wieder: der REDD-Mechanismus. REDD steht dabei für Reducing Emissions from Deforestation and Degradation – Reduzierung der Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern. Die Idee des 2008 gestarteten Programms: Entwicklungsländer werden finanziell belohnt, wenn sie ihre Wälder erhalten. Viele dieser Länder roden, um wirtschaftlich zu wachsen indem sie zum Beispiel Agrarflächen ausbauen oder Ölreserven fördern. Entscheiden sie sich dennoch für den Erhalt der Wälder, kommt das dem globalen Klima zu Gute, hat aber keine positiven Auswirkungen auf die eigene Wirtschaft. REDD könnte das ausgleichen – mit Geld aus den  Industriestaaten.

Seit dem Klimagipfel in Bali wird an dem Mechanismus gearbeitet. „Es ist klar, dass REDD kommen wird und kommen muss“, macht Guénola Kahlert vom WWF deutlich. „Von allen Bereichen, die in Kopenhagen diskutiert wurden, ist REDD am weitesten entwickelt“. Im Moment geben die Weltbank, die Vereinten Nationen und Einzelstaaten wie Norwegen, Dänemark und Spanien Geld für die Entwicklung des Programms, 2009 wurden 24 Millionen US-Dollar bewilligt. Entwicklungsländer wie Indonesien oder der Kongo lassen derzeit ihren Regenwaldbestand analysieren – um die Bemühungen zu seinem Schutz besser koordinieren zu können.

Aber das ist erst der Anfang, viele Details sind noch nicht entschieden. Zum Beispiel ist noch nicht klar, ob das System an einen internationalen Fonds oder den weltweiten Zertifikatehandel gebunden wird. „Eine zu frühe Anbindung an den Zertifikatehandel ist allerdings riskant“, unterstreicht die WWF-Waldexpertin. Vorher sei es unumgänglich, dass die Länder ein dreigliedriges System aufbauen, das Transparenz garantiert. Demnach müssten sie am Anfang den Waldbestand erfassen und dann die Ergebnisse in einer Bestandsanalyse zusammenstellen, damit diese geprüft werden könnten. Erst wenn dieser Ablauf etabliert sei, könnten Gelder fließen. Dazu sei auch ein zentrales internationales Gremium zur Steuerung des REDD-Progamms notwendig, das es derzeit noch nicht gibt. Der WWF hofft, dass dazu in Cancún die Rahmenbedingungen festgelegt werden.

Zerstörte Flächen wieder aufforsten

Für Andreas Schulte vom Internationalen Institut für Wald und Holz in Nordrhein-Westfalen ist REDD ein sinnvoller Mechanismus. Er fordert allerdings noch weitere Schritte. Um noch mehr CO2 aus der Atmosphäre herauszuholen, ist es notwendig, neue Bäume zu pflanzen. Große Waldaufforstungsprogramme seien bei der Entstehung des Kyoto-Protokolls 1996 durchaus angedacht gewesen, dann aber nicht in der Breite verfolgt worden. Dabei gibt es im Rahmen von Kyoto Instrumente, die es der westlichen Industrie ermöglichen, Aufforstungen in Entwicklungsländern zu finanzieren und dadurch CO2-Zertifikate zu erlangen. Lange Zeit wurde dieses Vorgehen als Freikaufen verteufelt, sagt Schulte. Erst seit dem Klimagipfel in Kopenhagen gebe es wieder Ansätze, dieses Verfahren vermehrt anzuwenden. „Mit diesen Projekten schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe“, ist sich der Wald-Professor sicher. „Zum einem binden neue Bäume mehr Kohlendioxid, zum anderen wird lokal im Entwicklungsland eine Forst- und Holzwirtschaft aufgebaut, die Arbeitsplätze und Einkommen für die Bevölkerung schafft.“

Um die Klimafunktion des Waldes zu erhalten, muss die Weltgemeinschaft zwei Ziele haben: Sie muss  bestehende Wälder schützen und entwaldete, zerstörte Böden wieder aufforsten. Daher stimmen Aktionen wie die von Felix Finkbeiner optimistisch. Felix konnte in diesem Jahr seinen ersten Erfolg verbuchen. Mit einer Vogelkirsche ging sein Traum am 4. Mai in Erfüllung. An diesem Tag wurde der millionste Baum in Deutschland gepflanzt.

Weitere Informationen:

Interaktive Grafik über die Vernichtung der Wälder:
www.klimawandel-bekaempfen.de

Homepage des UN-REDD Programm-Sekretariats: www.un-redd.org

Homepage zum Programm des Overseas Development Institute:
www.redd-net.org

Jahresbilanz des REED-Programms 2009:
www.unredd.net

Artikel der englischen Zeitung Guardian vom 4. Juli 2010: United Nations warned that corruption is undermining grants to stop logging.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014