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Bilanz

Katastrophen-Rekord

950 Naturkatastrophen gab es im Jahr 2010. Eine Zunahme aufgrund des Klimawandels wird immer wahrscheinlicher, so die Versicherungsbranche.

Katastrophen-Rekord Katastrophen-Rekord
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2010 haben viele Großkatastrophen die Erde heimgesucht. 90 Prozent waren wetterbedingt. Die Versicherungsbranche geht davon aus, dass sich dieser Trend auf den Klimawandel zurückführen lässt.

295.000 Tote. So viele Menschen starben 2010 durch Naturkatastrophen. Die Zahl ist im Vergleich zu anderen Jahren sehr hoch. Besonders fünf, nach den Standards der Vereinten Nationen (UN) definierte, „Größtkatastrophen“ sind für die traurige Bilanz verantwortlich: die Erdbeben in Haiti im Januar, im Februar in Chile und in Zentral-China im April sowie die Hitzewelle in Russland von Juli bis September und die Überschwemmungen in Pakistan im selben Zeitraum. Sie verursachten den größten Teil der Todesopfer knapp die Hälfte der wirtschaftlichen Schäden. Die hohe Anzahl von Wetterkatastrophen sowie Temperaturrekorde weltweit und in einzelnen Regionen sind Indizien dafür, dass der Klimawandel voranschreitet – so die Einschätzung des Rückversicherers Munich Re, der die Bilanz veröffentlicht hat.

Sehr viele Unwetter

Die Welt ist 2010 von so vielen Naturkatastrophen heimgesucht worden wie selten zuvor. Insgesamt stieg die Zahl auf 950 – diese Summe ist die zweithöchste seit 1980. Sie übertraf auch deutlich den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von jährlich 785 Ereignissen. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden betragen rund 130 Milliarden US-Dollar. 90 Prozent der Ereignisse waren wetterbedingt, also zum Beispiel Stürme, Unwetter oder Überschwemmungen.

Besonders waren auch die Temperaturen. 2010 liegt unter den Top Drei der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Sehr heiß war es beispielsweise in Pakistan. Dort wurden im Mai 53,5 Grad Celsius gemessen – die höchste jemals in Asien ermittelte Temperatur.

Versicherer: Klimawandel bringt Wetter durcheinander

Die hohe globale Mitteltemperatur ist ein wichtiges Indiz für den Klimawandel, so Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei Munich Re. Zu einem ähnlichen Schluss kommt er auch in Bezug auf den Anstieg der Wassertemperaturen in allen Ozeanbecken seit den vergangenen 30 Jahren: „Dieser Langfristtrend ist nicht mehr allein mit natürlichen Klimaschwankungen zu erklären, vielmehr dürfte der Klimawandel einen Teil zur Erwärmung der Weltmeere beitragen“, so Höppe weiter. Diese Einschätzung stützen auch Klima- und Wetterexperten. Stefan Hagemann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie über den Anstieg der globalen Mitteltemperatur: „Diese Entwicklung ist zum großen Teil auf den Anstieg der menschgemachten Treibhausgasemissionen zurückzuführen.“

Dennoch warnt er vor voreiligen Rückschlüssen von der hohen Anzahl der Naturkatastrophen 2010 auf den Klimawandel: „Ein einzelnes Extrem wie die Hitzewelle in Russland kann immer mal auftreten.“ Klimatrends ließen sich nur ausmachen, wenn man einen längeren Zeitraum von mindestens dreißig Jahren untersuche. Da Extremwetterereignisse nur sehr selten auftreten, müsste man hier sehr lange Messreihen haben, um ein Änderungssignal zu entdecken, das sich von den natürlichen Schwankungen abhebt. Daher eignen sich solche Ereignisse nicht gut, um Klimatrends auszumachen. Kriterien wie der mittlere Niederschlag oder die mittlere Temperatur seien besser geeignet, weil von ihnen viel einfacher ausreichend lange Messreihen erstellt und ausgewertet werden könnten.

Hitzewelle in Russland

Dennoch hat gerade die Hitzewelle im Sommer 2010 in Russland besonders viele über den Klimawandel nachdenken lassen. Zwischen Juli und September erlebte das Land eine seiner tödlichsten Naturkatastrophen. In einigen Regionen Zentralrusslands lagen die Temperaturen monatelang über der 30-Grad-Marke. Wälder standen in Flammen, die Brände bedrohten sogar kerntechnische Einrichtungen und Gegenden, in denen die Böden noch von dem radioaktiven Niederschlag aus Tschernobyl belastet waren. Mindestens 56.000 Menschen starben an den Folgen von Hitze und Luftverschmutzung.

Überschwemmung in Pakistan

Zerstörerisch waren 2010 auch die sommerlichen Überschwemmungen in Pakistan nach extremen Monsun-Regenfällen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden betrug 9,5 Milliarden US-Dollar – eine hohe Summe für das wirtschaftlich wenig entwickelte Land, so die Einschätzung der Munich Re.

Extreme Hurrikansaison

Besonders die Hurrikansaison des letzten Jahres war extrem und übertraf in Anzahl und Intensität die Wirbelstürme der vergangenen 100 Jahre. Insgesamt wurden 19 Tropenstürme gezählt, fünf davon waren besonders stark und hatten Geschwindigkeiten von rund 180 Stundenkilometern. „Die Zahl der Stürme liegt weit über dem Durchschnitt“, bilanziert Höppe. Voraussetzung für diese Vielzahl starker Stürme waren warme Wassermassen im tropischen Nordatlantik. Dort lag die Wassertemperatur um bis zu zwei Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Ab Anfang August begünstigten auch atmosphärische Bedingungen zunehmend das Entstehen von atlantischen Tropenstürmen. Im Vergleich zu der hohen Anzahl hielten sich die Schäden in Grenzen. Zwar gab es zerstörte Gebiete in Mexiko, die US-Küste blieb allerdings verschont. Viele der Stürme drehten auf dem Atlantik in Richtung Nordosten ab und streiften so nur einige Inseln in der Karibik. Dass hier keine schlimmeren Schäden zu verzeichnen waren, sei reine Glücksache, warnt Höppe: „Ob und wo solche Stürme an Land gehen, ist schlicht nicht vorherzusagen.“

Schäden nehmen zu

Für die Versicherungsbranche ist das vergangene Jahr eines von den sechs schadenintensivsten seit 1980. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden lagen etwas über dem hohen Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre. Knapp die Hälfte der Schäden entstand durch die großen Erdbeben und Fluten. Die meisten Katastrophen ereigneten sich auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien. Die genaue Beobachtung der Wetterentwicklung wird für Rückversicherer immer wichtiger. „Die schweren Erdbeben ebenso wie die Hurrikan-Saison mit so zahlreichen Stürmen machen einmal mehr deutlich, dass wir nicht nachlassen dürfen, diese Risiken eingehend zu analysieren und notwendige Versicherungsdeckungen zu adäquaten Preisen anzubieten“, so Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für die Rückversicherung zuständig.

Die Schäden durch die extremen Überschwemmungen im Nordosten Australiens können noch nicht abschließend beziffert werden. Seit Anfang Dezember sind viele Orte überschwemmt und von der Außenwelt abgeschnitten.

Weitere Informationen:

Peter Höppe, Munich Re, über die Nautrkatastrophen-Bilanz im Video: www.munichre.com (142 MB, ZIP)

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014