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Klimawandel

Riesenloch über dem Nordpol

Die Ozonschicht über der Arktis schrumpft dramatisch. Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen dem hartem Winter und der Klimaerwärmung.

Riesenloch über dem Nordpol Riesenloch über dem Nordpol
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Über der Arktis schrumpft die Ozonschicht durch anhaltende Kälte so schnell wie noch nie. Wissenschaftler vermuten einen nur auf den ersten Blick paradoxen Zusammenhang zwischen dem harten Winter und der globalen Erwärmung.

Ein Rekord-Ozonloch hat sich über der Arktis gebildet. Binnen weniger Wochen ist die schützende Schicht in der Stratosphäre um etwa die Hälfte zurückgegangen. Die Messungen sind besonders brisant, weil nach über zwanzig Jahren des Verbots von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) eigentlich eine langsame Erholung der Ozonschicht zu beobachten ist. Grund für den aktuell enormen Verlust sind sehr niedrige Temperaturen, die den Abbau begünstigen. Es ist paradox: Die Kälte führen Wissenschaftler auf die globale Erwärmung zurück.

Klimawandel als Ursache für Rekord-Ozonloch

Ungewöhnlich tiefe Temperaturen in Höhen von zehn bis 15 Kilometern über der Erde führen aktuell zu einem rasanten Abbau von Ozon. Schuld ist ein besonders stabiler Luftwirbel über dem Nordpol. Er sorgt für Kälte, die wie ein Kalalysator die Ozonzerstörung durch Chlor aus FCKW beschleunigt.

Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen Kaltluftströmung und Klimaerwärmung. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts und damit seit dem Anstieg der globalen Mitteltemperatur habe zwar die Häufigkeit kalter Winter leicht abgenommen, die Wetterverhältnisse während dieser kalten Winter seien allerdings immer eisiger geworden. Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven erklärt das Paradoxon: „Vereinfacht gesagt halten steigende Treibhausgaskonzentrationen die Wärmestrahlung der Erde in tieferen Luftschichten zurück und erwärmen diese“, so Rex. Das Ergebnis: Weniger wärmende Strahlung gelangt in die höheren Teile der Atmosphäre, die sich dadurch stark abkühlen.

Kälte verstärkt Wirkung von FCKW

Je kälter es ist, umso mehr Ozon wird durch Abbauprodukte der menschengemachten FCKW zerstört. Dadurch gelangt mehr UV-Strahlung auf die Erde und das Hautkrebsrisiko steigt. Aufgrund ihrer Gefährlichkeit sind FCKW daher seit Ende der achtziger Jahre als Treib- und Kühlmittel in Spraydosen und Kühlschränken verboten. Weil der FCKW-Abbauprozess sehr langsam abläuft, ist der Chlorgehalt in der mittleren Atmosphäre allerdings auch nach dem Verbot immer noch erhöht. Zwar gelang einer Züricher Forschergruppe 2010 der Nachweis, dass sich die Ozonschicht langsam erholt (ENERGLOBE.DE berichtete). Doch mit einer vollständigen Regeneration ist erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrtausends zu rechnen.

Ungewöhnlicher Polarwirbel

Das Ozonloch tritt jedes Jahr im Spätwinter über dem Südpol auf, weil ein Polarwirbel die Temperaturen sinken lässt. Über dem Nordpol gibt es dieses Phänomen normalerweise nicht, da die ungleichmäßige Landverteilung die Strömungen stört und die Temperaturen nicht tief genug sind, um den Ozonabbau zu begünstigen.

In diesem Winter hat sich allerdings doch ein solcher Polarwirbel gebildet. Professor Johannes Orphal, Leiter des Instituts für Metereologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie, spricht von einer „sehr ungewöhnlichen Atmosphäre über dem Nordpol“ in diesem Jahr. Er erhofft sich zusätzliche Informationen durch stratosphärische Ballonmessungen in den kommenden Wochen.

Forschung notwendig

Umfangreiche Modellrechnungen sind notwendig, um die Vermutung zu bestätigen, dass die starke Ausprägung des Polarwirbels kein zufälliges Ereignis, sondern eine Folge des Klimawandels ist. „Die komplizierten Details der Wechselwirkungen zwischen der Ozonschicht und Klimaänderungen sind noch nicht verstanden und Gegenstand aktueller Forschungsprojekte“, erklärt Physiker Rex.

Anhaltendes Phänomen mit Auswirkungen auf mittlere Breiten

Eine Entwarnung für die Ozonschicht über dem Nordpol kann der Forscher noch nicht geben. „Da die Bedingungen für diesen ungewöhnlich starken Ozonabbau weiter andauern, rechnen wir mit weiteren Verlusten in den nächsten Wochen,“ prognostiziert Rex.

Das Problem könnte sich auch außerhalb der dünn besiedelten Arktis auswirken. Luftmassen, die dem Ozonverlust über der Arktis ausgesetzt sind, bewegen sich später häufig nach Süden. Durch die verminderte UV-Schutzwirkung der reduzierten Ozonschicht ist daher auch in mittleren Breiten vereinzelt mit erhöhter UV-Strahlung zu rechnen. Der Atmosphärenforscher rät daher: „Auf ausreichenden Sonnenschutz ist in diesem Frühjahr besonders zu achten.“

Weitere Informationen:

Focus-Artikel, 9. Oktober 2009: Wie das Ozonloch unser Klima beeinflusst. www.focus.de

Das AWI über seine Ozonmessungen: www.awi.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014