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Weltmeere

Sauer macht arm

Durch mehr Kohlendioxid versauern die Ozeane – Meerestiere drohen auszusterben.

Sauer macht arm Sauer macht arm
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Kohlensäure wird zum Problem in den Weltmeeren. Durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle wird immer mehr Kohlendioxid ausgestoßen, das die Weltmeere aufnehmen, wodurch sie versauern. Meeresorganismen wie Korallen sind gefährdet. Nur eine drastische Einschränkung der Treibhausgasemissionen kann helfen.

Wasserflasche auf, ein lautes Zischen und dann ein kräftiger Schluck. Mineralwasser ist einer der beliebtesten Durstlöscher der Deutschen. Was das Trinkwasser so erfrischend macht, wird in den Weltmeeren immer mehr zu einem Problem: Kohlensäure. Sie entsteht in den Ozeanen, wenn sich Kohlendioxid (CO2) im Wasser löst. Die sogenannte Ozeanversauerung nimmt zu, weil durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle immer mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird. Sie ist neben der globalen Erwärmung eine Hauptfolge der menschlichen Emissionen – mit negativen Folgen für Meeresbewohner wie Korallen oder Schalentiere.

Meeresforscher fordern daher eine drastische Einschränkung der Treibhausgasemissionen. „Jetzt ist die Zeit, sich für weniger CO2-Emissionen einzusetzen, um die Zukunft der Meere zu sichern“, sagt Hans-Otto Pörtner, Meeresexperte am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Mehr Kohlensäure und weniger Karbonat

Jährlich nehmen die Weltmeere ein Drittel des Kohlendioxids aus der Verbrennung fossiler Energieträger auf. Seit der vorindustriellen Zeit hat die Säuremenge bereits um 30 Prozent zugenommen. Und nicht nur das Wasser versauert, auch der Säuregrad in den Körperflüssigkeiten der im Wasser lebenden Organismen steigt. Sie müssen mehr Energie in die körpereigene Säure-Basen-Regulation stecken, um den Effekt auszugleichen. „Einigen gelingt dies nur sehr unvollständig und sie reagieren entsprechend empfindlich“, erklärt Pörtner.

Neben dem pH-Wert nimmt auch die Konzentration von Karbonaten im Wasser ab. Aufgrund der Ansäuerung können viele Meeresorganismen weniger Kalk für ihre Schalen oder Skelettstrukturen bilden, möglicherweise auch, weil sie viel Energie auf den Säureausgleich verwenden müssen. Muscheln haben eine kalkhaltige Schale, die sie schützt. Im sauren Wasser wird es für sie schwer, Kalziumkarbonat für ihre Schalenbildung anzureichern und einzulagern. So geht es auch den Korallen, die ebenfalls aus Kalk bestehen. Betroffen sind also ganze Ökosysteme.

Problem der Versauerung nimmt zu

Die Versauerung der Ozeane verläuft heute zehn mal schneller als zur Zeit des großen Artensterbens in der Klimageschichte vor 55 Millionen Jahren. „Es ist nicht das erste Mal in der Erdgeschichte, dass die Ozeane versauern, beunruhigend ist aber, dass es diesmal sehr viel schneller passiert als je zuvor“, sagt Jelle Bijma, mariner Biogeologe am Alfred-Wegener-Institut.

Wenn die Entwicklung so schnell voranschreitet wie bis jetzt, werden im Jahr 2050 empfindliche Meeres-Ökosysteme wie Korallenriffe schwer geschädigt sein. Das ist das Ergebnis des Berichtes „Ocean Acidification: Questions Answered “ (Ozeanversauerung: Fragen beantwortet) von über 30 führenden internationalen Meeresforschern. Sie warnen eindringlich davor, dass wichtige Meeresorganismen wie Seegurken, Kaltwasserkorallen und im Wasser schwebende Flügelschnecken aussterben könnten.

Ganze Ökosysteme könnten betroffen sein

Diese Tierarten stehen oft am Anfang von Nahrungsketten. Wenn ihre Bestände zurückgehen, hat das Auswirkungen auf viele andere Tiere wie Krebse, Lachse oder Wale. Die Forscher befürchten schwerwiegende Folgen für das gesamte Meeresökosystem.

Besonders betroffen sind die Polargebiete. „Gerade in den kalten Ozeanen ist die Löslichkeit für CO2 besonders groß, sodass im Gegenzug auch die Karbonat-Ionenkonzentration geringer und die Ansäuerung größer ist“, erklärt Pörtner, der auch stellvertretender Koordinator des Großforschungsprojektes BIOACID ist. Pörtner und seine Kollegen aus insgesamt 14 deutschen Forschungsinstituten und Universitäten untersuchen die Auswirkungen der sauren Meere auf seine Bewohner. Das volle Ausmaß mit seiner Wirkung auf einzelne Arten, ganze Ökosysteme und damit letzten Endes auch auf die Fischerei ist noch unklar. „Bis jetzt gibt es noch keine Feldmessungen, um alle Annahmen mit Daten zu bestätigen, aber ich bin überzeugt, dass die Ozeanversauerung bereits Spuren hinterlassen hat“, so Pörtner.

Erste Forschungsergebnisse deuten an, dass die Fähigkeit einzelner Muschelarten in den Polarmeeren, die Störung im Säure-Basen-Haushalt zu kompensieren, sehr gering ist.

Wissenschaftliche Prognose: Versauerung nimmt zu

Die Forscher rechnen mit einem Anstieg des Säuregrades der Meere um den Faktor 6 bis zum Jahr 2300. Es ist davon auszugehen, dass sich dann die fein aufeinander abgestimmten Beziehungsgeflechte des Ökosystems Meer stark verändert haben. Die Ozeane werden anders aussehen als heute – empfindliche Systeme wie Korallenriffe könnten weitgehend verschwunden sein. Steigt der CO2-Gehalt der Atmosphäre wie bisher, dann wird der pH-Wert in den oberen Meeresschichten bis Mitte des nächsten Jahrhunderts von heute 8,1 auf 7,5 Einheiten sinken. „Damit wäre der Ozean saurer als jemals zuvor in den vergangenen 20 Millionen Jahren“, so Pörtner.

Weitere Informationen:

Interview. Hans-Otto Pörtner, Leiter der Sektion integrative Ökophysiologie des AWI erklärt die Ozeanversauerung. www.awi.de (Text-Version) und www.awi.de (Audio-Datei)

Europäisches Projekt zur Erforschung der Ozeanversauerung EPOCA: www.epoca-project.eu

EPOCA-Bericht: Ocean Acidification: Questions Answered. www.epoca-project.eu

Informationsvideo des „Ocean acidification subcommittee“: The world was our Oyster. www.whoi.edu

Verbundprojekt BIOACID: www.bioacid.de

UKOARP (UK Ocean Acidification Research Program) ist Großbritanniens erstes Forschungsprogramm zur Ozeanversauerung, an dem über 100 Wissenschaftler von 21 Instituten in Großbritannien beteiligt sind: www.oceanacidification.org.uk

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014